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Kurzkritik:Wiener Wuchtel

Kabarett mit Strip-Einlage: ein Solo von Serienstar Manuel Rubey

Von Oliver Hochkeppel

Eine alte Streitfrage: Gibt es länderspezifischen Humor? Wie man jetzt bei Manuel Rubey im Deutschen Museum sehen konnte, ist etwas dran, auch, wenn es vielleicht mehr mit Vorbildern als mit der Geografie zu tun hat. Der Österreicher, der vor allem als Schauspieler (schon 2007 als Falco im Kino oder in den Schalko-TV-Serien wie "Braunschlag" und "Altes Geld") und Musiker (Mondscheiner hieß seine alte, Familie Lässig heißt die aktuelle Band) unterwegs ist, nennt in Interviews gerne Josef Hader als "Initialzündung" seines Schaffens. Das merkt man seinen Ausflügen ins Kabarett an. Schon dem bejubelten Duett mit Thomas Stipsits, vor allem aber seinem ersten Solo "Goldfisch", das hier jetzt, coronabedingt verspätet, Deutschland-Premiere hatte.

Was bei der Ich-Perspektive anfängt, in der der Kabarettist scheinbar aus seinem eigenen Leben erzählt - und man dann rätseln darf, wie viel davon stimmt. Sich damit fortsetzt, keine Wuchtel (Wienerisch für einen guten Witz) links liegen zu lassen, nicht ohne sich freilich dafür stets zu entschuldigen. Und ist mit Exkursen in die Musik und in die Fantastik (es scheint im Pflichtenheft eines Wiener Kabarettisten zu stehen, den Tod leibhaftig auftreten zu lassen) noch nicht zu Ende. Das Ganze wird dann noch in einen Rahmen eingebunden. Bei Rubey ist der, dass ihn seine Freundin Stella mitsamt den zwei Töchtern verlassen hat. Was ihn, aufgelockert durch Lieder und lustige Listen ("Berufe, vor denen ich meine Töchter warnen möchte" etwa), zu selbstironischen Exkursionen über Prokrastination, gesunkene Aufmerksamkeitsspannen, Arbeitsmoral, Erziehungs- und Beziehungsprobleme oder die Schauspielerei treibt. Ach ja, der Goldfisch seiner Töchter, der im Glas auf der Bühne steht, überlebt selbstverständlich nicht.

Das ist alles sehr lässig und sehr lustig, greift nahtlos ineinander und ist - mitsamt einer kleinen Strip-Einlage - natürlich herausragend gespielt. Am Ende vermisst man aber doch ein bisschen den Tiefgang. Da ist das Vorbild Hader noch nicht erreicht.

© SZ vom 08.06.2021
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