Kulturstrände und mehrDas sind die beliebtesten Pop-up-Kulturorte in München

Lesezeit: 4 Min.

Am Kulturstrand am Professor-Huber-Platz kann man in den Abend träumen.
Am Kulturstrand am Professor-Huber-Platz kann man in den Abend träumen. Johannes Simon

Im Bahnhofsviertel hängt man an alten Skiliftstützen ab, im Norden an einem künstlichen Yachthafen. Und auch die neuen und alten Kulturstrände Münchens locken wieder die Massen ins Freie – der große Überblick.

Von Michael Zirnstein

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Im Sommer bekommt man die Münchner kaum noch nach drinnen in die Lokale, also wenn die Sonne scheint. Wie gut, dass das Angebot an Gastroflächen unter freiem Himmel enorm gewachsen ist. Nicht nur, dass wieder die Parkplatz-Restaurants und Schanigärten aufploppen und mehr und mehr Isarkioske öffnen. Vor allem die Pop-up-Orte mit gemischtem Angebot an Imbiss, Drinks und Kultur erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch hier gibt es außer den Klassikern, den Kulturstränden, einige spektakuläre Neuheiten.

Das Buchberg

Dank der Skilftstützen sitzt man im Buchberg auf einem Plateau unter Platanen.
Dank der Skilftstützen sitzt man im Buchberg auf einem Plateau unter Platanen. Corinna Böck

Viele Besucher werden ganz nostalgisch werden: Denn hier am Karl-Stützel-Platz in München haben sie Skifahren gelernt. Also nicht hier am, wohl aber unter den Liftpfeilern, die nun hier stehen. Die standen einst hinter Königsdorf am Buchberg, einem recht unspektakulären Hügel, aber für Oberländer Knirpse war das eine Riesenabfahrt. Wegen der schneelosen Winter allerdings standen die Liftpfeiler nun schon lange unbenutzt dort herum, und versperrten dem Münchner Gastronomen Florian Schönhofer, Wirt vom Bahnhofs-Szenelokal Kosmos, die schöne Aussicht von seinem dort gepachteten Lagerstadl aus. Beste Idee des Jahres: Er kaufte den Bauern die Stützen ab, verfrachtete sie nach München ins Bahnhofsviertel und hängte daran ein Holzplateau auf.

Das ist nun „Das Buchberg“, der kurioseste neue Gastrobetrieb Münchens. Auf dem Freisitz mit „Urban-Jungle-Feeling“ dicht unter den Baumkronen der Plantanen hat man eine prima Aussicht über den Platz mit dem großen „0“-Kunstwerk und den Alten Botanischen Garten, man sitzt unter alten Schleppankern auf Bänken, einer Holztribüne oder Schaukeln, die von den Lichtpfeilern baumeln, und isst etwa an der zum Drehtisch umfunktionierten alten Umlenkrolle, was man unten im Kiosk gekauft hat. Die Preise sind fast auf dem Niveau des Buchberg-Stüberls im Oberland: 0,33-Maxlrainer-Helles oder 0,2-Cola für 2,40 Euro, die Sprizzes für 5,80, Sandwiches 6,50.

Aufgrund der besonderen Situation hier am Park mit den Gymnasiasten auf der einen, den Herumtreibern auf der anderen Seite, darf unten beim Kioskcontainer nur Alkoholfreies getrunken werden, sein Bier muss man über einen Aufstieg mit Brücke hoch aufs Podest nehmen. Vormittags soll die Empore dem benachbarten Kinderhaus Sophienstraße als Spielraum dienen. Klingt etwas kompliziert, wird sich aber einspielen und vielleicht ein Gastroklassiker der Stadt. Bald soll es hier auch Konzerte und Freizeitangebot geben, zur Eröffnung füllte schon der Kneipenchor das Podest.

Der neue OB Dominik Krause sieht’s gerne, genau durch solche Projekte soll die  „Taskforce Bahnhofsviertel“ hier die Atmosphäre aufhellen. Auch nebenan am Neptunbrunnen soll wie 2025 wieder der „Kult(ur)biergarten“ im Sommer Gastronomie mit Musik und sportlichen Aktivitäten verbinden.

Das Buchberg, Karl-Stützel-Platz, täglich von 12 bis 23 Uhr

Marina Monaco

Der Sommer kann kommen, der See ist schon da: Das Marina Monaco lockt mit ein bisschen Riviera-Feeling.
Der Sommer kann kommen, der See ist schon da: Das Marina Monaco lockt mit ein bisschen Riviera-Feeling. Stephan Rumpf

Das Sendlinger Loch war eine weltweit beachtete Attraktion, aber nicht konsequent zu Ende gedacht: Was hätte hier in einer vollgelaufenen Baugrube mitten in der Stadt für ein Freizeitparadies mit Wasserspaß entstehen können? Insofern machen es die Herren über eine Riesenbaustelle im Münchner Norden nun wesentlich geschickter: Um das dort entstehende Stadtquartier „Die neue Schmiede“ schon anzupreisen, legten sie mit dem Schlachtruf „Ahoi, München!“ die Yachthafen-Simulation „Marina Monaco“ an, inklusive eines künstlichen Sees.

35 mal 20 Meter Wasserfläche reichen zwar nicht mal für eine ordentliche Halse, müssen sie aber auch nicht, denn die Boote hier liegen eh nur zur Deko am aufgeschütteten Strand herum. Tatsächlich aber schaffen die Glühbirnchen, Pavillons, Liegestühle, Palmen und – warum auch immer – ein Holznashorn die Illusion, in einem kleinen Yachthafen an der Riviera abzuhängen, und das unweit der Büroklötze am Frankfurter Ring. Hier lässt sich bei Hellem (4,20 Euro), Aperol Sprizz (7,50), Espresso (1,20), Pinsa und Tiramisu ein bisschen von Italien träumen. Und das nun drei Jahre lang. Für alle, die weniger fläzen als sich bewegen wollen, wird es bald Padeltennis, Pickleball und Soccer geben.

