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Kurzkritik:Prachtvoll

Münchner Orgelherbst mit Peter Kofler

Von Klaus P. Richter

Der Kunst geht es schlecht in diesen Corona-Zeiten. Obwohl sie gerade jetzt als mentale antivirale Therapie so dringend nötig wäre. Immerhin gibt es in München auch in diesem Jahr den Orgelherbst, gewissermaßen als höhere ästhetische Dosis, nämlich im sakralen Ambiente von Kirche und Orgel. Peter Kofler, Spiritus Rector der trefflichen Reihe, wählte in seinem eigenen Konzert aber ein buntes, konzertantes Bukett als musikalische Seelentröstung. Dazu waren, man muss es in diesen Zeiten erwähnen, 150 Hörer in der Michaelskirche zugelassen.

Am Anfang stand die Klangpracht eines "Offertoire sur le grand jeux" von Françoise Couperin. Weil aber das französische "Grand jeux" noch nicht das volle organo pleno ist, sondern nur ein plenum der Zungenstimmen in Hauptwerk und Positiv, blieb die Prächtigkeit verhalten. In Koflers Bukett waren dann noch ein ganz früher Bach und drei Bearbeitungen von Werken Mendelsohns sowie eine Adaption von Robert Schumanns neckischem Genrebild "Der Vogel als Prophet". Bachs selten gespieltes, frühes Präludium mit Fuge in C-Dur (BWV 531) beginnt zwar mit einem fulminanten Pedalsolo, zieht sich dann aber in der Fuge mit anstrengender Satzarbeit ziemlich in die Länge. Dafür zog dann mit Mendelssohn delikates romantisches Flair ein.

Nach der opaken Sinnlichkeit der As-Dur-Fuge op. 35 überwältigte die Orgelbearbeitung (von Martin Schmeding) seiner Variations seriéuses op. 54 als Höhepunkt des Abends. Peter Kofler entfaltete in den 17 Variationen und dem virtuosen Schluss-Presto alle Finessen seiner Registrier- und Tastenkünste und sämtlicher Klangspezereien der Rieger-Orgel: zwischen rasanten Staccato- Wechselspielen, feinen Fugati, Choral-Ruhe, traumhaftem Piano-Cantabile und glanzvollem Tutti-pleno. Seine volle Prächtigkeit erstrahlte dann auch am Schluss mit dem imposanten "Finale" aus der Sonate Nr. 1 op. 42 von Alexandre Guilmant.

© SZ vom 12.10.2020

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