LaBrassBanda in der Olympiahalle Bairisch kann auch cool sein

Wie bei jedem ihrer Konzerte verlassen die fünf irgendwann die Bühne, um nur mit ihren Instrumenten durch die Menge zu ziehen. Durch die Arena, rauf auf die Ränge, über die nackten Schultern der Pogo-Jungs wieder zurück auf die Bühne. Neun Minuten verschluckten die mehr als zehntausend Zuschauer sie fast völlig - nur ab und an ist aus dem Klatschen und Singen der Menge heraus die dumpfe Tuba zu hören. "In der großen Halle ist man so weit weg", sagt Dettl später, "deswegen war das für uns so wichtig. Und es ist einfach voll schön: Jeder grüßt, lacht dich an, jeder feiert."

Als er 2007 anfing mit LaBrassBanda wollte er der Welt beweisen, dass sich nicht nur zu makellosem Computerpop ausgezeichnet tanzen lässt, sondern auch zu ehrlicher, handgemachter "Voixmusik" aus dem Chiemgau. "Tanzmusik mit Dreck unter den Fingernägeln" eben. Es hat funktioniert. Und wie. 2008 tourten sie mit Mopeds und Traktor zum EM-Endspiel zur Fanmeile in Wien, Konzerte in Sibirien und Simbabwe folgten. LaBrassBanda hat inzwischen sogar den kühlen Hamburgern und den hippen Berlinern bewiesen, das Bairisch auch richtig cool sein kann.

Das ungläubige Staunen, das sie immer noch auslösen, wo immer sie hinkommen, ist das Lebenselixier der Band. Egal ob in einem österreichischen Techno-Club, wo die Leute "scharf aufgemacht sind, mit Kleidl und Stöckelschuhen", auf dem Weltmusikfestival in Jena oder dem Indie-Club in den USA: Der Moment, erklärt Dettl nach dem Konzert, "wenn denen vor Überraschung fast das Bier aus der Hand fällt: Das brauchen wir."

Im kommenden Jahr wollen LaBrassBanda nur ein paar Open-Air-Konzerte spielen, endlich mal wieder ins Studio gehen und ein neues Album aufnehmen. Zeit wird's: 2008 erschien ihr Debutalbum Habediehre, ein Jahr später schon das Nachfolgewerk mit dem ironischen Titel Übersee, das ja eigentlich nur ein kleiner Ort an ihrem Heimatsee ist. Zwischen all den Blechkonzerten nahm Stefan Dettl sein Soloalbum Rockstar auf, in der er die Trompete gegen die Gitarre tauscht und dem mit all dem Blech leider auch das gewisse Etwas abhandengekommen ist. Für die neue Platte wollen sich die Chiemgauer mehr Zeit nehmen. Was draufkommt, wissen sie selbst noch nicht so genau. Sie wollen dafür zurückgehen in die kleinen Clubs. "Von da werden die neuen Stücke den Weg auf die Platte finden", sagt Dettl.

Als er das vor der vorletzten Zugabe den Zehntausend in der Halle verspricht, ankündigt, den Fans in den Clubs zurückzugeben, "was ihr uns gegeben habt", ist der Jubel gewaltig. Klar sind sie alle gekommen, weil LaBrassBanda in der riesigen, kühlen Betonhalle genauso funktioniert wie vor ein paar hundert Leuten im Cirkus Krone. Aber eigentlich gehören Stefan Dettl und seine Trompete nicht hierher.