bedeckt München

Kurzkritik:Niemals aufhören

"Cosby" trotzen der Coronakrise in der Muffathalle

Von Dirk Wagner

In normalen Zeiten hätten 1000 Zuschauer die Münchner Popband Cosby in der Muffathalle besucht. Corona-bedingt sind aber nur 200 Personen in der bestuhlten Halle zugelassen. Also hatte man geplant, die Band am Abend einfach zweimal hintereinander auftreten zu lassen. Tatsächlich findet aber nur das als zweites um 22 Uhr angesetzte Konzert statt. Und selbst zu dem kommen nur 100 Zuschauer. Weil Volksvertreter zudem beschlossen haben, dass es zur Gesundung des Volkes beiträgt, wenn dieses von 22 Uhr keinen Alkohol mehr in den davon lebenden Wirtschaften trinkt, bekommen die Besucher der Spätvorstellung nicht, wie jahrzehntelang konditioniert, ihr Bier zum Konzert. Nicht einmal alkoholfreie Getränke sind mehr in der Halle zugelassen. Denn die vom Volk Gewählten misstrauen ihren Wählern und vermuten, sie könnten heimlich Alkohol in Kaffeetassen trinken. Damit sind die Rahmenbedingungen dieses Abends schon mal alles andere als stimmungsfördernd.

Kaum aber starten Cosby ihr Konzert, tanzen die Zuschauer begeistert vor ihren Stühlen. Nicht zuletzt auch die wunderbare Bühnenbeleuchtung des Licht-Magiers Michael Lober lässt dabei den Auftritt des Quartetts erscheinen, als handele es sich hier um ein ganz normales, wenngleich euphorisch gefeiertes Hallenkonzert. Eines, das man auch klanglich mit solcher Intensität in diesen Zeiten nur all zu selten erleben darf. Umso mehr dankt die Sängerin allen Beteiligten: "Ich find es mega, dass es im Bereich der Kultur, der jetzt echt gerade krass am Abkacken ist, Leute gibt, die trotzdem nicht das Handtuch werfen", sagt sie. Und sie sagt das mit jedem Respekt vor notwendigen Cornona-Maßnahmen. Aber, auch das räumt sie ob des Hygiene-Konzepts der Muffathalle ein: "In jeder S-Bahn ist es gefährlicher!" Dabei ist sie gar nicht ängstlich. Immerhin wagt sich ihre Band sogar an den Foo Fighters-Hit "Everlong" und überzeugt auch damit: "Du musst versprechen, nicht aufzuhören", heißt es darin.

© SZ vom 26.10.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite