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Kurzkritik:Gut fürs Gemüt

Ein Glück: Die Alte-Musik-Reihe "Cantate um 1715" wird fortgesetzt

Von Egbert Tholl

Egal was passiert, die Termine stünden bis Juni fest und würden wahrgenommen. "Wir brauchen Musik, und wir brauchen Sie als Publikum." Sagt Sebastian Myrus, und er hat recht. Ende vergangenen Jahres erfand der Bariton zusammen mit Johanna Soller, die in St. Peter die Orgel spielt und als Dirigentin über reiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit renommierten Ensembles der Alten Musik verfügt, die Reihe "Cantate um 1715". Immer sonntags, immer um 17.15 Uhr, einmal im Monat, brachten die beiden mit der Capella sollertia und erlesenen Solisten Kantaten zur Aufführung, beste evangelische Kirchenmusik in der reizenden katholischen Kirche St. Stephan am Alten Südfriedhof. Bach vollendete im Jahr 1715 seinen ersten Zyklus von Kirchenkantaten in Weimar. Mit Bach wird hier nun das Kirchenjahr abgeschritten, dazu kommt eine zweite Kantaten eines barocken Komponisten, kleine Werke, Lesungen. Corona brachte eine lange Pause, doch nun wird die Reihe fortgesetzt. Derzeit mit zwei Konzerten hintereinander, 17.15 Uhr und 19.15 Uhr, damit wenigstens 70 Menschen ein Glück in ihr Herz hineinkriegen. Das nächste Konzert ist am 8. November.

St. Stephan ist ein intimes Kirchlein. Die acht solistisch agierenden Musikerinnen und Musiker werden hier zu einem den Raum ausfüllenden Orchester. Nun war Erntedank, und herrlich erklingen Telemanns und Bachs Lobgesänge: "Der Reichtum ohne gut Gewissen, hat manche Seele wund gebissen." Wenn nicht fürs Gewissen, so doch für spirituelle Erbauung sorgt die Musik, neben den Kantaten kleine Stücke von Schütz und Johann Christoph Pez, Viola von der Burg liest das passende Evangelium und einen Brentano-Text, die Solisten, neben Myrus Anna-Lena Elbert, Franz Vitzthum und Magnus Dietrich, brillieren.

© SZ vom 07.10.2020

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