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Kunstinstallation im Westpark:Spiegel der Veränderung

Die Performance "Time Matters" auf dem Westsee im Westpark

Von Evelyn Vogel

Ein kalter Windhauch lässt nicht nur die Besucher im Park frösteln. Er treibt auch das Geschnatter der Enten und Blesshühner über den dunklen See und bildet die natürliche Soundkulisse für die Lichtinstallationen von Jan Kuck und die Performance-Projektionen von Miro Craemer, die sich in der gekräuselten Wasseroberfläche spiegeln. Drei Neoninstallationen mit dem Schriftzug "Time Matters" in drei verschiedenen Farben leuchten auf dem Westsee des Westparks auf, sobald die Dunkelheit hereingebrochen ist. Sie geben den Titel der Aktion wider, die im Rahmen der MCBW, der Munich Creativ Business Week, verwirklicht wurde.

Im Mittelpunkt aber steht die große Projektionsfläche, auf der ein Video der Tanzperformance im Wechsel mit Antworten auf die Frage "What would you change?" läuft. Es ist die Frage, die der Konzeptkünstler Jan Kuck für seine interaktive Kunstinstallation stellt. Und meint damit nicht nur im "Fridays for Future"-Modus, was wir tun würden, um die Welt und auch uns zu verändern. Angesichts der besonderen Umstände im Corona-Jahr schwingt auch eine retrospektive Ebene mit und wirkt ausnahmsweise gar nicht rückwärtsgewandt. Denn tatsächlich ist es ja eine Frage, die sich viele in diesem besonderen Jahr der Pandemie permanent selbst stellen: Was hätten wir anders gemacht, wenn wir vor einem Jahr hätten voraussehen können, was kommt. Hätten Politiker nicht generell anders handeln müssen und müssten sie und Gesundheitsexperten und eigentlich die gesamte Gesellschaft nicht tagtäglich anders handeln, angesichts der unablässigen Herausforderungen durch Covid-19?

Die Antworten sind mitunter lustig und banal, oft aber auch tiefgründig und nachdenklich. Und sie reichen von persönlichen bis allgemeinen Anregungen. Antworten kann jeder - über die Website www.timematters.art oder die App von "MyArtWalk" kann man sich bis zum Ende der Aktion beteiligen. So hat die Lichtinstallation von Jan Kuck, der im vergangenen Jahr mit "The Burning River" einen Abschnitt der Isar in ein leuchtendes Lichtkunstspektakel verwandelt hat, neben den fixen Elementen der "Time Matters"-Schriftzügen auch ein interaktives Moment.

Die Tanzperformance von Miro Craemer läuft auf der Projektionsfläche wie in einem Split-Screen-Verfahren. Auf drei weißen Tüchern in den Grundformen Quadrat, Raute, Kreis bewegen sich drei, in den Grundfarben rot, gelb, blau gekleidete Tänzer. Mehr tanzen sie mit den Tüchern und sich selbst als miteinander. Und sind so ein perfektes Sinnbild für die Suche nach Nähe in Corona-Zeiten.

Wer übrigens den Original- statt dem Natursound der gar nicht auf Distanz bedachten Enten und Blesshühner hören will, muss nur den QR-Code scannen, der auf der Ufertafel steht.

Time Matters. Interaktive Lichtinstallation von Jan Kuck und Tanz-Performance-Videoprojektion von Miro Craemer, Westsee im Westpark, bis 14. März, täglich ab 18.30 Uhr

© SZ vom 09.03.2021/van
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