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Kurzkritik:Probe statt Konzert

Das "Verworner-Krause-Kammerorchester" muss umdisponieren

Von DIRK WAGNER

"Ich muss sagen, dass wir hygiene-technisch einen Flickenteppich haben. Man muss sich nur mal in einen ICE der Deutschen Bahn setzen", sagt ein wenig verärgert Claas Krause, einer der beiden Leiter des Verworner-Krause-Kammerorchesters. Mit zwei Meter Abstand zueinander hatten die Musiker gerade im Blitz-Club ein Konzert erneut geprobt, das sie hier eigentlich mit denselben Sicherheitsvorkehrungen vor Publikum hatten aufführen wollen.

Aufgrund der aktuellen Corona-Fallzahlen wurde das angekündigte Konzert jedoch kurzfristig in eine Probe verwandelt, zu der nur Vertreter der Presse zugelassen waren. Wobei diese in München nicht, wie ursprünglich gedacht, zwischen den im Raum verteilten Musikern wandeln durften, um den Klangkörper aufgrund der wechselnden Nähe zu dessen verschiedenen Instrumenten selbst beeinflussen zu können. Stattdessen saßen die Zuhörer auf Barhockern nahe dem Mischpult und beobachteten, wie leichter Nebel von der Decke des Clubs tropfte, derweil die beiden Hörner des Orchesters solchem Nebel nicht unähnlich sich majestätisch auf den Sound legten.

Dann wieder wurde der Sound von jenen Hörnern ebenso wild durcheinander gewirbelt wie von den restlichen Instrumenten des diesmal 15-köpfig besetzten Ensembles. Dergestalt riss es die Hörer in ein Labyrinth aus tonalen und atonalen Strecken, die mal kammermusikalisch, mal jazzig anmuteten, und dann wieder wie die Tanzmusik eines Technoklubs klangen. Begleitet wurde das Ensemble von der Jazzsängerin Mia Knop Jacobsen und der Vokal-Artistin Salome Kammer. Der eigenen Musik stand dabei das verstörend-schöne "Ayle" gegenüber, das die griechische Komponistin Vasiliki Krimitza für das Impuls- Festival für Neue Musik Sachsen-Anhalt geschrieben hatte. An diesem Samstag, 24. Oktober, findet das Konzert immerhin in Berlin vor Publikum statt. Zu sehen ist es von 19.45 Uhr an auch im Internet über www.facebook.com/IMPULSFestival.

© SZ vom 24.10.2020

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