Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus:"Maßlos traurig, unwürdig, stillos"

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Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Spielbetrieb eingestellt, Künstler ohne Gage: die Räume der Lach- und Schießgesellschaft in Schwabing.

Spielbetrieb eingestellt, Künstler ohne Gage: die Räume der Lach- und Schießgesellschaft in Schwabing.

(Foto: Lach & Schieß)

Kabarettisten und Künstlerinnen sorgen sich um die Zukunft der Lach- und Schießgesellschaft, die vor dem finanziellen Aus steht. Was dort wohl als nächstes hineinkommt? Ein Paketshop, eine Trinkhalle oder ein Immobilienbüro?

Von Michael Bremmer, Jutta Czeguhn, Susanne Hermanski, Barbara Hordych, Antje Weber und Ariane Witzig

Luise Kinseher hat als Kabarettistin in der Lach- und Schießgesellschaft Premieren ihrer neuen Stücke gegeben:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Luise Kinseher.

Luise Kinseher.

(Foto: Martina Bogdahn)

"Dieter Hildebrandt würde sich im Grab umdrehen! Unter der Leitung von Till Hofmann und Steffi Rosner war die Lach- und Schießgesellschaft eine florierende Bühne, in der ich und viele andere namhafte KollegInnen immer gern gespielt haben. Da Bruno Jonas sich eine andere Ausrichtung wünschte, übernahm Stefan Hanitzsch als Geschäftsführer das Theater und man hatte ,große Pläne'. Von da an ging's bergab. Die Pandemie hat uns alle gebeutelt, aber - hurra, wir leben noch, und die Lach- und Schießgesellschaft soll nun sterben? Wahrscheinlich ist die Mischung aus Narzissmus und Dilettantismus keine gute Idee gewesen. Kabarett braucht Herzblut und Liebe, sonst geht es unter."

Henning Venske, von 1985 bis 1993 Ensemblemitglied, Autor und später auch Regisseur bei der Lach- und Schießgesellschaft:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Henning Venske.

Henning Venske.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

"Ich finde es maßlos traurig und ich finde das Verhalten aller Beteiligter unwürdig und stillos. Mich macht es einfach traurig, dass dieser verdienstvolle Laden offensichtlich in so inkompetente Hände gefallen ist."

Sven Kemmler, Kabarettist und als Autor und Regisseur immer mal wieder mit der Lach- und Schießgesellschaft verbunden:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Sven Kemmler.

Sven Kemmler.

(Foto: Franziska Schrödinger)

"Was gerade mit der Lach- und Schießgesellschaft passiert, ist wahnsinnig schade und traurig. Am meisten leid tut mir momentan das Ensemble. Das war zuletzt das Einzige, das funktioniert hat. Wenn es jetzt auf den Rechnungen sitzen bleibt, dann wäre das brutal. Man kann ja nicht sagen, dass seit der Übernahme vor zwei Jahren alles blendend lief oder funktioniert hat - im Gegenteil. Es hat sich aber keiner aufgeregt, alle haben versucht, den Laden zu schützen. Jeder wollte, dass der Laden läuft. Dass man jetzt aber versucht, die Missstände auf Corona und die früheren Betreiber zu schieben, empfinde ich als ungehörig und unhöflich. Die neuen Betreiber machten ja die Ankündigung, dass jetzt alles schöner, toller, neuer wird - nichts davon war je zu sehen."

Ecco Meineke, Kabarettist und sieben Jahre lang im Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Ecco Meineke.

Ecco Meineke.

(Foto: Eccoland Entertainment)

"Es war ein kapitaler Fehler, dass Till Hofmann die Lach- und Schießgesellschaft nicht weiterführen konnte. Er war es, der den Laden zusammengehalten hat. Ich hatte das Vergnügen, sieben Jahre lang Ensemble-Mitglied gewesen zu sein und Hausautor. Und seit dieser Zeit ist mir klar, welche Tradition die Lach- und Schießgesellschaft hat, welche enorme Institution sie ist. Es wäre der absolute Hammer, wenn der Laden nicht weiterbestehen kann. Diese Institution muss erhalten bleiben. Das darf sich eine Stadt wie München nicht durch die Lappen gehen lassen."

