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Kulturelles Trostpflaster:Aus Liebe zum Fest

Von Jürgen Moises

"Ich liebe die Wiesn. Ich liebe sie! Und dieses Jahr gibt's keine! Das ist schlimm. Wirklich ganz, ganz schlimm." Das klingt nach heftigen Phantomschmerzen, wie sie wohl viele empfinden, egal, welches Alter oder Geschlecht, welchen Beruf oder welche Religion sie haben. Martin, von dem das Zitat stammt, ist 1955 geboren, Münchner, Arzt - und Jude. Und für ihn gehen Brauchtum und Judentum selbstverständlich zusammen, wie man in der Ausstellung "Judn ohne Wiesn" im Jüdischen Museum (St-Jakobs-Platz 16) erfährt. Dort wird in Fotos und Texten erzählt, wie jüdische Münchner zur Wiesn und zur Tracht stehen. Um den durch den Wiesn-Ausfall entstandenen Kummer geht es auch in "Phantom Oktoberfest. Oktoberfest Phantom" in der Villa Stuck (Prinzregentenstr. 60), vier vom 20. September an einsehbare Virtual-Reality-Stationen, die der Filmemacher Philip Gröning ("Die große Stille", "Die Frau des Polizisten") geschaffen hat. Dafür hat er Erinnerungsbilder, Videos, Töne vergangener Oktoberfeste im Internet gesammelt und mithilfe künstlicher Intelligenz versucht, daraus die Wiesn virtuell zu rekonstruieren.

© SZ vom 19.09.2020

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