Kultur- und Freizeittipps der Tänzerin Violetta KellerIn den Frühling tanzen

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Der Ballettabend „Waves and Circles“, der bei der Ballettfestwoche in München zu sehen sein wird, besteht aus drei Choreografien. Violetta Keller tanzt in William Forsythes „Black Works I.“
Der Ballettabend „Waves and Circles“, der bei der Ballettfestwoche in München zu sehen sein wird, besteht aus drei Choreografien. Violetta Keller tanzt in William Forsythes „Black Works I.“ Nicholas MacKay

Die Erste Solistin am Bayerischen Staatsballett freut sich in der Woche von 23. bis 29. März auf einen Nachtflohmarkt, Frühlingsboten im Botanischen Garten und ihre Auftritte bei der Ballettfestwoche.

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In Helsinki, wo Violetta Keller sieben Jahre lang beim Finnischen Nationalballett getanzt hat, konnte sie oft nur auf dem Laufband trainieren. Zum Joggen draußen in der Natur war es im hohen Norden zu kalt. Das kann sie nun wieder ausgiebig tun, am liebsten im Englischen Garten. Denn die 25-Jährige ist nach München zurückgekehrt. Hier hat sie studiert, an der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater den Grundstein für ihre Karriere gelegt. Seit der Saison 2025/26  tanzt sie als Erste Solistin am Bayerischen Staatsballett, bei der anstehenden Ballettfestwoche etwa in „Waves and Circles“ (von 1. April an) und im neuen Dreiteiler „Common Ground“ (Premiere am 28. März). Für die junge Frau ist nicht nur beruflich ein Traum in Erfüllung gegangen, sie genießt auch in vollen Zügen, was ihr ihre Heimatstadt zu bieten hat.

Montag: Kunst und schöner Krempel

Einmaliges Ambiente: In der Kunst-Oase des Antiquars Manfred Wambsganss lässt es sich wunderbar zwischen alten Lüstern, Keramik und Kuriositäten stöbern.
Einmaliges Ambiente: In der Kunst-Oase des Antiquars Manfred Wambsganss lässt es sich wunderbar zwischen alten Lüstern, Keramik und Kuriositäten stöbern. Stephan Rumpf

Die Woche beginnt mit einer meiner Lieblingsbeschäftigungen: Thrifting, also dem Stöbern nach gebrauchter Ware und Kleidung. Nach dem Vormittagstraining schaue ich in verschiedenen Secondhandshops in München nach besonderen Stücken. Mit dabei habe ich das Buch „A Dictionary of Colour Combinations“ des Malers und Designers Wada Sanzō. Die abgebildeten japanisch-traditionellen und westlichen Farbkombinationen dienen mir oft als Inspiration.

Auf meiner Tour mache ich auch einen Stopp bei der Kunst-Oase in Schwabing. Hier findet man mich oft, denn der Antiquitätenladen macht seinem Namen alle Ehre. Fernab des sonstigen Trubels kann man hier in Ruhe allerlei Figuren, Keramik, Möbel und Kuriositäten bewundern, während über einem zahlreiche Lampen und Kronleuchter funkeln. Fast, als wäre man tatsächlich in einer anderen Welt.

Dienstag: Proben und malen

Im „KeraMuc“ kann man selbst kreativ werden und Keramik bemalen.
Im „KeraMuc“ kann man selbst kreativ werden und Keramik bemalen. Daniel Schäfer

Dienstagmorgens fahre ich, so wie immer bei gutem Wetter, mit dem Fahrrad über die Lindwurmstraße und den Rindermarkt zum Ballettprobenhaus am Platzl. Man merkt, dass die Tage wieder länger werden und ich genieße die frische Frühlingsluft. Momentan probe ich viel für die Ballettfestwoche, die am Samstag beginnt. Ich werde in „Waves and Circles“ sowie unserem neuen Dreiteiler „Common Ground“ zu sehen sein.

In der Mittagspause gehe ich zu Fisch-Witte am Viktualienmarkt und bestelle mir eine Lachssuppe. Die esse ich hier öfter, vielleicht weil sie mich an meine Zeit in Finnland erinnert. Abends treffe ich mich dann mit ein paar Freunden bei „KeraMuc“, wo wir gemeinsam Keramik bemalen. Es macht Spaß, so kreativ zu sein – auf meinen Teller male ich übrigens einen knallroten Tintenfisch.

Mittwoch: Intensiver Kinofilm

Im Kinofilm „Marty Supreme“ (Szene mit Timothée Chalamet und Odessa A'zion) geht es um einen Tischtennis-Spieler, um die Gier nach Leben, um Schweiß, Sex und Erlösung.
Im Kinofilm „Marty Supreme“ (Szene mit Timothée Chalamet und Odessa A'zion) geht es um einen Tischtennis-Spieler, um die Gier nach Leben, um Schweiß, Sex und Erlösung. Alamy Stock Photos / TCD/Prod.DB/mauritius images

Am Mittwoch gehe ich nach der Probe noch trainieren. Meistens sprinte ich auf dem Laufband, das fördert meine Kondition, die fürs Tanzen sehr wichtig ist. Zur Belohnung gibt’s danach einen Döner, den ich mir bei „Sendling’s Spezial Kebap“ hole – das mache ich nicht allzu oft, aber nach der heutigen Anstrengung habe ich mir das verdient, oder?

