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Kurzfilmfestival:Kurz gedreht, global gedacht

Die Einreichfrist für das neue "Unified Filmmakers Festival" hat begonnen

Von Joachim Nicolodi

Zum ersten Mal findet heuer das internationale Unified Filmmakers Festival statt, in dem Kurzfilme politische und gesellschaftliche Themen aufgreifen und verarbeiten sollen. Initiiert wurde das Festival in München, und zwar von der Filmeditorin und Trailerproduzentin Patricia Mestanza-Niemi und dem Produzenten Florian Deyle, vor allem als Reaktion auf die Corona-Krise.

"Die Idee kam uns während des ersten Lockdowns, als die Menschen begonnen haben, ihre Erlebnisse während dieser außergewöhnlichen und einzigartigen Zeit zu dokumentieren und ins Netz zu stellen", sagt Deyle. Daraus ergab sich auch das Thema für das diesjährige Festival: die Covid-19 Pandemie. "Wir wollen Filmemacher aus allen Ländern dazu auffordern, dieses Thema aufzugreifen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beleuchten", so Deyle weiter. Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es sei, sich mit anderen Ländern zu verständigen und die dringenden Probleme gemeinsam anzugehen. Der Kurzfilm eigne sich besonders gut dazu, solche Themen aufzugreifen, weil man sie so aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachten könne. Dabei gibt es zwei Kategorien, für die sich die Filmemacher bewerben können: zum einen Filme bis zu zwei Minuten, zum anderen von zwei bis 15 Minuten. Das Festival soll in den nächsten Jahren fortgesetzt werden, immer zu Themen mit globaler und gesellschaftlicher Relevanz. "Wir beginnen heuer mit der Corona-Krise, aber wer weiß, was in den nächsten Jahren auf dem Programm stehen wird. Ob Klimawandel, Gleichberechtigung oder ein anderes dringliches Problem." Natürlich wolle man mit dem Festival auch zeigen, dass Kunst und Kino durchaus systemrelevant seien und helfen können, aktuelle Probleme besser zu verstehen und zu lösen.

Am 1. November hat die Einreichfrist begonnen, die bis zum 31. Januar nächsten Jahres dauern soll. Ausgewählte Filme werden dann nach Einsendeschluss vom 1. März bis 31. Juli auf der Homepage des Festivals zu sehen sein sowie auf dessen Youtube-Kanal. Eine Jury aus internationalen Filmemachern wird dann die besten Filme aus beiden Kategorien auswählen und auch das Publikum hat ab April die Möglichkeit, nach den Online-Vorstellungen abzustimmen und die Publikumslieblinge zu küren. "Wir alle in der Filmbranche erleben zurzeit, wie sich das Kino durch die digitale Revolution immer mehr ins Netz verlagert, auch unabhängig von Corona", sagt Deyle. "Klar suchen wir immer den Weg auf die große Leinwand, aber auch die Tatsache, dass sich mehr und mehr online abspielt, müssen wir akzeptieren." Es gelte, einen Ausgleich zwischen beiden Medien zu finden, damit sie sich gegenseitig befruchten können. Auch dafür habe man das Festival ins Leben gerufen: Nach den Online-Vorführungen werden die besten Filme aus Jury- und Publikumsreihe nach Abschluss des Festivals auf dem Filmfest München 2021 auf der Leinwand zu sehen sein und die jeweils drei Gewinner ausgezeichnet. Außerdem plane man, ausgewählte Kurzfilme auch auf Festivalreise um die Welt zu schicken, als eine Art Rückblick auf die Corona-Pandemie und die Reaktionen aus verschiedenen Ländern darauf.

Unified Filmmakers Festival, Einreichung ab sofort und bis 31. Januar 2021, Infos unter www.unifiedfilmmakers.com

© SZ vom 09.11.2020
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