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Kurt Wilhelm gestorben:Der Vater vom Brandner Kaspar ist tot

Er ist der Schöpfer des "Brandner Kaspar" und Pionier des deutschen Fernsehens. Im Alter von 86 Jahren ist Kurt Wilhelm am ersten Weihnachtsfeiertag gestorben.

Zum Stoff seines Lebens kam Kurt Wilhelm durch Zufall. Mit "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben" griff er eine Erzählung seines Ururgroßonkel Frank von Kobell auf, in der es um einen alten Büchsenmacher vom Tegernsee geht, der nicht mit dem "Boandlkramer" gehen will, als dieser ihn holen will, und sich geschickt mit ein paar Tricks gegen den Gevatter Tod wehrt. Die Figur des Brandner Kaspar ist seither untrennbar mit dem Namen Kurt Wilhelm verbunden.

Verstarb mit 86 Jahren: Autor und Regisseur Kurt Wilhelm.

(Foto: Foto: Stephan Rumpf)

Am ersten Weihnachtsfeiertag starb der große Münchner Autor und Regisseur im Alter von 86 Jahren im Kreis seiner Familie. Mit "Brandner Kaspar und das ewig' Leben" hat Wilhelm Theatergeschichte geschrieben. Am Bayerischen Staatsschauspiel, wo unter seiner Regie 1975 die Uraufführung stattfand, hält das Kultstück mit bisher 900 Aufführungen den Allzeit-Rekord.

Vielseitig begabt

Geboren in der Münchner Franz-Joseph-Straße, wuchs Wilhelm zunächst in München, dann in Berlin auf. In Wien besuchte er später das in der NS-Zeit "Schule am Burgtheater" genannte Reinhardt-Seminar, studierte Schauspiel, Regie und Dramaturgie. Dort lernte er auch seine spätere Frau Rita kennen, die er 1944 heiratete.

Nur wenige Kulturschaffende sind so vielseitig, wie Wilhelm es war. Sein Repertoire reichte von Oper über Kino bis zum Fernsehspiel. Neben seiner Arbeit als Regisseur schrieb er Romane, Essays und Kurzgeschichten.

Wilhelm gehörte zu der Gründergeneration des Fernsehens. Er führte Regie bei den ersten Zeichengeschichten im deutschen Rundfunk, bei denen der Schauspieler Joachim "Blacky" Fuchsberger als Sprecher fungierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er als Regisseur für Hörspiele und Unterhaltung beim Bayerischen Rundfunk in München tätig und blieb dort bis 1988. Die "Brummlg'schichten", populäre Mundarthörspiele, stammten aus seiner Feder.

42 Jahre blieb er dem Fernsehen mit der Bearbeitung weiß-blauer Kultstücke erhalten. Diese Verbundenheit mit dem bayerischen Kulturgut ist charakteristisch für ihn.

"Umgänglich und nett"

Ein Leben lang begleitete ihn aber auch die Liebe zur Musik. Vor allem das Werk von Richard Strauss hatte es ihm angetan. Seine Freundschaft mit den Nachkommen des berühmten Komponisten ermöglichten ihm einen Einblick in das Archiv der Familie Strauss, was ihm das Schreiben einer sehr persönlichen Strauss-Biographie ermöglichte.

"Er war umgänglich und nett - und ein Mensch, der genau wusste, was er wollte", sagte der Intendant des Münchner Volkstheaters, Christian Stückl der Münchner Zeitung tz. Wilhelm hatte den "Brandner Kaspar" 1975 für seine Bühne inszeniert und damit für den bislang größten Erfolg des Theaters mit über 100.000 Besuchern gesorgt.

Mit elf Kritikerpreisen, drei Goldenen Bildschirmen, vielen Literaturpreisen, dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse, dem Bayerische Verdienstorden und der Medaille "München leuchtet" in Gold wurde Kurt Wilhelm ausgezeichnet. Als Autor und Regisseur des Brandner Kaspar wird er unvergesslich bleiben.

© sueddeutsche.de/wib/jobr
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