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Kundgebung im Hasenbergl:Pfeifen und Tröten

Verstörend: Zwei kleine Mädchen betrachten den Aufmarsch der Rechtsextremen, die gegen Farbige hetzen.

(Foto: anl)

Münchner wehren sich gegen Aufmarsch von Rechtsradikalen

Von Thomas Anlauf

Sie schwenken große weißblaue Fahnen und tragen zwei schwarzgelbe Flaggen mit Münchner Stadtwappen vor sich her. Einer hält die schwarz-weiß-rote Flagge des Kaiserreichs hoch. Viele der knapp 50 Demonstranten tragen Lederhosen und Haferlschuhe, fast alle hellbraune T-Shirts als Uniform: "Der III. Weg" steht darauf. Was harmlos klingt, ist ein Aufmarsch Rechtsextremer, von denen mindestens sieben polizeibekannt sind. An diesem Samstagnachmittag steht die Gruppe vor dem wegen Feiertags geschlossenen Einkaufszentrum "Mira" im Münchner Norden und hetzt gegen Ausländer. "Asylflut stoppen!" steht auf einem Transparent, das zwei der Rechtsextremen hoch halten. Die Redner grüßen mit schnarrenden Stimmen die "Kameraden und Kameradinnen" und wenden sich an ihre "Landsleute". Die Ansprachen gehen dann in Pfiffen und Tröten unter: Mehr als 200 Gegendemonstranten stellen sich der ausländerfeindlichen Gruppe entgegen. Viele halten gelbe Karten in die Höhe. "München heißt Flüchtlinge willkommen!", heißt es darauf. Es ist ein flammender Appell vom "Münchner Bündnis für Toleranz", für das Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) mit seinem Namen steht.

Noch bevor die Mitglieder der Splitterpartei "Der III. Weg" in den von der Polizei vorbereiteten Kundgebungskäfig ziehen, stehen und sitzen bereits zahlreiche Gegendemonstranten auf dem Nordhaideplatz und warten in der Sonne. Mehrere Gruppen und Parteien hatten zur Protestkundgebung aufgerufen, darunter die Münchner Grünen: "Rechte Parolen, Intoleranz oder Ausgrenzung haben keinen Platz bei uns", so Grünen-Geschäftsführerin Petra Tuttas. Als die braun gekleidete Truppe um 14 Uhr auf dem Platz einmarschiert, gellen ihr Pfiffe und "Nazis raus"-Rufe entgegen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft den "III. Weg" als rechtsextrem und neonazistisch ein. Etwa 90 Polizeibeamte, die meisten von ihnen Spezialkräfte des Unterstützungskommandos USK, beobachten das Geschehen auf dem Platz. Es kommt zu mehreren Festnahmen und Strafanzeigen: Einer der Rechten trägt eine Waffe, ein Demonstrant aus dem linken Spektrum wird festgenommen, weil er zwei Knüppelfahnen trägt. Doch eine Szene entgeht der Polizei: Als die Rechtsextremen abziehen, dreht sich einer der Männer um, blickt einem Gegendemonstranten in die Augen und fährt sich mit der flachen Hand über die Kehle.

© SZ vom 17.08.2015
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