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Kurzkritik:Dada. Gaga

Senoner und Kysela mit "Mmmooz" im Schwere Reiter

Von Eva-Elisabeth Fischer

Sie haben beide richtige Masken vorm Gesicht, wie man sie an Fasching oder bei einem Banküberfall trüge. Sie hat auch noch eine Perücke auf, verruchtes Blond. So lungern sie auf einer Treppe herum im Schwere Reiter. Erste Aktion: Er steht auf und schaltet einen Minibildschirm mit rauschender Bildstörung ab. Und sie wird gleich in ein Röhrchen blasen und fiepende Töne produzieren. Die Tänzerin und Performerin Claudia Senoner und der Elektronikschrauber und Klarinettist Mark Lorenz Kysela sind ein eingespieltes Team. Dergestalt, dass Außenstehenden, zu denen die Zuschauer ja unbedingt zählen, wohl einiges entgeht, was sie in ihren vier "Mmmooz" betitelten Szenen zur Absurdität des Corona-Daseins an ironischen Aperçus unterbringen.

Akustisch pfeift, scheppert und tutet es enorm. Senoner beackert den Wah-Wah ihrer E-Gitarre, er die Computer-Drum-Machine. "Mmmooz" ist ein ununterbrochener Dialog, auch wenn die beiden ganz für sich agieren. Man sieht es immer wieder an die Wand projiziert, das skurrile Paar, ziemlich camp, aber durchaus sendetauglich, wie man sich selbst und seine Kunst unter die Leute bringt. Kysela schmeißt sich schon mal in weißes Hemd, Binder und schwarzes Sakko, bohrt kurz noch mal in der Nase. Hosen braucht er nicht. Man ist ja nur bis zur Taille im Bild. Er veranstaltet ein Brustklatschkonzert, sie stülpt eine Kunstfellmütze über und robbt wie ein Heuler am Boden. Sie tauschen auch Klamotten und Rollen. Senoner balanciert sich wechselnd in Arabesque und Attitude aus. Und er, er schafft es dann immerhin, nicht umzufallen auf einem Bein.

Im szenischen Dada von "Mmmooz" einen Sinn zu suchen, erübrigt sich. Es reicht völlig, sie klug und absurd zu finden. Auch wenn es ganz schön gruselig ist, wenn Senoner Mini-Playmobilfiguren mit der Pinzette zum Strandbild oder auch Leichenfeld arrangiert. Am Ende geht das Tor auf, Kysela hat schon mal den Wagen geholt mit dem Kennzeichen S-OS. Aber fahren sie wirklich davon? Es rette sich, wer kann. Aber wo?

© SZ vom 21.07.2020

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