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Kurzkritik:Sensationell

Auf dem Spuren von "The Who" im Deutschen Theater

Von Dirk Wagner

Es war schon eine Sensation, als die englische Rockband The Who nach ihrer 1966 erschienenen Mini-Oper "A Quick One While He's Away" 1969 ihr großes Werk "Tommy" veröffentlichte. Immerhin wurde diese Rockoper dann auch in einer orchestrierten Version auf die Bühne gebracht, verfilmt und schließlich noch als Musical mit fünf Tony Awards ausgezeichnet. Dass es The Who zudem gelang, besagte Rockoper aber auch ohne zusätzliche Musiker live zu spielen, ist eine weitere Sensation. An der muss sich nun auch die All-Star-Band Tommy Who! messen lassen, mit der der Sänger Georg Kleesattel das 50-jährige Bestehen von "Tommy" im Deutschen Theater zelebriert. Wobei Kleesattels Tommy-Vision auf einer Version fußt, mit der The Who 1989 samt erweiterter Band und gelegentlichen Gastsängern tourte.

Entsprechend sind auch bei Tommy Who! die verschiedenen Rollen des Stücks auf verschiedene Stimmen verteilt. Ali Kahn führt als Erzähler durch den Abend. Eternal Flame-Sänger Michael Schinkel schlüpft in verschiedene Rollen und liefert den wahrscheinlich bösesten Cousin Kevin der Rockgeschichte. Die Rockröhre Claudia Cane schiebt zusammen mit Barbara Kleesattel die Background-Vocals ganz weit nach vorn und berauscht solo als Acid Queen. Und Kleesattel selbst überbietet das Original von Who-Sänger Roger Daltrey mit einem Tenor, bei dem selbst Meat Loaf abgespeckt hätte. Sein Uncle Ernie würde zudem in jedes Grusical von Alice Cooper passen.

Auf zwei Gitarren, Bass, Keyboards und einem Schlagzeug mit zwei Kickdrums untermauert die Band die Gesangsdarbietungen aber nicht nur. Vielmehr schafft sie selbst ein musikalisches Universum, durch das die Hörer geschossen werden wie eine Kugel im Flipperautomaten. Als Freispiel liefert das Ensemble im Anschluss noch weitere Hits von The Who wie "Baba o' Riley", "My Generation" oder "You Better You Bet". Am 27. November spielen Tommy Who! ein Zusatzkonzert im Deutschen Theater.

© SZ vom 05.10.2020

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