Kulturtipp:"Das Duell" von Tschechow

Das Duell

Der Schrecken ist im Alltag angekommen und schlägt sich in der Theaterarbeit von Sebastian Brose, Lavinia Thelan und Heiner Stöckle nieder.

(Foto: Daria Zecha)

Ein Versuch über das Theater in Tagen des Terror

Von Stefanie Schwetz, Schwabing

Paris im Januar 2015. Während drei junge Schauspieler in einem kleinen Zimmer im jüdischen Viertel "Das Duell" von Anton Tschochow proben, wird auf die Mitarbeiter der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" ein terroristischer Anschlag verübt. So gerät die Bühnenkunst zu einem Spiel, das sich im Strudel der Ereignisse an der Wirklichkeit messen lassen muss. "Lajewskij fühlte sich müde und unbehaglich wie ein Mensch, der vielleicht bald sterben muss", schreibt Tschechow über einen seiner Duellanten. Die jungen Schauspieler haben "Das Duell" weitergeprobt, haben es angereichert mit den traurigen Begebenheiten unserer Zeit. "Auf welcher Höhe wirst du deine Mauern errichten", haben sie sich gefragt. "Wo wirst du die neuen Grenzlinien ziehen?"

München im November 2015. Das Schauspieler-Trio probt nun für die bevorstehende Aufführung, während es in Paris weitere Anschläge auf Einrichtungen westlicher Lebensart gibt. Wieder stellt sich die Frage, ob die Wirklichkeit dem Theater oder das Theater der Wirklichkeit stand halten soll. Und wo überhaupt noch Raum ist für Visionen von einem friedlichen Leben. Den Versuch einer Antwort liefert Regisseur Danijel Szeredy mit seinen Schauspieler als theatrale Reflektion der Gegenwart. "Das Duell - nach Anton Tschechow" heißt die Fassung, die diesen Mittwoch, 2. Dezember, um 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) als Co-Produktion mit dem "Haus der kleinen Künste" im Rationaltheater, Hesseloherstraße 18, Premiere feiert. Den das Duell überlebenden Lajewskij beschreibt Tschechow als Geläuterten, der "erstaunte, dass Tische, Stühle, Sonnenlicht und Meer in ihm solch eine lebendige, kindliche Freude weckten, wie er sie schon lange nicht gefühlt." Das ist der Moment, in dem der Schrecken ein Ende hat, der Augenblick, auf den wir alle hoffen in diesen Tagen. Weitere Aufführungstermine sind im Internet unter www.rationaltheater.de zu finden.

© SZ vom 30.11.2015
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