„Ich habe so mit 50 Neugierigen gerechnet“, sagte einem Till Hofmann mit üblichem Understatement, während man mit mindestens 500 die Haimhauser Straße zur U-Bahn marschierte. Die mit großem Aufwand werbewirksam inszenierte öffentliche Überführung des originalen Leuchtreklameschildes der Lach- und Schießgesellschaft aus der ehemaligen Schwabinger Heimat ins neue Interimsquartier in der Fat Cat zog buchstäblich Massen an. Schon morgens lief der Hinweis auf die Gaudi in den Nachrichten-Sendungen im Radio.
Noch vor wenigen Monaten hätte man sich so etwas kaum vorstellen können. Nach diversen Gesellschafter- und Geschäftsführer-Wechseln und dem Verlust des angestammten „Ladens“ in der Haimhauserstraße war die berühmteste Kabarett-Institution der Republik nahezu in die Beachtungslosigkeit versunken. Bis im September in einer völlig unerwarteten Volte Till Hofmann wieder übernahm, mit dessen Abgang im Unfrieden der Niedergang vor vier Jahren begonnen hatte.
Nun also zog ein langer, kunterbunter Zug mit vielen vorher ausgeteilten orangeroten Fahnen und Mützen mit dem Lach-und-Schieß-Logo zum U-Bahnhof Münchner Freiheit. Mit dem alten Schild im von Kabarett-Prominenz wie Josef Hader, Claus von Wagner, Willy Astor und Sonja Kling geschobenen Bollerwagen und der Express Brass Band als musikalische Wegbereiter vorneweg. „Get up for your right, don’t give up the fight“, spielte die unter anderem passenderweise.
Als Kampfgefährten waren das Gros der süddeutschen Kabarettszene versammelt, samt norddeutscher und österreichischer Gesandter, alte und junge Freunde der Lach- und Schießgesellschaft, überdurchschnittlich viele Medienvertreter und viele Zaungäste. Nach dem jahrelangen Kampf um den Erhalt der Lach- und Schieß war jetzt auf dem Weg in die neue Spielstätte nur noch die Schlacht gegen überfüllte U-Bahnen und den S-Bahn-Notbetrieb auf der Stammstrecke zu gewinnen.

Wobei die neue Heimat im ehemaligen Kleinen Konzertsaal des Alten Gasteigs wie alles in der Fat Cat zunächst ja nur ein Interim ist. Genau wie Michael Mittermeiers schräg gegenüber im ehemaligen Vortragssaal der Stadtbibliothek platzierte „Lucky Punch“-Comedy-Bühne, was einen interessanten Kontrast ergibt. Und die Fat Cat aktuell zu einem Zentrum der Kleinkunst auf Abruf macht. Das eigentlich schon bald der großen Renovierung weichen soll. Doch wie sagte OB Dieter Reiter – der sogar bei der Montage des Schildes anpackte – bei seiner Grußrede so schön: „Eine Zwischennutzung kann in München länger dauern.“ Er muss es ja wissen.
Nachdem das Schild vor dem Gasteig-Eingang montiert und erleuchtet war, folgten Grußworte von Hader, Reiter, Claus von Wagner und Alt-OB Christian Ude, der sich mit dem von ihm gegründeten Verein „Die Laden-Hüter“ von Anfang an um die Rettung der Lach- und Schießgesellschaft bemüht hatte – wenn auch nicht immer unter glücklichen Umständen.

Die launige Festrede vor Christl Sittenauers „Taufe“ mit einer Sektflasche hielt Kabarett-Allzweckwaffe und Ensemble-Regisseur Sven Kemmler. Scherzhaft wies er mit den „inflationären Wiederauferstehungen“ den quasi-religiösen Status der Lach- und Schießgesellschaft nach. Und hob als wichtigstes Ergebnis dieser Wende und dieses Umzugs hervor, dass jetzt „einfach wieder Programm gemacht wird, fast täglich“.
In der Tat liegt der erste Programm-Flyer von Januar bis Mai 2026 bereits vor. Los geht es am 9. Januar, mit einem „Eröffnungsabend mit Katzen im Sack.“ Wohlbekannt sind dann freilich die darauffolgenden Namen: Stephan Zinner, Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Max Uthoff, Ana Lucia mit Zill Reiners, Gerhard Polt mit Josef Hader (!), zuletzt Hosea Ratschiller mit einer Deutschland-Premiere – alleine im Januar ist alles vertreten, was Rang und Namen hat.
Und so geht es in den folgenden Monaten munter weiter. Um der neuen alten Lach- und Schießgesellschaft, dieser offensichtlich doch unverzichtbaren Einrichtung und Verabreichungsort von Breitband-Antiidiotika (um Volker Pispers zu zitieren) einen guten Neustart zu verschaffen.