Alexander Liegl, Kabarettist, Schauspieler und Autor:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Alexander Liegl.

Alexander Liegl.

(Foto: Steffi Adam /imago images/Future Image)

"1991 hab ich zum ersten Mal mit der Gruppo di Valtorta im ,Laden' gespielt. Die Lach & Schieß war einfach immer da und es wäre verstörend, wenn sie nicht mehr da wäre. Aber die Kleinkunstszene einer Stadt überlebt nur miteinander, nicht gegeneinander."

Caroline Ebner, ehemaliges Mitglied des Ensembles der Lach-und Schießgesellschaft:

"Als ich von der Bedrohung der Lach & Schieß erfuhr, war ich extrem berührt. Ich bin dem Haus, insbesondere Till Hofmann, und vielen Kollegen, die ich dort kennenlernen durfte, sehr verbunden und war vom ersten Moment sehr dankbar, in dieser Tradition stehen und auf diesen so schmalen, großen Brettern spielen zu dürfen. Es wäre ein immenser Verlust für München und die gesamte Kabarettszene, wenn diese Bühne nicht mehr da wäre. Das sollten wir nicht zulassen."

Kabarettistin Constanze Lindner trat zuletzt mit ihrem Programm "Miss Verständnis" in der Lach- und Schießgesellschaft auf:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Constanze Lindner.

Constanze Lindner.

(Foto: BR/Martina Bogdahn)

"Ich als Schwabinger Kindl bin schon früher immer mit großen Augen vor der Lach & Schieß gestanden. Und so manch einen Kollegen habe ich dort schon bewundert. Ein wichtiges Haus, eine wichtige Bühne für München, vor allem fürs Kabarett - kurz eine Institution. Es wäre natürlich ein großer Verlust, diese Institution für immer schließen zu müssen. Aber diese Bühne hat schon manch einen Sturm überlebt, ich hoffe sehr, dass auch dieser Sturm unbeschadet an diesem Haus vorbeizieht. Ich habe meine schönsten Auftritte auf der Lach & Schieß-Bühne gehabt. Da war von Tränenlachen bis großes Drama alles dabei. Und ich weiß noch, was für eine große Ehre es für mich war, dass ich selber auch auf dieser Bühne spielen durfte - was ich auch, bis kurz vor Corona, dort gemacht habe."

Andreas Rebers war selbst einmal Gesellschafter der Lach- und Schießgesellschaft:

Lach- und Schießgesellschaft vor dem Aus: Andreas Rebers.

Andreas Rebers.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Die Premiere meines neuen Programms am 3. März wäre so etwas wie ein Nachhauskommen gewesen. In München habe ich mich ja rar gemacht, es wäre die erste Premiere seit 2015 gewesen, dazu noch mit dem passenden Titel: ,Rein geschäftlich'. Die Lach & Schieß macht etwas falsch. Klar hat Corona die Lage verschärft, aber im Gegensatz zum Düsseldorfer Kommödchen ist es lange nicht gelungen, ein unverwechselbares Ensemble zu finden. Erst jetzt, mit dem jungen neuen Ensemble, hat das geklappt - und ich hätte denen gewünscht, dass sie weitermachen können, denn die sind wirklich gut. Die Insolvenz schwebte 2017 schon mal über der L&S, das ist also nichts Neues mehr. Aber in letzter Zeit gab es so viele Verwerfungen und unglückliche Entscheidungen, die diese Situation nun herbeigeführt haben. Bruno Jonas ist nicht das Problem, sondern die Gesamtlage. Auch sind viele namhafte Künstler abgesprungen, diejenigen, die sich noch auf Dieter Hildebrandt berufen und sich hinter Pseudo-Aktivismus verstecken, spielen da gar nicht mehr. Wenn man aber Lach & Schieß macht, müssen da auch gute Leute auf der Bühne stehen. Und die Stadt sollte ein Interesse daran haben, dass ein Konzept gefunden wird, das funktioniert. Schließlich ist es ja die Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Es muss doch möglich sein, mit der Stadt, neuem Konzept und anderen Leuten den Laden wieder auf Kurs zu bringen. Ich wünsche mir, dass die Lach & Schieß jetzt dichtmacht und dann mit dem neuen Ensemble und neuer Struktur wieder beginnt."

