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Dokumentarfilm:Zwei Nasen, kein Mund

Ihrem eigenen Gesicht kommt Carlotta in Selbstporträts näher.

(Foto: Corso Film/oh)

Valentin Riedl, Neurowissenschaftler und Filmemacher, hat fünf Jahre lang an der Doku "Lost in Face" über die gesichtsblinde Künstlerin Carlotta gedreht. Eine stille Annäherung an eine ungewöhnliche Frau.

Carlotta sitzt da, den Zeichenblock an ihre Brust gepresst. Sie fixiert den Mann ihr gegenüber, Valentin Riedl. Ruhig scannen ihre Augen sein Gesicht ab, während ihre rechte Hand den Stift in kleinen Kringeln, Stakkatostrichen, Punkten über das Papier führt. Wie eine unbestechliche Druckernadel, welche die Befehle eines Scanners ausführt. Durch diese Technik kann Carlotta zwar nicht direkt sehen, was auf dem Blatt entsteht, und doch hat sie die Kontrolle. Ja, eigentlich ist es ihre einzige Chance, dieses Porträt zu zeichnen. Denn würde sie, wie es sonst die Künstler tun, den Blick auch nur einen Moment zwischen der Person und dem Papier wandern lassen, sie hätte das Gesicht sofort vergessen. Carlotta ist gesichtsblind.

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