Montag: Proben für einen Traum
Die Woche beginnt für mich aufregend und voller Vorfreude. Denn heute sehe ich mal alle zusammen: das gesamte Ensemble meines bisher größten, selbst produzierten Musicals „Ein total verrückter Sommernachtstraum“, das am 13. August in der Komödie im Bayrischen Hof Premiere haben wird. Es ist der „Sommernachtstraum“ von Shakespeare als Musical. Und die eh schon lustige Geschichte haben wir noch lustiger gemacht und einen Elektriker hinzugefügt, der nicht ins Stück gehört. Und ich freue mich sehr, dass Sepp Schauer diese komische Rolle übernommen hat – und singen kann er auch noch. Heute kommen, wie gesagt, zum ersten Mal alle 15 Darsteller zu einer kleinen Leseprobe zusammen, und ich bin sehr gespannt, wie sie zueinander passen. Außerdem kommen auch die Damen für die Kostüme, mit denen ich danach noch eine kleine Besprechung habe. Am Abend habe ich mir nicht viel vorgenommen, vielleicht koche ich, es gibt schon frischen Spinat, mal sehen.
Dienstag: Mit Übermut aufs Wasser

Wenn das Wetter schön werden sollte, fahre ich an den Ammersee. Es ist vielleicht etwas übermütig, aber ich will mich dann zum ersten Mal in dieser Saison aufs Brett stellen, das heißt im Stand-up-Paddeln versuchen. Übermütig deshalb, weil ich zum einen noch einige Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht habe, und zum anderen der See noch ziemlich kalt ist. Ich glaube, ich muss etwas zum Aufwärmen mitnehmen, trocken werde ich wohl nicht bleiben. Aber das spielt keine Rolle, denn der Platz in der Nähe des Freibads St. Alban ist erstens wunderschön, weil ursprünglich, und zweitens sind dort Hunde erlaubt. Am Abend schaue ich dann lieber anderen beim Sport zu. Denn zum Essen geht es ins „Riviera 76“ in der Osterwaldstraße. Das ist das ehemalige Vereinslokal der Sportstätten der Bayern LB. Dort kann man draußen sitzen und lecker essen und, wenn man Glück hat, sportlichen Menschen beim Fußball-Training oder beim Spiel zuschauen.
Mittwoch: Musical-Spaß mit Carmen

Heute muss ich schon am Mittag ins Theater Drehleier und die Abendvorstellung aufbauen, unser jüngstes Baby: „Carmen – Geschöpf der Leidenschaft“. Carmen ist bereits das vierte unserer kleinen, lustigen Musicals, seit wir vor elf Jahren mit „Italia con Amore“ begonnen haben. Ich habe großes Glück, dass mir dieses traumhafte und hochprofessionelle Mini-Ensemble so lange erhalten geblieben ist. Vor der Vorstellung werden wir noch einmal proben, denn es ist erst unsere vierte Carmen-Vorstellung, und noch fehlt die Routine. Außerdem ist der musikalische Teil des Stücks sehr komplex. Zwar haben wir Arien gestrichen und mit spanischen Evergreens und Pop-Songs „aufgefüllt“, aber die Passagen mit der originalen Musik von Georges Bizet sind nicht einfach zu spielen und zu singen und müssen sitzen. Trotz aller Arbeit haben wir bei der Aufführung einen Riesenspaß, und den haben, wie man hören kann, glücklicherweise auch die Zuschauer.
Donnerstag: Hommage an die „Doors“

