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Kurzkritik:In Balance

Cellistin Raphaela Gromes und das Münchener Kammerorchester

Klangschönheit, harmonische Transparenz und der Spaß an musikalischer Schatzsuche. Raphaela Gromes und das Münchener Kammerorchester verbindet einiges. Im sonntagnachmittäglichen Konzert machte das Ensemble unter Leitung seines Konzertmeisters Daniel Giglberger den Auftakt mit Ottorino Respighis "Antiche Danze ed Arie", einer Reihe von Bearbeitungen barocker Tänze. Mit schwebender Eleganz intonieren die Streicher diese wie in Samt ausgeschlagene Reverenz an alte Meister, ohne sich bei den stärker akzentuierenden Stellen zurückzunehmen.

Diese Balance soll das Kammerorchester auch in dem nach der Pause aufgeführten "Souvenir de Florence" von Tschaikowsky aufrechterhalten. Was dem Arrangement des eigentlich für Streichsextett gedachten "Souvenirs" an Brisanz verloren geht, gleichen die Musiker hier aus durch sensible Gestaltung in der Vertikalen, im sorgfältigen Bau der Akkorde. Nur selten fehlt dem Ensemble der Schwung, der sich bei kleinerer Besetzung leichter einstellt. Raphaela Gromes, einem der größten Cello-Talente ihrer Generation, kann das nicht nachgesagt werden. Rossinis "Une larme", ein Spätwerk des Schwans von Pesaro, wird bei ihr zur Opernszene en miniature, mit wohldosiertem Pathos, phänomenaler Leichtigkeit und makelloser Intonation.

Mit Jacques Offenbachs "Hommage à Rossini" bleibt Gromes bei ihrem Lebenskomponisten. Ihrem Faible für unverbrauchte Stücke kommt die charmante Cello-Preziose entgegen. In empfindsamen Episoden kombiniert Offenbach, selbst ein versierter Cellist, hier mit unnachahmlichem Witz Themen aus Rossinis "Guillaume Tell". Gehauchte Pastorale und temperamentvolle Polka verdichten sich zu einem Bravourstück. Das Publikum findet es viel zu kurz, was Gromes mit einer wundervoll melancholischen Elegie von demselben Offenbach beantwortet: "Die Tränen der Jacqueline".

© SZ vom 10.03.2020
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