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Kurzarbeit:Ärger in der BMW-Welt

Der Arbeitskampf in der Touristenattraktion spitzt sich zu

Warnstreiks im Herbst, Vertragsverlängerung zum Jahreswechsel, Kurzarbeit im Januar: Viele Beschäftigte in der BMW-Welt, der mit jährlich drei Millionen Besuchern größten Touristenattraktion Münchens, und im BMW-Museum sind derzeit verunsichert. Seit Monaten kämpfen sie als Mitarbeiter des Dienstleisters Hofer Communications um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, die jüngste Eskalation trifft circa 100 Mitarbeiter. Im Januar haben, wie Hofer auf Anfrage bestätigt, diese 100 Beschäftigten weniger oder gar nichts zu tun: Hofer hat für sie Kurzarbeit angemeldet. Fast alle Bereiche seien im Volumen stark reduziert, sagt Hofer-Chef Oliver Vogel, "in fünf Betriebsabteilungen fällt die Arbeit gänzlich aus".

Ob die Auftragsreduzierung eine Reaktion auf die Warnstreiks vom vergangenen Herbst ist, wie Mitarbeiter glauben, vermag man bei Hofer nicht zu sagen. Vogel räumt jedoch ein, dass dies "durchaus ungewöhnlich" und so noch nicht vorgekommen sei. BMW-Sprecher Jochen Frey weist den Vorwurf zurück und verweist auf Umbauten bei der Fahrzeugauslieferung als Ursache für das reduzierte Programm, bewusst gelegt in den Monat "mit dem geringsten Publikumsverkehr und den wenigsten Kundenauslieferungen". Geschäftsführer Vogel hofft denn auch, "dass es im Februar zu einer Wiederaufnahme des regulären Betriebs kommt". Denn immerhin ist inzwischen klar, dass das Berliner Unternehmen Hofer Communications bis Ende 2018 den Markentempel am Rande des Olympiaparks im Auftrag von BMW betreuen darf. "Die für das Gesamtjahr vertraglich vereinbarten Dienstleistungen werden im Laufe des Jahres in Anspruch genommen", signalisiert auch Frey.

Allerdings haben sich die Arbeits- und Entgeltbedingungen für die Hofer-Beschäftigten durch die Vertragsverlängerung offenkundig nicht im erhofften Maß verbessert. Diese Mitarbeiter bieten auf der Grundlage von Werkverträgen beispielsweise Führungen durch die BMW-Welt oder auch das Stammwerk an, zum Teil mehrsprachig. BMW gibt einen Mindestlohn von 12,10 Euro pro Stunde vor, teils zahlt Hofer seinen Mitarbeitern auch mehr - sie verdienen aber weniger als in der BMW-Stammbelegschaft üblich.

Dass sich die Kurzarbeit unmittelbar an die Vertragsverlängerung anschließt, verstehen Beschäftigte als "vertragswidriges Verhalten" - ein Vorwurf, den BMW nicht gelten lässt und Hofer nicht kommentieren mag. Wohl nicht zuletzt deshalb, weil die Berliner nicht nur über den Tarifvertrag noch mit BMW verhandeln, sondern auch "Gespräche über zukünftige Vertragsumfänge in der BMW-Welt" führt.

Verärgerung herrscht angesichts der festgefahrenen Situation in Gewerkschaftskreisen. Horst Lischka, Erster Bevollmächtigter der IG Metall München und Aufsichtsratsmitglied beim Münchner Autobauer, hat keine Lust mehr auf das "Bäumchen-wechsel-dich-Spiel" zwischen Hofer und BMW. Er erwarte, dass man nun eine Lösung für die Gästebetreuung finde. Sechs Wochen gibt er dem Konzern, dann müsse eine Lösung stehen: entweder mit Hofer oder dadurch, dass man die Betroffenen direkt bei BMW anstelle. "Sonst gibt es eine Auseinandersetzung mit der IG Metall, die sich gewaschen hat."

Nicht gerade zur Deeskalation trägt bei, dass BMW vom 7. März an sein 100-jähriges Bestehen feiern will. Davor planen IG Metall, Betriebsrat und Beschäftigte laut Lischka weitere Aktionen. Reagiere BMW nicht, werde ein Arbeitskampf die nächste Eskalationsstufe sein. Der Metaller ist sicher, dass sich die 10 000 BMW-Mitarbeiter in der Stammbelegschaft dann "sehr solidarisch zeigen werden". Denn für Lischka macht BMW seinen Kunden etwas vor: Der Kunde erwarte Premium, in der BMW-Welt sei aber "Lohn-Dumping" drin.

© SZ vom 27.01.2016

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