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Kunst im öffentlichen Raum:Wie ein Stern aus einer anderen Zeit

Kunstinsel Lenbachplatz

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang: "Pangea - Atlantik" von Rut Massó ist derzeit auf dem Billboard auf der Kunstinsel am Lenbachplatz zu sehen.

(Foto: Johannes Seyerlein/oh)

Die galizische Malerin, Zeichnerin und Fotografin Rut Massó bespielt mit ihrer Collage "Pangea - Atlantik" die Kunstinsel am Lenbachplatz

Von Evelyn Vogel

Es ist schon ein paar Jährchen her - so an die 300 Millionen, um etwas genauer zu sein. Die Kontinente, so wie wir sie heute kennen, existierten noch nicht. Stattdessen kuschelten sich die weltweiten Landmassen zu einem Superkontinent zusammen, der sehr viel später unter dem Namen Pangaea bekannt werden sollte. Das Kuscheln tat dem Erdklima nicht wirklich gut. Denn der Superkontinent unterbrach den Wasser- und Wärmeaustausch der äquatorialen Meeresströmungen, was in der Folge zu einer globalen Vereisung, dem nachfolgenden sogenannten großen Massenaussterben und einer speziellen evolutionären Entwicklung der Dinosaurier führte. Aber das nur nebenbei. Irgendwann wurde es selbst Pangaea zu viel der Kuschelei. Die Erdplatten knirschten und knarzten, rieben sich an- und schoben sich übereinander. Und schließlich zerbrach dieser Urkontinent - eine Landmasse von satten 138 Millionen Quadratkilometern - in Stücke. Die Kontinente, wie wir sie kennen, entstanden.

Die 1970 in Vigo an der spanischen Westküste geborene Künstlerin Rut Massó ist von der Geschichte Pangaeas und allen erdgeschichtlichen Formungsprozessen fasziniert. Die in München lebende galizische Malerin, Zeichnerin und Fotografin - Oehlen-Absolventin von 2004 an der Kunstakademie - nimmt immer wieder Bezug darauf. Aktuell bespielt sie das Billboard auf der Kunstinsel am Lenbachplatz mit ihrer Arbeit "Pangea - Atlantik".

Massó stellt mit ihrer Collage, deren eine Seite nach Osten, deren andere nach Westen weißt, eine geografische Verbindung zu ihrer Heimat, den galizischen Landschaften am Atlantik her. Dabei stellt sie den einstigen Superkontinent wie ein aus Beton gegossenes Sternengebilde von intergalaktischer Anmutung dar. Schwer und leicht zugleich schwebt das Ding über Erde und Wasser - von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Auf den zufällig vorbeikommenden Betrachter wirkt die Fotocollage im Stadtraum faszinierend und bedrohlich zugleich. Wie ein Ufo, von dem man nicht weiß, ob es im nächsten Moment krachend aufschlägt und eine Schneise der Verwüstung reißt oder ob es sanft landet und sich ein Tor öffnet, aus dem friedliche Außerirdische steigen.

Pangea - Atlantik von Rut Massó, Kunst-Insel am Lenbachplatz, bis 14. September

© SZ vom 20.08.2020

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