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Kultur in der Krise:"Zeppelin - das Musical" mit Startproblemen

Ralph Siegel wartet auf die Uraufführung seines Musicals in Füssen

Von Sabine Reithmaier, Füssen

Manchmal ist es schwierig, sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Obwohl eigentlich schon alles perfekt geplant und finanziert ist, will es einfach nicht klappen. Die Erfahrung macht gerade Ralph Siegel. Die Weltpremiere seines Musicals über den Grafen Ferdinand von Zeppelin im Festspielhaus Neuschwanstein ist zum zweiten Mal verschoben worden.

Den 75-jährigen Komponisten und Musikproduzenten veranlasst das schon, darüber nachzusinnen, ob er und der Autor des Stücks, der 83-jährige Hans Dieter Schreeb, überhaupt fit genug sind, um weitere Verzögerungen durchzuhalten. Theaterdirektor Benjamin Sahler aber gibt sich auf der Pressekonferenz optimistisch, dass der nächste Uraufführungstermin am 16. Oktober wirklich gehalten werden kann. Freilich plant er im Augenblick eher vorsichtig und geht im Vorverkauf von 400 Zuschauern aus, der Saal zählt 1355 Plätze.

Fünfundzwanzigmal soll das Musical im Herbst 2021 gespielt werden, 45 Termine für 2022 stehen bereits fest. Sahler rechnet mit einer Erfolgsgeschichte, "die bisherigen Zahlen aus dem Vorverkauf sind ermutigend." Und Siegel sei einfach eine Legende, das Thema hoch spannend.

Das Musical verknüpft zwei Zeitebenen, wechselt von der Biografie des Grafen (1838 - 1917) hin zur letzten Fahrt des Luftschiffes "Die Hindenburg", das im Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst (New Jersey, USA) zerbarst - die Wasserstofffüllung hatte sich entzündet. Die Idee entwickelte Siegel bereits 2016, ein Jahr später stellte er das Musicalprojekt in einer szenischen Lesung in Berlin vor. Nachdem 2018 eine Uraufführung in Duisburg scheiterte, fand er im Füssener Festspielhaus einen Partner, der von seinem Stück begeistert war. Nicht nur weil das Musicaltheater seit 2005, als "Ludwig²" Premiere feierte, keine Welturaufführung mehr hatte, sondern auch weil sich Siegel auf eine Koproduktion einließ und das Musical selbst produziert. Er hafte mit seinem Privatvermögen, sagte Siegel, ein Musical in dieser Größenordnung liege eigentlich jenseits seiner Möglichkeiten.

Ursprünglich hätte der Zeppelin unter der Regie von Sahler im November 2020 in Füssen abheben sollen, dann im Juni. Jetzt hat Sahler wieder die Reißleine gezogen. "Die unterschiedlichen Signale aus der Politik zwischen Lockdown und Lockerung haben uns in einen permanenten Spannungszustand zwischen Hoffen und Bangen versetzt", sagt er. Aber nun sei aufgrund der aktuellen Lage klar, dass weder im Juni noch im Juli Aufführungen möglich sind. Auch an eine geregelte Probenarbeit sei nicht zu denken.

Obwohl das Festspielhaus seit der letzten Aufführung am 7. März 2020 geschlossen ist, klagt Sahler kaum. Die ersten Monate seien zwar hochdramatisch gewesen, sagt er, doch dann hätten die öffentlichen Unterstützungsprogramme gegriffen. "Da sind wir schon dankbar, haben wir so doch nicht das Gefühl, komplett im Stich gelassen zu werden."

Infos: www.das-festspielhaus.de

© SZ vom 23.04.2021
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