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Kurzkritik:Erkundungen im Maschinenraum

Streifzug Staatsoper

Alpenklang im Schwermetallambiente.

(Foto: Wilfried Hösl)

Die Bayerische Staatsoper setzt ihre Mittwochsstreifzüge fort

Opernhäuser werden oft mit Tankern verglichen. Wenn sie dies sein sollten, dann ist die Unterbühne der Maschinenraum. Ein großartiger Ort, voller Gestänge, Kabel und schwerer Dinge. Zwölf Meter über dem Grund befindet sich die Unterseite des Bühnenbodens, unten gibt es beispielsweise eine imposante Stahl-Wurst, die dicke Stahlseile aufrollt. Drumherum stehen enorme hydraulische Säulen, mittels derer man wohl den ganzen Boden rauf und runter fahren kann. Nie gelangt man dorthin, es sei denn, man arbeitet hier. Dies ist jetzt anders.

Die Unterbühne ist der Spielort des ersten offiziellen "Streifzugs am Mittwoch" (vergangene Woche gab es einen Testdurchlauf), den an diesem Tag 24 Gäste mitmachen dürfen. Der Weg allein ist ein Abenteuer, auf dem man fast so viele Ordner wie Besucher trifft, dann steht man auf einer Art Balkon in der Unterbühne, jeder Gast ganz für sich an einer Lichtstele, und schaut hinunter in den Bauch des Schiffs, wo bald, effektvoll illuminiert, die Munich Opera Horns auftauchen. Zwei Musikerinnen und sieben Musiker, die im Staatsorchester Horn spielen und dies nun tun.

Waldwiesenjagdsignale aus dem 19. Jahrhundert und Variation aus dem 20., Mozart und Astor Piazzolla, dessen "Libertango" kurz wackelt, egal. Klangleuchten erfüllt den Raum, dann greifen Franz Draxinger und Casey Rippon zum Alphorn, warmer Alpenklang im Schwermetallambiente. Neben jedem Instrument eine Mülltüte voll Papier zum Aufsaugen des Kondenswassers - Musiker sind oft sehr praktisch. Wollen spielen, tun dies. Auch im Maschinenraum.

© SZ vom 29.05.2020

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