Kultur Tusch für ein orchestriertes Miteinander

In Planegg sind in den letzten zehn Jahren die Ehrenamtlichen des Kulturfördervereins und die Hauptamtlichen des Kulturforums zusammengewachsen. Gemeinsam bieten sie fürs Würmtal erfolgreich ein vielfältiges Programm

Von Rainer Rutz, Planegg

Eigentlich gilt es gleich zwei Großereignisse zu feiern: Im März ist es zehn Jahre her, dass das soeben gegründete Kulturforum Planegg eine neue Ära kulturellen Lebens für die Würmtal-Kommune einleitete. Wenige Monate zuvor war das Kupferhaus am Feodor-Lynen-Gymnasium seiner Bestimmung übergeben worden. Anja Fanslau als Vorsitzende des Forums und ihre Kolleginnen Claudia Heuermann und Sabine Schopp haben allen Grund mit den Planeggern am 3. Februar einen "Tag der Kulturvereine" zu feiern (siehe Kasten), denn die örtlichen Vereine sind es schließlich, die die Ideen für das überaus erfolgreiche Programm haben.

Immer ein Highlight im Planegger Veranstaltungskalender: Das Programm der "Musica sacra"-Reihe im Kupferhaus wie hier das Faschingskonzert im Jahr 2017.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Geschichte von Kulturforum und Kupferhaus ist eine Erfolgsgeschichte: Das allerdings war Fanslau, die zuvor im Kulturreferat der Landeshauptstadt München gearbeitet hatte, nicht unbedingt ins Stammbuch geschrieben. Denn der Anfang war schwer: Hatte doch Planegg eine alteingesessene Kulturszene, alles Ehrenamtliche, die selbstbestimmt und selbstbewusst die Richtlinien der Kulturpolitik bestimmten. Und zwar erfolgreich: Walter Hohenester etwa, viele Jahre Vorsitzender des Kulturfördervereins, oder Ludwig Götz als Chef der weithin bekannten "Musica sacra". Anja Fanslau erinnert sich an die Gründungstage des Forums: "Hohenester kam gleich auf mich zu und sagte: 'Des san fei unsere Kabarettisten' - gemeint waren die Biermösl Blosn, Gerhard Polt und Django Asül". Doch die Eifersüchtelei sei bald einer gewissen Erleichterung bei den Kulturschaffenden gewichen: Immerhin kümmerten sich die Damen des Kulturforums fortan um Organisation und Belegungsmöglichkeiten im Kupferhaus, das sich schnell einen Namen in der Region machte. Sie managten sämtliche Services bis hin zur Verpflegung und nahmen damit den "Etablierten" viel Arbeit ab.

Zum Zehnjährigen des Kupferhauses treten auch die Puppet Players innerhalb des Festprogramms auf.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Doch was Hohenester mit seinem Kommentar andeutete, hatte durchaus seine Berechtigung. Denn es war vor allem der Kulturförderverein, der das Kabarett, heute die erfolgreichste Sparte, nach Planegg gebracht hatte. Daran mussten sich die Macherinnen des Kulturforums erst einmal gewöhnen. Doch heute läuft die Kooperation unproblematisch, sagt Claudia Lutterkord, die nach Hohenester viele Jahre den Kulturförderverein leitete: "Natürlich mussten wir alle uns daran gewöhnen, beide Seiten. Schließlich arbeiten die ja nach einem anderen Prinzip, sind bezahlt, wir sind ausschließlich Ehrenamtliche. Manchmal hatten wir schon Angst, dass unsere Motivation verschwindet." Heute jedoch sei "alles erheblich besser". Und wenn der Kulturförderverein im Herbst ein Drummer-Festival mit großen Namen veranstalten will, dann geschieht das wie selbstverständlich mit Unterstützung des Forums.

Festival im Kupferhaus

Weil es Faschingszeit ist, soll der Spektakel zum Tag der Kulturvereine am Sonntag, 3. Februar genau um 11.59 Uhr losgehen: Quer über den Tag verteilt wird vor allem viel Musik, einige Lesungen und ein Programm für Kinder geboten - alles am und im Kupferhaus am Feodor-Lynen-Gymnasium. Musikschule, Musica sacra, das Kleine Tanzsyndikat, Tempo Nuevo, das Ballorchester La Rose Rouge, die Puppet Players, Dieter Friedmann und viele andere Interpreten treten auf. Das Fest zum zehnjährigen Bestehen des Kupferhauses beginnt mit einem Sektempfang und endet ab 19 Uhr mit einem großen Ballabend, Open end. Die Bewirtung kommt vom Café Vor Ort, Eintritt zu den Veranstaltungen wird nicht erhoben. Um 18.45 Uhr gibt es eine große Verlosung, bei der hauptsächlich auch Eintrittskarten für kulturelle Highlights des laufenden Jahres gewonnen werden können. Ein optischer Höhepunkt wird übrigens ein Auftritt der Münchner Schäffler sein um 14.45 Uhr vor dem Kupferhaus (www.kulturforum-planegg.de). RAR

Anja Fanslau war damals überrascht von der hohen Qualität des Kupferhauses: "Ein Haus mit Orchestergraben - das gibt es nicht überall." Umso größer der Anspruch an die Qualität des Programms: "Es galt, viel Aufbauarbeit zu leisten: Eine Homepage, ein Programm, das sich nicht überschneidet und das vor allem "kein Gemischtwarenladen ist", sagt Fanslau. Ein "homogenes Erscheinungsbild war und ist uns wichtig". Dabei galt es immer, "die Eigenständigkeit der Kulturvereine nicht anzutasten". Man habe auch nie einen Vorschlag abgelehnt, sei aber natürlich eingeschränkt bei "etwa 25 Veranstaltungen im Halbjahr, die möglich sind". Es sei dabei geblieben: "Jeder plant erst einmal für sich - bis hin zur Terminvergabe. Bei uns laufen die Stränge zusammen." Herausgekommen ist ein Programm aus Klassik, Kabarett, Theater, Literatur und Jazz. Die Aufführungen finden weit in die Region hinein hohe Anerkennung. Ein absoluter Höhepunkt der letzten Jahre kam allerdings ausgerechnet von außen: Eine Planegger Bürgerin organisierte den Mimen Ben Becker. Als "Seewolf" trat er zweimal im Kupferhaus auf, Fanslau schwärmt heute noch davon: "Großartig!" Nicht anders der Karl-Valentin-Abend mit Konstantin Wecker. Fanslau sagt aber auch: "Die Veranstaltungen, die mich besonders berühren, sind die kleinen mit noch nicht so bekannten Künstlern: Da gibt es oft standing ovations". Einer davon war einst der Kabarett-Abend mit Claus von Wagner. Fanslau wird den ewig in Erinnerung behalten - nicht nur wegen des glanzvollen Auftritts, wie sie sagt: "Wagners Frau war hochschwanger und lag in den Wehen. Ständig lief einer in den Technikraum - im Großen Saal gibt es keinen Empfang - um die Lage zu checken. Alles ist gut gegangen."