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Kulturzentrum:Der Gasteig ist nicht schön, aber er funktioniert

Gasteig in München, 2015

Der Gasteig soll saniert und umgestaltet werden, doch nun gibt es angeblich Streit mit den Architekten des Kulturzentrums.

(Foto: Lukas Barth)
  • Im Gasteig wird das 30-jährige Bestehen gefeiert.
  • Um die zwei Millionen Besucher kommen pro Jahr, allein 750 000 davon in die diversen Säle - doch wirklich beliebt war der Bau am Isarhochufer von Anfang an nicht.
  • Trotz verschiedener baulicher Mängel funktioniert das Gesamtkonstrukt Gasteig recht ordentlich.

"Warum reißt man die Hütte nicht einfach ab und baut das Ganze neu? Kommt bestimmt auch nicht teurer!" So lautet die gängige Reaktion, wenn in der Stadt die Rede auf den Gasteig kommt mit seiner Philharmonie und insbesondere deren hohe Sanierungskosten, die demnächst fällig werden.

Über die Qualitäten des großen Konzertsaals hat Leonard Bernstein schon kurz nach der Eröffnung sein finales, seitdem immer wieder zitiertes Urteil gesprochen: "Burn it!" Laut des damaligen Geschäftsführers des Kulturzentrums, Eckard Heintz, schrieb Bernstein diese Worte ins Gästebuch des Hauses aus Wut über die mangelnde Begeisterung des Münchner Publikums über die Aufführung eines seiner eigenen Werke an diesem Abend - und nicht aus Enttäuschung über die Akustik des Saales.

Nachprüfen lässt sich das freilich nicht mehr. Trotzdem: Die Liebe der Münchner zu ihrem Stahlbetonklops am Isarhochufer hielt sich von Anfang an in Grenzen. Der große Kabarettist und Schauspieler Jörg Hube erntete stets eine Menge Lacher, wenn er in seinem Herzkasperl-Programm von der "Kulturvollzugsanstalt" sprach und das rote Münchner Klinkergebirge anhand zweier Fotos mit dem 120 Meter hoch aufragenden Festungsberg in Salzburg verglich.

Gasteig Max Wagner wird Gasteig-Chef
München

Max Wagner wird Gasteig-Chef

Als Max Wagner im Jahr 2012 das Gärtnerplatztheater übernahm, befand sich das Haus im Ausnahmezustand. An seinem neuen Arbeitsplatz erwarten ihn noch größere Herausforderungen.

Retro-Charme kommt bei der Jugend an

Man sieht schon, es ist nicht die große Leidenschaft, die die Herzen der Münchner erfüllt, wenn sie an ihren Gasteig denken. Auch wenn aktuelle Geschäftsführerin Brigitte von Welser gerne erzählt, dass gerade Jugendliche neuerdings das Kulturzentrum für sich entdecken: "Für die hat das Haus tatsächlich inzwischen so einen sympathischen Retro-Charme, mit seiner ganzen frühen Achtzigerjahre-Architektur."

Ältere Damen und Herren können das vielleicht nicht so ganz nachvollziehen. Für sie ist der Gasteig ja Ausdruck eines Kulturverständnisses der Siebzigerjahre: Kultur und Kunst für alle, und alles möglichst unter einem Dach. Da steht der Gasteig zumindest gedanklich in einer Reihe mit dem Centre Pompidou in Paris und dem Barbican Centre in London.

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