Marina Monaco, Frankfurter Ring 227, donnerstags und freitags 12 bis 22 Uhr, samstags und sonntags 12 bis 24 Uhr, www.marinamonaco.de

Drei Kulturstrände der Urbanauten

Historisches Wimmelbild: 2018 trafen beim Vater-Rhein-Brunnen das Kollektiv Eisbach Calling und einige Abi-Feiern zusammen.
Historisches Wimmelbild: 2018 trafen beim Vater-Rhein-Brunnen das Kollektiv Eisbach Calling und einige Abi-Feiern zusammen. Matthias Singer

Vor dem Kurzurlaub kommt noch etwas Denkarbeit: Darin waren die Urbanauten immer gut, die Pioniere in der Belebung von Unorten in der Stadt. Die Organisation nennt sich „Denkfabrik und Stadtlabor für öffentliche Räume und öffentliches Leben“, eines ihrer beliebtesten Projekte sind sicher die mehrmals umgezogenen Kulturstrände: „Strandimport nach München. Horizonterweiterung am Rande des Alltags. Für erschöpfte Städter.“ Für die Münchner bedeutet das aber einfach: hingehen, entspannen, genießen, nämlich das Gastroangebot oder tatsächlich auch Kultur, die hat der Stadtrat zur Bedingung gemacht. Und das wieder an drei Stränden, am Vater-Rhein-Brunnen, am Wittelsbacherbrunnen und heuer neu am Professor-Huber-Platz.

Rund um den Vater-Rhein-Brunnen zwischen den beiden Isar-Strömen ist unter den Bäumen viel Platz für Sand, Gastrobuden (Giorgos Metikidis griechische Spezialitäten und Milad Mohammadi Pulled-Pork-Kreationen und Flammkuchen), WC-Boxen und Liegestühle. Regelmäßig lädt der Sponsor M-Net zu zwölf recht prominent besetzten Konzerten ein, etwa am 8. Juli zu Analog-Electro von Maschinenliebe. Dazu gibt es jede Art von Kultur, wie einen Abend mit „Schimpfworträtseln und Witzemerktricks“ (15. Juni), das Format „Local Waves“ mit Newcomern, dienstags den „Salsa Sundowner“ oder samstags „Isar Beats“, aber auch Flohmärkte, Workshops zum Behäkeln von Bauzäunen, Kinderkurse und Sportangebote mit allerlei Gerät zum Austoben.

Am Maximiliansstrand räkelt man sich tagsüber im Schatten, und in der Ferne rauscht sanft der Verkehr.
Am Maximiliansstrand räkelt man sich tagsüber im Schatten, und in der Ferne rauscht sanft der Verkehr. Johannes Simon

Auch am Wittelsbacherbrunnen, einem „Prachtbrunnen, wie er nur in Filmen vorkommt“, eröffnen die Urbanauten wieder eine Sommerresidenz mit Bar, den Maximiliansstrand. Von der temporären Holztribüne aus lässt sich das tägliche Kulturprogramm genießen. Gerade in der Latin-Community ist der Strand sehr beliebt, auch zum Tanzen, etwa bei mittwochs bei „La Playa – Latino-Sundowner“.

Neu dabei, aber eigentlich ein Klassiker: Nach 15 Jahren Pause eröffnen die Urbanauten auch am Professor-Huber-Platz wieder einen Kulturstrand. Direkt vor der LMU soll er gerade die Wohngebiete des „feiergeplagten Univiertels“ etwas entlasten. Die juristische Fakultät hatte wohl wegen der Ablenkung einige Bedenken, ließ sich aber von Urbanauten-Oberst Benjamin David überzeugen. Auch vor der Universität soll es von Ende Mai an Konzerte, Lesungen, Performances und Sportangebote geben, wie immer bei freiem Eintritt.

Kulturstrand am Vater-Rhein-Brunnen an der Ludwigsbrücke und Maximilianstrand am Wittelsbacherbrunnen beim Lenbachplatz, jeweils bis 14. September, täglich 12 bis 23 Uhr

Flux

München Villa Kunterbunt: das Flux im Pinakotheken-Viertel.
München Villa Kunterbunt: das Flux im Pinakotheken-Viertel. Florian Peljak

Immer wieder versuchte man, die Aufenthaltsqualität im Münchner Museumsquartier zu steigern. Was kompliziert klingt, ist jetzt gelungen mit dem Flux. Auf der Südseite der Pinakothek der Moderne steht diese Villa Kunterbunt, gestaltet von der Künstlerin Morag Myerscough als Ort der Fantasie, der Gemeinschaft und des Austausch – ein Ort zum Mitmachen. Jeder soll sich wohlfühlen, konsumieren muss man nichts. Man kann aber sehr wohl leckere Ramen-Nudeln essen und Getränke beim netten Barpersonal ordern und hoch auf die überdachte Empore oder zu den vielen Sitzgelegenheiten mitnehmen. Jeder findet hier auch seine Bühne, auf der er oder sie Ideen für Auftritte oder Workshops verwirklichen kann (einfach anfragen unter hello@flux-munich.com). Man kann aber auch einfach mitmachen, der Kalender ist schon gut gefüllt mit den DJs vom „Community Hangout“, mit Kinderbastelkursen, Yoga, Silentdisco oder Kino-Abenden vom Filmfest.

Flux, Südseite der Pinakothek der Moderne, www.flux-munich.com

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