Kultur in München Verwirrung um Gasteig-Sanierungspläne

Die knapp 500 Millionen Euro teure Sanierung des Gasteigs gestaltet sich schwierig.

(Foto: lukasbarth.com)
  • Wie soll der Gasteig künftig aussehen? Drei Entwürfe haben es in die Auswahl geschafft, am 18. Oktober will ein Bewertungsgremium eine Empfehlung abgeben.
  • Womöglich wird noch am gleichen Tag ein Sieger gekürt - das hängt von den ursprünglichen Architekten des Gasteigs ab.
  • Sie haben ein Mitspracherecht bei der Sanierung. Ob sie etwas gegen die Pläne einzuwenden haben, darum gibt es nun Verwirrung.
Von Heiner Effern

Das Zerren um die Pläne für die knapp 500 Millionen Euro teure Sanierung des Gasteigs wird immer unübersichtlicher. Die für Freitag angesetzte Entscheidung, welcher Architekten-Entwurf für den Umbau des Kulturzentrums zum Tragen kommt, sollte wegen mutmaßlicher Probleme mit den Urheberrechten nun eigentlich am 18. Oktober im Aufsichtsrat des Gasteigs fallen. Das beschloss das Gremium am Mittwochmorgen in einer Sondersitzung. Denn die drei am Bau beteiligten Architekten und ein Erbe des vierten sollten Gelegenheit bekommen, die Entwürfe für die Sanierung vorher zu sehen.

Nach einer Einladung des Gasteigs sollen jedoch alle vier Parteien nach Informationen der Süddeutschen Zeitung keinen Bedarf für ein Gespräch geäußert haben. Wie es weitergeht, soll der Aufsichtsrat am Donnerstagnachmittag entscheiden. Möglicherweise kehrt er zum ursprünglichen Zeitplan zurück und verkündet den Siegerentwurf doch bereits an diesem Freitag.

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An diesem Tag wird in jedem Fall ein aus der Jury des Wettbewerbs hervorgegangenes Bewertungsgremium eine Empfehlung abgeben, welcher der drei verbliebenen Entwürfe realisiert werden soll. Der Aufsichtsrat könnte dann in der gleich anschließend terminierten Sitzung sein Votum abgeben. Die Vollversammlung des Stadtrats muss das Ergebnis am 24. Oktober bestätigen. Erst deutlich später, kurz vor Jahresende, soll es nach neuester Planung ein Treffen mit den vier Parteien des ursprünglichen Architektenteams geben. Das 1985 eröffnete Kulturzentrum entwarfen Carl F. Raue, Eike Rollenhagen, Gerd Lindemann und Günter Grossmann. Sie haben auch für den Umbau noch eine zentrale Bedeutung: Jeder der drei noch lebenden Planer sowie ein Erbe könnte mit einem Veto die Sanierung verkomplizieren oder sogar weit zurückwerfen.

Im Vorfeld der Sondersitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch war es zu einem Streit zwischen der SPD und dem für den Gasteig verantwortlichen Bürgermeister und Aufsichtsratschef Josef Schmid (CSU) gekommen. Die Sozialdemokraten warfen Schmid und Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner vor, die Abstimmung mit den Inhabern der Urheberrechte versäumt oder unprofessionell vorangetrieben zu haben. Die Sanierung sei gefährdet. Schmid konterte, die SPD wolle ihn vor der Landtagswahl auf durchsichtige Weise angreifen.

Geschäftsführer Wagner sprach von einem "Missverständnis". Er stehe seit längerer Zeit in engem Kontakt mit Rollenhagen, sagte Wagner. Vor wenigen Wochen soll der Architekt nach langem Einverständnis seine Meinung geändert haben. Umgehend gab der Gasteig ein Rechtsgutachten in Auftrag. Rollenhagen versandte indessen eine auch von seinem Kollegen Günter Grossmann unterzeichnete "Denkschrift", in der er erläutert, was aus seiner Sicht nicht verändert werden dürfe. Diese Einschränkungen gehen so weit, dass intern nur dem Sanierungs-Entwurf des Architekturbüros Henn Chancen eingeräumt werden. Lindemann und der Erbe von Carl F. Raue sollen bisher keine Einwände vorgebracht haben.

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