Ich liebe Tomaten – am liebsten die selbst angebauten. Aber die müssen erst mal gepflanzt werden, und das mache ich heute. Ende Januar habe ich meine Jahres-Sammlung von Samen leckerer Tomaten ausgesät. Immer wenn ich eine Sorte besonders lecker finde, tupfe ich ein paar Samenkörner auf ein Küchentuch und lasse sie trocknen. Die Körner stecke ich dann Anfang des Jahres in kleine Töpfchen mit Anzuchterde und schon nach zwei Wochen kommen die ersten Triebe. Jetzt sind sie groß genug, um im Garten „ausgewildert“ zu werden. Dazu gibt es noch einige Gast-Pflanzen, die ich mit meinem Freund und Komponisten Bastian Pusch tausche. Und dann ist das erste Thema am Telefon oder auch, wenn wir uns sehen, immer: Was machen die Tomaten? Am Abend gehe ich ins Metropoltheater. Das kleine Theater in München-Freimann ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern von Zuschauern und Kritikern heiß geliebt und hochgelobt. Heute gibt es „People are strange“, eine Hommage an den legendären Doors-Sänger Jim Morrison. Ich bin sehr gespannt.
Freitag: Tomaten tauschen

Heute schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens bringe ich Bastian Pusch die erwähnten Tausch-Tomaten, und zweitens wollen wir noch mal alle Titel durchgehen, die er für den „Sommernachtstraum“ komponiert hat. Oft müssen die Stücke ein wenig angepasst werden; sei es, dass meine Zeilen nicht ganz gepasst haben oder die Längen nicht ganz stimmen, weil hier noch getanzt und hier noch gespielt werden muss. Die letzten Änderungen werden sich aber sicher noch bei den Proben ergeben, die wir beide schon nicht mehr abwarten können. Am Abend gehe ich ins Kino. Ich habe schon viele unterschiedliche Meinungen über „Der Astronaut“ gehört, aber als alter Science-Fiction-Fan muss ich diesen Film wohl gesehen haben.
Samstag: Tapas zur Belohnung
Und wieder geht es in den Garten, schließlich ist es Mai, aber heute in den einer guten Freundin. Die ist kürzlich aufs Land gezogen, in ein kleines Häuschen, eben mit Garten, aber ohne Gartenzaun. Sie möchte einen Staketenzaun um ihr Grundstück, und ich soll ihr dabei helfen, die Pfosten einzuschlagen. Das habe ich schon einmal gemacht und eine Woche lang gelitten, denn ich habe die Dinger mit reiner Muskelkraft in einen Lehmboden gepflanzt. Aber dieses Mal werde ich mir so einen motorisierten Pfostenbohrer ausleihen, damit ich am Abend noch eine Gabel heben kann. Denn Andrea wollte mich zur Belohnung auf ein paar leckere Tapas einladen. Und die gibt es, spanisch rustikal, im „Marbella“ Ecke Albrecht-/Horemansstraße.
Sonntag: Biergarten-Idyll

Carpe Diem! Ich werde den Sonntag nutzen, um noch ein wenig an meinem Sommernachtstraum-Bühnenbild zu basteln. Denn auf der Probebühne der Komödie sind heute keine aktuellen Proben der anderen Kollegen. Auf dem Weg nach Pasing komme ich immer an der „Inselmühle“ mit seinem riesigen Biergarten direkt an der Würm vorbei. Wenn das Wetter schön ist, duftet es dort immer so verlockend. Und heute habe ich mir vorgenommen, dort endlich mal einen Steckerlfisch zu essen. Ich werde also die Gattin anrufen, wenn ich fertig bin, dann treffen wir uns dort und genießen den Feierabend.

Michael Tasche lebt seit mehr als 40 Jahren in München. Vorher hatte er in Bonn und Köln Medizin und Gesang studiert und begann im Münchner Theater für Kinder zunächst als Techniker. Nach drei Jahren, in denen er dann endlich als Schauspieler arbeiten durfte, wechselte er ins Stadttheater Heilbronn und spielte danach noch weitere fünf Jahre Musicals in freien Engagements. Dann begann er fürs Fernsehen zu arbeiten, als Moderator, Autor, Coach und schließlich als Regisseur. 2012 erschien sein Bestseller „Innenkabine mit Balkon“, eine Kreuzfahrt-Satire. Seit 2014 schreibt und produziert er Musicals wie „Italia con Amore“. Von 2018 bis 2025 übernahm er die künstlerische Leitung des Münchner Theaters für Kinder und ist sozusagen wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.

