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Kurioser Präzedenzfall:Dirndl-Affäre um Ex-Wiesn-Chefin Weishäupl

Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl

Gabriele Weishäupl - hier nicht im besagten Dirndl - beim traditionellen Standkonzert der Oktoberfest-Kapellen vor der Bavaria

(Foto: dpa)

Ihr Oktoberfest-Outfit aus den Achzigerjahren stiftete Weishäupl der Stadt. Nun will es das Landesmuseum in Regensburg ausstellen. Doch das geht natürlich nicht einfach so.

Geschenke soll man nicht zurückfordern, heißt es. Ein gewisses Verständnis dafür gibt es nur dann, wenn der Beschenkte sich besonders treulos verhalten hat. Aber davon kann im Rosenkrieg zwischen Gabriele Weishäupl und dem Münchner Stadtmuseum auch wieder nicht die Rede sein. Wobei beide Seiten durchaus ein Gespür für die komischen Seiten der Auseinandersetzung haben. Weishäupl sagt selbst: "Das Ganze hat unzweifelhaft die Ingredienzien eines bayerisch-bürokratischen Schwanks."

Die Vorgeschichte: Für die große Jubiläumsschau "200 Jahre Oktoberfest", die 2010 im Stadtmuseum gezeigt wurde, fragte der damalige Sammlungsleiter Florian Dering die Fremdenverkehrsdirektorin Weishäupl, ob er dort ihr offizielles Wiesn-Dirndl aus den Achtzigerjahren ausstellen dürfe. Gabriele Weishäupl, die mehr als 25 Jahre lang Münchner Wiesn-Chefin gewesen und dabei stets im Dirndl aufgetreten ist, sagte zu und war wohl auch ein wenig geschmeichelt. So übertrug sie ihr Präsentationsdirndl, das sie einst extra in den Stadtfarben Schwarz und Gelb hatte anfertigen lassen, mitsamt Schürze, Schultertuch und Charivari als Schenkung an das Stadtmuseum.

Wie es zum Streit kam

Soweit, so gut. Das Stadtmuseum widmete sich dem neuen Ausstellungsstück mit all jener Sorgfalt, die einer solchen Neuerwerbung angemessen ist. Sprich: Das gute Stück wurde ins Inventarbuch eingetragen, ausführlich beschrieben, der Wert geschätzt, die Inventarnummer vergeben - T-2010/3 - und konservatorisch behandelt. Nach Ende der Oktoberfestausstellung wanderte es ins Depot.

Um dieses Dirndl rankt sich der bayerisch-bürokratische Schwank.

(Foto: oh)

Dort hätte es gut und gerne 50 Jahre bis zur nächsten Jubiläumsausstellung überdauern können, hätte Ministerpräsident Horst Seehofer nicht ein Landesmuseum der bayerischen Geschichte erfunden. Das soll 2018 in Regensburg am Donaumarkt eröffnet werden. Der designierte Direktor Richard Loibl bereitet derzeit die Dauerausstellung vor und verfiel auf die Idee, Weishäupls Dirndl zu zeigen - als Beleg für den "Dirndl-Hype", der in den Achtzigern seinen Anfang nahm.

Gabriele Weishäupl fühlte sich verständlicherweise erneut geehrt. Zwar hätte sie nun eines ihrer zahlreichen Zweitdirndl spenden können, aber eine derartige Geschichtsklitterung ist mit ihr nicht zu machen: "Es soll dann schon das offizielle sein!" Vor einem halben Jahr begann sie, sich um die Herausgabe des Dirndls zu bemühen. Kurz vor Weihnachten kam dann ein langer Brief aus dem Stadtmuseum. Fazit: Dessen Direktorin Isabella Fehle will es nicht herausrücken.

Warum die Stadt das Dirndl nicht herausrücken möchte

Sie spricht von "einem kuriosen Fall der Restitution" und einem "Präzedenzfall zum bleibenden Nachteil der Landeshauptstadt". Das Exponat sei mit der Schenkung ins Gemeindevermögen übergegangen: "Mit einer Herauslösung aus diesem Vermögen müsste der Stadtrat befasst werden." Eine Dauerleihgabe käme ebenfalls nicht infrage, aus restauratorischen Gründen.

"Man soll textile Sammlungsstücke nicht länger als ein Jahr ausstellen", erläutert Fehles Stellvertreter Thomas Weidner, "weil sie sonst ausbleichen." Zeitweilig ausleihen könne man das Stück aber schon. Dazu müsste das Landesmuseum eine förmliche "institutionelle Anfrage" stellen. Das ist bisher nicht geschehen; bis 2018 ist ja auch noch etwas Zeit.

Nun wartet das Stadtmuseum also auf die institutionelle Anfrage aus dem Landesmuseum. Was in dem ganzen Fall aber eigentlich fehlt, ist wohl eine göttliche Eingebung. Auf die kann man freilich lange warten, schließlich sitzt der dafür zuständige Dienstmann Alois Hingerl seit Jahrzehnten im Hofbräuhaus.

© SZ vom 02.03.2016/mmo
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