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Kurzkritik:Himmlisch

Christian Wegscheider und Stefanie Boltz in St. Maximilian

Von Oliver Hochkeppel

Gut, das Publikum saß beim Gottesdienstkonzert mit der Sängerin Stefanie Boltz und dem Pianisten Christian Wegscheider in St. Maximilian weit weg, und Glockengeläut wie der Wahnsinns-Hall im riesigen Kirchenschiff meuchelte manch leise, feine Passage. Trotzdem war es überwältigend, mal wieder in dem Raum zu sein, in dem Musik entsteht und zwischen Künstlern und Zuhörern Energien freigesetzt werden. Wenn dann pure Klangschönheit den Saal erfüllte, konnten einen schon mal die Gefühle übermannen. Mittendrin statt nur dabei, eben das wird ein Stream nie leisten können.

Es kam dazu, dass Boltz und Wegscheider zwar kluge, aber alles andere als verkopfte Songs spielten, die direkt auf Herz und Gemüt zielten. Boltz exerziert Ähnliches schon seit Jahren im minimalistischen Duo Le Bang Bang mit dem Bassisten Sven Faller vor, und den Tiroler Wegscheider kennt man, ob als Pianist, Organist oder Akkordeonist, als einen, der mit umfassendem Stil- und Traditionsbewusstsein Wirkungstreffer erzielt. Die beiden verbindet vor und vor allem hinter der Bühne - Boltz arbeitet auch als Agentin und Bookerin - eine längere Geschichte, doch erst in diesen Corona-Zeiten schmiedeten sie dieses JazzBaby benannte Duo und schreiben eigene Stücke.

Die bezauberten durch die überraschenden Soli Wegscheiders, das kunstvolle Phrasing und die Dynamik von Boltz' Stimme. Blues, Ballade oder Jazz-Song mit Scat-Einlage, alle bekamen sie etwas himmlisch Hymnisches, genau wie die exakt in den Gottesdienst eingepassten Pop-Adaptionen von Johnny Nash, Curtis Mayfield und Bob Dylan. Was die Vorfreude auf die kommenden Konzert-Gottesdienste in St. Maximilian wie auf das gerade entstehende Album und die "normalen" Konzerte dieses Duos anheizte.

© SZ vom 15.12.2020
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