Abends geht’s dann noch ins Kino. Meistens besuche ich das Kino „Museum Lichtspiele“, denn dort zeigen sie die Filme im englischen Original. Heute schaue ich mir „Marty Supreme“ mit Timothée Chalamet an. Nach der Aufregung um seine fragwürdigen Aussagen über Ballett und Oper möchte ich mir eine Meinung über ihn als Schauspieler bilden. Ich finde es traurig, dass Kunstformen heute in der Öffentlichkeit so gegeneinander ausgespielt werden.

Donnerstag: Feinschliff mit dem Choreografen

Heute ist ein wichtiger Tag, denn es findet eine der letzten Bühnenproben für die kommende Premiere statt, bereits in Kostüm und Maske. Dazu sind die beiden Choreografen Alexander Ekman und Johan Inger zu Gast, die uns den letzten Feinschliff geben. Es ist eine besondere Ehre für mich, mit Johan Inger zu proben. Ich tanze zum ersten Mal ein Stück von ihm, und der Choreograf kann natürlich nochmal ganz andere Tipps geben als die Ballettmeister. Den Abend verbringe ich zu Hause und koche mir was Schönes. Es gibt Mango-Chicken, ein Gericht, das ich häufig mache. Ich mag es, mir Zeit zum Kochen zu nehmen und den Abend gemütlich mit Musik und bei Kerzenschein ausklingen zu lassen.

Freitag: Stöbern nach Schätzen

In der alten Paketposthalle, dem jetzigen Pineapple Park, gibt es wöchentlich einen Nachtflohmarkt mit Bandauftritt und Streetfood-Markt.
In der alten Paketposthalle, dem jetzigen Pineapple Park, gibt es wöchentlich einen Nachtflohmarkt mit Bandauftritt und Streetfood-Markt. Catherina Hess

Nach der Arbeit besuche ich mal wieder meine Mama in Schwabing auf eine Tasse Tee. Es ist schön, dass ich sie seit meiner Rückkehr aus Finnland wieder öfter besuchen und ihr das Neueste aus den Proben, den Vorstellungen und meinem Leben erzählen kann. Später gehe ich dann noch mit ein paar Freunden zum Nachtflohmarkt im Pineapple Park. Das Flair in der Alten Posthalle hat etwas Industrielles, ich mag die Mischung aus Stöbern und Live-Musik. Heute findet dazu noch ein Streetfood-Festival statt, bei dem man Essen aus allen Kontinenten probieren kann – ich bin gespannt, was ich alles entdecken werde.

Samstag: Vergänglichkeit im Bild

Gabriele Münter, „Baumblüte in Lana“ aus dem Jahr 1908, derzeit zu sehen in der Ausstellung „Was zu verschwinden droht, wird Bild“ im Lenbachhaus.
Gabriele Münter, „Baumblüte in Lana“ aus dem Jahr 1908, derzeit zu sehen in der Ausstellung „Was zu verschwinden droht, wird Bild“ im Lenbachhaus. VG Bild-Kunst, Bonn 2025. Foto: Lenbachhaus

Heute Abend ist die Premiere von „Common Ground“, weshalb ich mir vormittags noch etwas Inspiration holen möchte. Dafür besuche ich das Lenbachhaus, um mir die Ausstellung „Was zu verschwinden droht, wird Bild“ anzusehen. Darin geht es um Vergänglichkeit, besonders um die der Natur, und wie diese in Bildern festgehalten wird. Ein spannendes Motiv, das mich als Tänzerin auch deshalb interessiert, weil unsere Bewegungen und Vorstellungen ebenfalls flüchtige Momente sind. Nach der Vorstellung werde ich noch kurz auf der Premierenfeier auf eine hoffentlich erfolgreiche Premiere anstoßen.

Sonntag:  Frühlingsboten

Im Botanischen Garten in München-Nymphenburg beginnt jetzt die „Sommerzeit“: Die Krokusse stehen in voller Blüte.
Im Botanischen Garten in München-Nymphenburg beginnt jetzt die „Sommerzeit“: Die Krokusse stehen in voller Blüte. Alessandra Schellnegger

Am Sonntag geht’s an einen meiner Lieblingsorte: den Botanischen Garten in München-Nymphenburg. Heute beginnt dort offiziell die „Sommerzeit“, was bedeutet, dass der Garten wieder länger geöffnet hat. Man sieht bereits, dass der Frühling kommt, es blühen Krokusse, Narzissen, und die ersten Wildtulpen strecken ihre Köpfe raus. Hier kann ich einfach mal die Seele baumeln lassen und ein paar Sonnenstrahlen tanken. Abends folgt die zweite Vorstellung von „Common Ground“ und danach geht’s zur Feier des Tages in die „The High Bar“ in der Nähe des Gärtnerplatzes. Bekannt ist die Bar wegen ihrer Highball-Cocktails. Am Wochenende kann es ziemlich voll dort werden, doch ich mag die gemütliche Atmosphäre.

Violetta Keller wuchs in München auf und erhielt ihre Ausbildung an der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater in München. Nach ihrem Abschluss ging sie 2018 zur Junior-Compagnie des Finnischen Nationalballetts, bevor sie ein Jahr später in die dortige Hauptcompagnie wechselte. 2021 stieg sie direkt zur Solistin und 2022 zur Ersten Solistin auf. Seit Sommer 2025 ist sie zurück in München, wo sie als Erste Solistin beim Bayerischen Staatsballett tanzt. Während der Ballettfestwoche 2026 ist sie in den Produktionen „Common Ground“ und „Waves and Circles“ im Nationaltheater zu sehen.

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Von Jutta Czeguhn

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