Dass die Pressekonferenz unter dem Titel „Es gibt wieder Neuigkeiten aus der Münchner Lach- und Schießgesellschaft!“ im Vereinsheim angesetzt war, hätte einen schon stutzig machen können. Trotzdem hat wohl kaum jemand mit dieser Volte gerechnet: Till Hofmann übernimmt wieder die Geschäfte und das Ruder bei der altehrwürdigen Kabarett-Institution.
Seit Hofmann sich im Herbst 2021 – auf Wunsch der Mitgesellschafter und definitiv nicht freiwillig – als Geschäftsführer wie Gesellschafter zurückzog, vermochte es keine der rasant wechselnden Leitungskonstellationen, wieder ein kontinuierliches, der Marke Lach und Schieß gerecht werdendes Programm aufzuziehen. Auch der nach dem Konkurs im Frühjahr 2023 nicht zuletzt dank des von Alt-OB Christian Ude ins Leben gerufenen Fördervereins „Die Laden-Hüter“ mit einer neu gegründeten Gesellschaft abgewendete Untergang erwies sich als Siechtum und Tod auf Raten.
Knackpunkt war der Verlust des „Ladens“, wie die Räumlichkeiten der Lach- und Schießgesellschaft in der Haimhauser/Ecke Ursulastraße seit jeher genannt wurden. Zwar konnte man mit den neuen Betreibern, der Familie Entleitner, eine Nutzungsvereinbarung als Untermieter schließen, aber das Konzept eines friedlichen, einander befruchtenden Nebeneinanders von Gastronomie und Kabarettbühne ging nie auf.

Hektischen Neuausrichtungen und Namenswechseln (über „Wing Nation – Smiles & Shots“ bis zum aktuellen „Kult 56“) zum Trotz. Seit Kurzem haben die Entleitners mit eigenen musikalischen und künstlerischen Leitern für Drag-Brunchs, Slams, Live-Musik und Kunst an den Wänden auch noch geradezu ein Gegenprogramm aufgestellt.
Im Vereinsheim wurde nun verkündet, wie der nächste neue Anlauf aussehen soll. Zunächst ergriff Christian Ude mit einem ausführlichen persönlichen Rückblick das Wort, in der gewohnt launigen Art des „einzigen Kabarettisten, der nebenbei eine Großstadt regiert“, wie Journalisten schon zu seiner Amtszeit oft geschrieben hatten. Schon vor 25 Jahren habe es in seinem Dienstzimmer eine Krisensitzung mit den damaligen Lach-und-Schieß-Größen Dieter Hildebrandt, Bruno Jonas, Wolfgang Nöth und dem neu dazu geholten Till Hofmann gegeben, führte er aus.
„Die fähigen Geschäftsleute auf der einen und die Kabarettisten auf der anderen Seite waren sich aber selbst nicht einig, ob sie städtische Hilfe brauchen oder annehmen dürfen. Ich habe dann gesagt, wenn ihr es wisst und meine Hilfe braucht – jederzeit.“ Leider habe er vergessen, diese Zusage auf seine Amtszeit zu beschränken, und so habe ihn das Schicksal dann vor drei Jahren ereilt. Mit dem Verein „Die Laden-Hüter“ und dem neuen Hauptgesellschafter Ulrich Spandau sei es gelungen, wenigstens die Markenrechte und einen gewissen Weiterbetrieb zu sichern. „85 Veranstaltungen in zwei Jahren ohne feste Spielstätte und finanzielle Mittel, das soll uns erst einmal jemand nachmachen.“
Nach dem Räsonieren über das Erreichte und nicht Erreichte sowie dem Dank an die ebenfalls anwesenden bisherigen Mitstreiter Axel Markwardt (Finanzen und Verwaltung) und André Hartmann (künstlerische Leitung) kam Ulrich Spandau an die Reihe, um sozusagen offiziell an den neuen „Chef“ zu übergeben. Man habe sich vor ein paar Wochen getroffen und danach im bisherigen Team einstimmig beschlossen: „Es kann keiner besser als du, Till.“ Gestern habe man beim Notar alles Nötige abgewickelt.

So übernimmt Till Hofmann die Gesellschaft allein, das hatte er zur Bedingung gemacht. Freilich denkt er daran, später Jüngere mit ins Boot zu holen. Die Aufbauarbeit leistet ohnehin das von früher bewährte Team: die langjährige Bookerin Steffi Rosner, Grisi Ganzer und Caroline Redka. „Es ist viel Arbeit, aber wir freuen uns drauf. Unsere Geschichte ist noch nicht auserzählt“, sagte Hofmann. Die Zielstellung sei, sich wieder auf den Markenkern der Lach- und Schießgesellschaft zu konzentrieren mit einem zugkräftigen, der Tradition und Marke des Hauses angemessenes Programm. „Wir brauchen wieder Kontinuität. Wenn früher ein Sigi Zimmerschied sechs Wochen am Stück gespielt hat, dann war die Mundpropaganda da. Wir müssen wieder täglich im Stehsatz der Zeitungen stehen“, erklärte Hofmann.
Allerdings, das sprach er ebenso klar aus: „Der alte Laden ist weg.“ Die verstreuten, bis Dezember in den bisherigen „Ausweichquartieren“ Drehleier und Silbersaal sowie vereinzelt noch im Kult 56 angesetzten Termine samt den einheimischen und auswärtigen des wundersamerweise immer noch bestehenden Ensembles sollen wie geplant durchgezogen werden, dann geht es hinüber ins Fat Cat. Denn der ehemalige Kleine Konzertsaal des Alten Gasteigs wird die neue Heimat der Lach und Schieß. Zumindest vorerst, schließlich ist das gesamte Haus ein Zwischennutzungsprojekt mit ungewissem Ablaufdatum. „Wir werden den Saal aber hübsch machen“, verriet Hofmann. „Und ins Foyer kommt eine kleine Ausstellung über die Vergangenheit der Lach und Schieß.“
Vormerken könne man sich schon Sonntag, 16. November. „Da werden wir mit einem Umzug mit vielen Künstlern das alte Schild in den Kleinen Konzertsaal überführen.“ Und eine noch viel größere Feier findet auf jeden Fall am 20. November 2026 statt: Dann gilt es, den 70. Geburtstag der Lach- und Schießgesellschaft zu feiern. Zum Glück wohl als Phönix-aus-der-Asche-Party, nicht als Beerdigungsfeier.
In jedem Fall, und so sehen das wohl inzwischen alle Beteiligten, übernimmt nun wieder derjenige, der die größte Strahlkraft und Kompetenz besitzt, um zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist. Schließlich hat Hofmann die Lach und Schieß schon einmal vor dem Untergang bewahrt, damals bei seinem Einstieg im Jahr 2000. So erfolgreich, dass er mit einem wachsenden Spielstätten-Imperium zum Beinahe-Monopolisten der Münchner Kleinkunst-Landschaft wurde.
Ob es je wieder so etwas wie den alten „Laden“ geben wird, muss sich erst noch zeigen. Das hippe Fat Cat, der ehemalige Gasteig, ist aber vielleicht nicht der schlechteste Ort für einen Neuanfang. Michael Mittermeiers dort vor einiger Zeit aufgezogener „Lucky Punch“ Comedy Club jedenfalls läuft ausgezeichnet.

