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Kurzkritik:Sinnestäuschung

Stephanie Felbers Tanzinstallation "Le vide dans l'espace"

Von Eva-Elisabeth Fischer

Stephanie Felber hat grad noch die Kurve gekratzt, indem sie die Premiere ihrer Tanzinstallation "Le vide dans l'espace" in den Labor Ateliers einfach vorzog. Die Leere im Raum, die sie ausstellt, man könnte sie deuten als die nicht greifbare innere Leere, wenn die Gedanken in die Zukunft schweifen, die noch ungewisser ist als sonst. Man könnte diese Leere aber auch als Anleitung zur Meditation nutzen in einem Schutzraum vor der Welt. Der Raum, den Felber gestaltet, ist ein schmuckloser Stoffschlauch, an dessen langen Seiten links und rechts 15 schwarze Hocker für die Zuschauer warten, während in zwei offenen Boxen bereits die Sound-und die Lichtmacher werkeln. An den vorderen und hinteren Enden lagern je zwei Tänzer. Mit ihren transparenten Masken und schwarzen Overalls sehen sie wie Astronauten aus. Und so bewegen sie sich auch - wie die Menschen im "Raumschiff Orion", die auf dem Meeresgrund tanzen.

Es dürfte Stephanie Felber allerdings kaum daran gelegen sein, alte Semmeln aufzubacken, auch wenn Raumausstattung und Kostüme wegen der Einfachheit ihrer Mittel momentweise derartige Assoziationen nähren. Und doch: Ästhetisch beamt sie einen zurück in die Sechzigerjahre. Und schon bald fühlt man, eingegroovt durch die erst einmal immer gleichen tockernden, computergenerierten Rhythmen, eine Art Schwerelosigkeit, provoziert durch die welligen, hellgrauen Lichtprojektionen an der grauen Wand. Auch die Tänzer krauchen und tasten umher, als fänden sie keinen rechten Halt unter den Füßen.

Je länger man auf die Lichtmuster schaut, desto mehr scheinen sie sich zu bewegen - eine Sinnestäuschung, der Op-Art eigen, die sich Felber hier zunutze macht. Und irgendwann erhebt sich ein Sturmgebraus, und Gelb und Rot lösen die graue Monochromie ab. Ein guter Einstieg ist das für den zweiten, rhythmisch-bewegteren Slot. Was nicht heißt, dass man sich bei "Le vide dans l'espace" nicht weiter in ein wohlig gedankenleeres Nichts gleiten lassen könnte.

© SZ vom 04.11.2020

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