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Kurzkritik:In höchsten Tönen

Die Sängerin Natalie Elwood überzeugt im Bayerischen Hof

Von Oliver Hochkeppel

Internationale Reiseverbote, nationale Beherbergungsverbote und eingeschränkte Besucherzahlen, die teure Veranstaltungen unmöglich machen: Unter solchen Bedingungen schlägt im Konzertbetrieb die Stunde der Einheimischen. So bekommt das verwöhnte Münchner Jazz-Publikum jetzt erst richtig mit, wie viele hervorragende Musiker sich in der Stadt tummeln. Zum Beispiel die Sängerin Natalie Elwood, die nun die Ehre hatte, das erste richtige Jazzkonzert im Nightclub des Bayerischen Hofes nach über halbjähriger Pause zu geben.

Elwood verfügt über etwas, das sich jeder Vokalist wünscht: eine unverwechselbare Stimme. Was damit beginnt, dass sie unter den Kolleginnen im süddeutschen Raum wohl diejenige ist, die die höchsten Töne schafft; kein Wunder, dass sie sich nach dem Jazzgesangsstudium und Meisterkursen etwa bei Theo Bleckmann, Lauren Newton und Sheila Jordan auch mit Obertongesang beschäftigte. Weil sie ursprünglich vom Klavier kommt (an dem sie auch komponiert), setzt sie ihre Stimme gerne und oft wie ein Instrument ein, sie liebt Vokalesen und Scatten. Und kaum eine kann die Töne so schön nachklingen lassen, was ihrem Gesang immer Dramatik und Tiefe verleiht.

Begleitet von ihrem ebenso klangmalerischen und vielseitigen Lebensgefährten Josef Ressle am Klavier - immerhin der erste Preisträger des seit ein paar Jahren vergebenen BMW Welt Young Artist Jazz Awards - und Ludwig Klöckner, der hier einen ganz weichen Kontrabass spielte statt den bei Organ Explosion gewohnten knackigen E-Bass, verwandelte sie mit diesen Fähigkeiten im Bayerischen Hof ein buntes Repertoire in etwas Eigenes. Von Beatles- und Paul-Simon-Songs über ein vokalartistisches "Spain" von Chick Corea und Jazz-Standards bis zu mit einigen Höchstschwierigkeiten gespickten eigenen Stücken. Abgesehen von Karibischem oder Erdig-Tiefem, was ihr nicht so liegt, ein mehr als überzeugender Abend.

© SZ vom 10.10.2020

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