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Kunst:Hinter dem Stacheldraht

Ausstellung „`"Sowjetische Gefangene im Zweiten Weltkrieg“;
 im Kulturzentrum 2411 in der Blodigstraße 4

Vom Elend und der Schufterei in den Rüstungsbetrieben im Münchner Norden gezeichnet: Bild eines sowjetischen Kriegsgefangenen. Zeichnung: Bertrand/Veranstalter

Eine Ausstellung widmet sich dem Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg

Die Stadt München war nicht nur Brutstätte des NS-Regimes und wurde "Hauptstadt der Bewegung", in der Zeit der Diktatur war sie auch einer der wichtigsten Standorte der nationalsozialistischen Kriegsindustrie. Insbesondere im Münchner Norden bildete sich mit Rüstungskonzernen wie Krauss-Maffei und den BMW-Flugmotorenwerken sowie vielen Zuliefererbetrieben ein Schwerpunkt der Kriegswirtschaft.

Wie im gesamtem Gebiet des Regimes setzten die Nationalsozialisten und Unternehmen auch im Münchner Norden Kriegsgefangene und Häftlinge der Konzentrationslager als Zwangsarbeiter ein. Eine Detailschau über die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, aber auch ein Überblick, wie sich die Kriegsindustrie im Münchner Norden sammelte, sind von Mittwoch an in der Volkshochschule im Kulturzentrum im Hasenbergl zu sehen. Der Lokalhistoriker Klaus Mai hat eine Ausstellung über die Arbeitskommandos im Münchner Norden zusammengestellt und konzentriert sich dabei auf die Gruppe der sowjetischen Gefangenen im Zweiten Weltkrieg.

"Die sowjetischen Kriegsgefangenen waren die zweitgrößte Opfergruppe im Zweiten Weltkrieg", sagt Mai, "die Sowjetunion hatte das Genfer Abkommen von 1929 nicht unterzeichnet. Das wurde natürlich als Vorwand genommen, um mit den sowjetischen Gefangenen besonders willkürlich umzugehen."

Im KZ-Außenlager Allach zum Beispiel, deren Häftlinge vor allem im Allacher BMW-Werk arbeiten mussten, waren laut Klaus Mai etwa 2000 sowjetische Menschen inhaftiert. "1800 davon waren sowjetische Zivilarbeiter, die wegen Delikten wie Fluchtversuchen oder kleinen Diebstählen in das KZ gebracht wurden." Die Russen seien aber auch im Freimanner Besserungswerk der Reichsbahn, an Flakstellungen oder in Moosacher Betrieben eingesetzt worden.

Viele Kriegsgefangene waren in eigenen Sammellagern untergebracht. Weil die sowjetischen nicht die gleichen Rechte hatten wie andere Gefangene, erhielten sie laut Mai zum Beispiel keine Betreuung vom Internationalen Roten Kreuz und weniger Verpflegung - weshalb viele Russen an Hungersnot oder Krankheiten wie Tuberkulose gestorben seien. Auch seien die sowjetischen Gefangenen intensiver überwacht worden. "Es gab in den Lagern aber auch ein Kulturleben. Die sowjetischen Gefangenen haben Holz- und Metallspielzeug gebastelt, Flugzeuge, Tauben. Zu Weihnachten haben die Bewacher dann den Auftrag gegeben, die Spielzeuge als Weihnachtsgeschenke für deutsche Kinder anzufertigen."

Mai zeichnet in der Ausstellung auch Schicksale einzelner Russen nach, wie sie nach Deutschland kamen, wo sie in München arbeiten mussten. Ermittelt hat Mai die Lebenswege unter anderem in einer russischen Datenbank und bei der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die einen riesigen Datensatz zu sowjetischen Kriegsgefangenen zur Verfügung stellt.

Die Ausstellung über "Sowjetische Gefangene im Zweiten Weltkrieg" im Kulturzentrum 2411, Blodigstraße 4, ist bis 23. März zu sehen. Vernissage ist an diesem Mittwoch, 31. Januar, 18 Uhr. Klaus Mai wird für die Volkshochschule am Mittwoch, 14. Februar, 18 Uhr, durch die Ausstellung führen.