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Kurzkritik:Von Seele zu Seele

Das "Trio con brio Copenhagen" thrillt und rührt in Traunstein

Von Klaus Kalchschmid, Traunstein

Welch' eine Entschädigung für drei Stunden Zugfahrt mit Maske: Das Konzert des Trio con brio Copenhagen bei den Traunsteiner Sommerkonzerten. Ob früher oder später Beethoven, das leidenschaftliche c-Moll-Trio Mendelssohns oder das verrückteste Stück von allen, Frank Martins Klaviertrio über irische Volksweisen: Pianist Jens Elvekjær erklärte es zwar, aber wir hätten auch so unseren Spaß gehabt an den Überlagerungen dieser "irländischen Melodien", die Martin lustvoll kombiniert und irgendwann in der abschließenden "Gigue" zur entfesselten "La Follia" werden lässt. Das ist Musik am Rande des Irrwitzes, die manchmal klingt als würden drei ein wenig angetrunkene Spieler an den Ecken eines Dorfplatzes mal selbstvergessen musizieren, mal heftig miteinander wetteifern.

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Kaum minder elektrisierend spielt das Trio Beethoven: Das große, erst 1824 komponierte Adagio war hier weitgesponnen; die feinen, zwanzig Jahre früher entstandenen Variationen über "Ich bin der Schneider Kakadu" waren kalligrafisch fein ziseliert, während das Presto aus dem G-Dur-Trio von op. 1 als Zugabe wild davonpreschte. Was auf drei CDs schon ungemein inspiriert, spannungsvoll und durchsichtig klingt, hat live an der Grenze der Spielbarkeit einen noch größeren Thrill.

Hauptwerk des Abends war das mit einem Höchstmaß an Leidenschaft und größter Übereinstimmung in jedem Detail von den beiden Schwestern aus Korea Soo-Jin Hong (Geige) und Cello (Soo-Kyung Hong) mit ihrem dänischen Pianisten gespielte Trio Nr. 2 in c-Moll op. 66 von Mendelssohn. Selten hört man in den Ecksätzen solchen Furor, der das Gleichgewicht der Instrumente nie aus dem Lot bringt. Im traumhaft schön gespielten Andante espressivo war er dann wieder da, der tief in die Seele dringende Moment, den jedes klassische Konzert vor allem mit intimer Kammermusik, die keinen Abstandsregeln folgen muss, derzeit irgendwann bereithält: der Augenblick tiefster, fast schmerzvoller Rührung.

© SZ vom 08.09.2020