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"Kunst der Pause":Nachdenken über Design

Angelika Nollert in ihrem Büro in der Pinakothek der Moderne in München, 2019

Angelika Nollert ist seit 2014 Direktorin der Neuen Sammlung.

(Foto: Stephan Rumpf)

Museumschefin Angelika Nollert arbeitet weiter an vielen Projekten

Das Kulturleben steht still. Zumindest äußerlich. Innerlich, in den Stuben und Köpfen der Künstler geht es natürlich weiter. Die Serie "Kunst der Pause" befragt die Kreativen ohne Bühne, die Dirigenten ohne Orchester, die Kuratoren ohne Galerien, was sie nun tun. Angelika Nollert ist die Direktorin des Münchner Designmuseums Die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne. Sie ist Herrin über mehr als 100 000 Objekte. Die Neue Sammlung ist damit nicht nur die größte Designsammlung der Welt. Das Museum gilt auch als das älteste seiner Art. 1907 aus dem Geist des Deutschen Werkbunds entstanden, wurde es 1925 offiziell als staatliches Museum gegründet. Die Sammlungsbereiche erstrecken sich von Produkt- und Industriedesign über Möbel- und Grafikdesign bis hin zu den Themen Mobility und IT-Design. Keramik und Glas bilden hier ebenso Schwerpunkte wie Schmuck und Gerät sowie ausgewählte Objekte im Bereich der handwerklichen Gestaltung. Im Bereich von Produkt- und Industriedesign gilt Die Neue Sammlung als führend.

SZ: Woran wollten Sie in diesen Tagen arbeiten, wenn durch Corona nicht alles lahmgelegt worden wäre?

Angelika Nollert: Wir hätten die neu kuratierte Danner-Rotunde, in der seit 2004 die Schmuckkunst zu Hause ist, einer großen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dann standen Besuche von einigen Designern an, so vom Niederländer Maarten Baas sowie von Ronan und Erwan Bouroullec, um mit ihnen an Projekten für die Neue Sammlung zu arbeiten. Jetzt müssen all diese Treffen verschoben werden, wir hoffen aber immer noch, dass die Projekte selbst noch nach Plan stattfinden können.

Was machen Sie jetzt stattdessen?

Auch wenn Termine ausfallen, so gibt es genug zu tun. Das Tagesgeschäft ist zwar reduziert, nimmt aber immer noch einen verhältnismäßig großen Raum ein. Dann schreibe ich an Texten für Publikationen, bereite meinen Lehrauftrag an der Akademie vor und arbeite mit dem Team an Konzepten und Planungen für das Museum. Dies alles mit mehr Konzentration und dem nötigen Zeitverlauf.

Was hilft Ihnen gegen triste Gedanken in diesen Tagen?

Die Baumblüte und das viele Vogelgezwitscher.

Worauf freuen Sie sich jetzt schon, wenn das kulturelle Leben wieder aufgenommen wird?

Auf ganz viele Ausstellungsbesuche und intensive Gespräche in persönlichen Begegnungen.

Haben Sie einen besonderen CD-, Buch-, Musik-, Streaming-, Handarbeits-Tipp für all uns Stubenhocker wider Willen?

Ich lese gerne Gedichte aus der Zeit des Barocks und der Romantik. Und ich lese gerade das Buch "Material Matters. Wie wir es schaffen, die Ressourcenverschwendung zu beenden, die Wirtschaft zu motivieren, bessere Produkte zu erzeugen, und wie Unternehmen, Verbraucher und die Umwelt davon profitieren" - ein sehr aktuelles Thema und sehr gut lesbar geschrieben.

© SZ vom 30.03.2020

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