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Laim:Außer Spesen nichts gewesen

Zur Eröffnung eines Kulturladens benötigt die Initiative "inlaim" dringend einen Zuschuss, doch die Kommunalpolitiker können sich nicht einigen

Von andrea Schlaier, Laim

Für Laimer Verhältnisse ist dieses Tempo rekordverdächtig: Erst knapp zwei Jahre ist es her, dass sich die Initiative "inlaim" gegründet hat. Seither hat ein Team um Petra Stockdreher, Ruth Wassermann und die beiden Grünen-Politikerinnen Erika Sturm und Lisbeth Haas bereits reichlich Menschen im Viertel bewegt: etwa beim Urban-Gardening-Projekt nahe der Geflüchtetenunterkunft an der Hans-Thonauer-Straße, beim internationalen Sommerpicknick oder diesen März bei dem ob seiner Poesie und Experimentierlust aufsehenerregenden Kunst- und Musikparcours "Open space".

Durch "puren Zufall", sagt Petra Stockdreher, habe sich jetzt überraschend die Möglichkeit ergeben, als Stützpunkt für das inzwischen weitreichende Netzwerk einen Stadtteil- und Kulturladen in einem Genossenschaftsbau mitten im Viertel anzumieten. 50 Quadratmeter, "kleine Miete, stabile Verhältnisse". Zügiges Handeln sei gefragt gewesen, weshalb sie, Stockdreher, bereits unterschrieben habe. Der schwarz-roten Mehrheit im Bezirksausschuss (BA) Laim ist dieses Tempo zu hoch: Sie verweigert der Initiative im ersten Anlauf die finanzielle Unterstützung, um die diese für die Erstausstattung gebeten habe. Denn bereits im September soll in dem Laden erstmals "Programm ohne Konsumzwang" für die Laimer angeboten werden.

In kürzester Zeit hat die Initiative "inlaim" schon einige Kunstprojekte wie das Open space auf die Beine gestellt.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Nach reichlich hitziger Diskussion ist die Entscheidung gegen einen schnellen Zuschuss im Laimer Bezirksausschuss gefallen. Hartnäckig hatten sich sowohl SPD als auch CSU geweigert, über die beantragte Unterstützung für die Möblierung in Höhe von knapp 8000 Euro an diesem Abend ein Urteil zu fällen. Ihnen fehle "Detailberatung" (Martha Mertens, SPD) und "Überlegung im kleineren Zirkel" (Josef Mögele, SPD). Alexandra Gaßmann (CSU) verweist darauf, "dass wir von allen Initiativen, die sich bei uns melden, konkrete Ausführungen wollen und würden bitten, dass wir das im gemeinsamen Gespräch klären". Zu dem Zeitpunkt halten die Ausschussmitglieder bereits die detaillierte Kostenauflistung und konkrete Bedarfsbeschreibung als Antrag in Händen. Petra Stockdreher sitzt mit in der Sitzung, verweist darauf, "dass wir den Laden relativ schnell beziehen und bespielen können müssen". Die Miete finanziere man über eigene Mittel und Förderungen.

Im September soll sich bereits die Tür an der Guido-Schneble-Straße 24 im hübschen Block der Baugenossenschaft des Verkehrspersonals 1898 e. G., Laims ältester Genossenschaft, öffnen. Stühle und Tische im Haus wären dann ganz schön. Mit so einer Anlaufstelle, erklärt sich Stockdreher, habe "inlaim" die Möglichkeit, die "Aktivitäten im Stadtteil zu verstetigen" und sie für gemeinschaftliche wie künstlerische Aktionen zu nutzen. Das Kulturreferat hat diese bereits in der Vergangenheit unterstützt und auch künftige Förderung versprochen. Etwa für diesen Herbst, wenn das junge Netzwerk seine Ergebnisse der "Laimer Touren" kunstvoll präsentieren will - eine Umfrage zu Gegenwart und gewünschter Zukunft im Viertel, die zusammen mit Studierenden der Hochschule München durchgeführt worden ist.

Initiative InLaim Kulturladen Guido-Schneble-Straße 24

Auch Räume für einen Kulturladen an der Guido-Schneble-Straße 24 sind gefunden. Allein es fehlt an einem Zuschuss für die Erstausstattung.

(Foto: Privat)

Vor diesem Hintergrund und der grundsätzlichen finanziellen Möglichkeit des BA ( "Wir haben 142 000 Euro in unserem Budget") plädiert Renate Spannig (Grüne) für eine Unterstützung des Laden-Antrags. "Da findet Begegnung statt. Wir haben sonst nix in Laim." Fraktionskollege Daniel Haas schlägt zur Güte vor, die gut 4000 Euro an Küchenkosten erst mal aus dem Abstimmungspaket zu nehmen und den restlichen Zuschuss sofort zu gewähren, "damit sichergestellt ist, dass im September eröffnet werden kann". Für Heidi Schiller (Grüne) "sind 1300 Euro für Mobiliar keine Luxusausstattung. Wir sollten sie einfach mal loslegen lassen und anschauen, wie so was angenommen wird." Doch die Grünen-Fraktion kann sich nicht durchsetzen.

SPD und CSU beharren auf eine vorgeschaltete Gesprächsrunde im August. Haas' Kompromiss wird gar nicht erst aufgerufen. Seine Kollegin Jutta Hofbauer wettert: "Das Gespräch brauchen wir dann gar nicht, wenn dann auch nix entschieden wird." Zur Empörung der Grünen wird daraufhin auch nicht mehr über eine Gesprächsrunde abgestimmt. Mögele und Gaßmann verweisen auf Formalia im Sitzungsablauf. Im Laimer Bezirksausschuss scheint der Kommunalwahlkampf eröffnet zu sein.

© SZ vom 17.08.2019
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