Alfred Dorfer, österreichischer Schauspieler und Kabarettist:

"Die Münchner Szene ohne die Lach & Schieß ist eigentlich unvorstellbar. Es steht zu hoffen, dass diese unverzichtbare Legende wieder in professionelle Hände kommt, um es in ihrem Sinne und runderneuert weiterzuführen."

Frank Smilgies, Kabarettist und Teil des Duos "Ulan & Bator":

"Ich kann die Situation nicht beurteilen, und möchte mir auch kein Urteil erlauben. Ich spiele seit zehn Jahren solo und im Duo ,Ulan & Bator' in der Lach & Schieß und war dort auch Teil des Ensembles. Mir steht das Haus näher als jedes andere. Als gelernter Münchner, der in Altschwabing wohnt und fast täglich an der Lach & Schieß täglich vorbeiläuft, habe ich zuletzt immer gestaunt: Warum spielt hier keiner? Während der Corona-Zeit haben wir Künstler uns alle gefragt, welches Theater es wohl zuerst erwischt. Aber dass es ausgerechnet die Lach & Schieß ist, hätte ich nie gedacht. Was läuft da schief? Die Lach & Schieß stand doch auch immer für eine Haltung. Zuletzt aber offenbar immer weniger - wenn ich höre, dass das Ensemble dort seine Gage nicht mehr bekommt! Wofür steht sie überhaupt noch? Das passt alles nicht zusammen. Ich finde es befremdlich, was dort passiert, eine 67 Jahre alte Münchner Traditionsbühne! Und ich bin traurig. Ich hoffe nur, dass dort nicht demnächst ein Amazon-Paketshop, eine Trinkhalle oder ein Immobilienbüro einzieht, sondern sich die Stadt und das Land Bayern zusammentun und neue Wege für die Lach & Schieß finden, unternehmerisch wie künstlerisch."

Julia von Miller, Trägerin des Schwabinger Kunstpreises, die oft in der Lach- und Schießgesellschaft auftrat:

"Diese finale Verkettung von miesen Umständen, fahrlässigem Verhalten und ungünstigen letzten Jahren ist ein Jammer. Für uns Künstler, für das Publikum, die Stadt und die Kabarettlandschaft des ganzen Landes. Ich bin schon als Schülerin zum ersten Mal im Laden gewesen. Meine zwei Freundinnen kellnerten dort, ich holte sie zum Tanzen ab und lernte dort Matthias Richling, Werner Schneyder und Dieter Hildebrandt kennen."

Gabi Rothmüller, Regisseurin und Schauspielerin:

"Mir ist weder zum Lachen zumute noch zum Schießen. Aber wie wohl bei allen, denen das Schicksal der Lach & Schieß am Herzen liegt, soll es hier nicht um Schuldzuweisungen gehen. Deswegen: Schnell raus aus der Schockstarre und dringend das Haus in die Hände desjenigen zurückführen, der es viele Jahre lang bravourös geleitet hat. Und hoffen, dass der Till Hofmann wieder übernimmt."

Jochen Busse, Schauspieler, Kabarettist und Autor:

"Unter der Geschäftsführung von Till Hoffmann habe ich zusammen mit Henning Venske und später mit meinem Solo in der L&S gespielt. Da war ich 74 Jahre alt und habe es mit Kabarett genug sein lassen. Heute bin ich 82 und erinnere mich nur noch an die schönen Dinge des Lebens, wobei ich anmerken muss, dass die zehn Jahre bei der L&S die schönsten meines Lebens waren. Es war immer eine Empfehlung sagen zu können, ich war zehn Jahre bei dem Laden. Und den soll es nun nicht mehr geben?"

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