Montag: Inspiration in der Pinakothek
In den letzten Jahren habe ich aufgehört, Termine am Montag zu machen. Das gilt auch für wichtige Telefonate oder Entscheidungen. Viele Menschen swingen am Montag immer noch im Wochenend-Freizeit-Modus und sind stimmungstechnisch nicht ganz auf der Höhe. Also mach’ ich nicht gerade frei, aber ich unternehme etwas mit mir selbst. Im Idealfall schürt das die Inspiration und es entstehen Ideen. Am liebsten würde ich in die Alte Pinakothek gehen und mir die Ausstellung „Wie Bilder erzählen – Storytelling von Albrecht Altdorfer bis Peter Paul Rubens“ anschauen. Für jeden Cineasten interessant zu sehen, wie Bildergeschichten vor Erfindung des Kinos gingen. Leider ist sie heute geschlossen.
Dienstag: Erinnerungen im Volksbad

Ein reiner Arbeitstag in meinem Büro, in Räumen mit beschwingender Panorama-Sicht in die frühlingserwachenden Baumwipfel rundum. Fenster auf. Vögel zwitschern. Ich checke, wer sich am Montag doch gemeldet hat. Gesprächstermin 1 … 2 … 3. Dann Themenplanung: Ich pinne neue Ideen, Köpfe, Skizzen, Szenen an die 12 Meter langen Wand-Boards. Vielleicht stelle ich im Laufe der Woche ja fest, dass die diversen Fragmente ein Ganzes ergeben? Mal sehen.
Am Abend finde ich bestimmt wieder einen erfrischenden Ausgleich im Müller’schen Volksbad, wo die Erinnerung an mein einstiges Wasserwacht-Training mich mit jedem Zug jung und jünger, stark und stärker, beinahe zum früheren Rettungsschwimmer werden lässt. Ich war mein Leben lang kein großer Sportler. Eine besondere Leidenschaft zum Muskeln stählen findet man auch eher selten bei Männern, die ihr Geld mit dem Schreiben verdienen. Aber wenn ich eines beherrsche, und zwar seit der Kindheit, dann ist es Schwimmen. Ich hatte das Glück, dass ich es mir in einem kleinen Fluss selbst beibringen konnte. Die Strömung hat mich einfach getragen und dahinfließen lassen. Vor rund 70 Jahren.
Mittwoch: Weißwurst und Britpop

Sehr oft am Mittwoch setzt die Mittagspause um halb zwölf ein. Traditionsgemäßes Weißwurstessen im Weißen Bräuhaus im Tal. Im Zeitalter der Gefrier- und Kühlschränke ist die Einhaltung der Vorschrift, dass die Weißwurst das Zwölfuhrläuten nicht hören darf, wohl völlig umsonst – aber Traditionen müssen nicht zwangsweise rational sein. Hier jedenfalls ist München noch bayerisch, das hat sich rumgesprochen und deshalb sind auch so viele Touristen da. Es ist laut und es schmeckt. Am Abend geh’ ich ins Konzert. Die Vaccines (Impfstoffe) spielen ab 20 Uhr in der Muffathalle. Eine britische Band, die in der Tradition von Franz Ferdinand einen wunderbaren Britpop spielt. Nick McCarthy von Franz Ferdinand hat Teile der Musik zu meiner Serie „München 7“ gemacht.
Donnerstag: Besuch bei einem Freund

Durchgehend Termine – Besprechungen, Vorstellungen, Casting und so weiter. Den Abend habe ich reserviert für meinen seit Ewigkeiten sehr guten Freund Bruno Jonas. Ich fahre ins Kubiz in Unterhaching. Dort spielt er sein neues Programm „Klappe halten“. Bruno und ich sind befreundet seit den Achtzigerjahren. Wir haben zusammen die TV-Serie „Familie Meier“ geschrieben und er hat in „Irgendwie und Sowieso“ den Tango Fredy gespielt und gesungen – genial und authentisch. Ich mag Brunos Art des Kabaretts. Es ist direkt, scharf, frech und unverblümt – und man darf auch Denken dabei. Einen „herrschaftsfreien Monolog für Fleischesser und Dieselfahrer“ kündigt er im Untertitel an. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich drauf.
Freitag: Serie schauen

Auf der Suche nach Motiven für meine nächsten Projekte will ich ab dem frühen Morgen mit meinem Team durch die Innenstadt streifen – das Lehel, Schwabing, Haidhausen. Ich habe den Verdacht, dass wir spätestens zur Mittagszeit auf der Theresienwiese landen werden. Hier startet das Frühlingsfest. Sein 60. Bestehen wird drei Wochen lang gefeiert. Ich versuche, am Abend daheim zu sein, denn um 20.15 Uhr sendet das Bayerische Fernsehen „Himmel, Herrgott, Sakrament“ – die zweite Sendung der zweiten Staffel meiner neuesten TV-Serie mit und rund um einen rebellischen Pfarrer, seine Liebe und die Konflikte mit der katholischen Amtskirche. Vorbild ist der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler.
Ob und wie meine Arbeit über den heimischen Fernseher rüberkommt, will ich wie ein ganz normaler Zuschauer sehen. In den zwei Folgen geht es um eine große Hochzeitsfeier auf dem Land und um ein kleines Mädchen, das seine Erstkommunion so gestalten will, wie der Pfarrer Reiser sie mit den Kindern feiert und nicht, wie seine Eltern es erwarten.
Samstag: Zeit mit der Familie

Samstag – traditionelles Familienfrühstück: Alle kommen irgendwann vorbei, denn von unseren drei Kindern Viktoria, Leon und Felicitas wohnt jedes maximal 150 Meter von uns entfernt. Einzige Frage: Wer kommt zuerst? Gegen 10 Uhr sitze ich mit meiner Frau Sonja in der Küche, schaue aus dem Fenster und warte darauf, dass der Samstag so startet wie meistens: Erst höre ich nur Schritte, dann huscht ein Haarschopf vorbei, gefolgt von einem zweiten, gleich danach wippt eine Pferdeschwanz-Frisur am unteren Fensterrand entlang. Meine Enkel Felix (5), Dominik (7) und Leonie (10). Ab da weiß ich, wie der Samstag sein wird. Teil eins im Wildpark Poing, der auf einem Rundweg durch den Wald heimische Wild- und Haustiere zeigt. Spielplätze sind genug vorhanden. Am Nachmittag heißt es: Planschen und rutschen im Phönix-Bad in Ottobrunn. Meine Enkel lassen mich nicht älter werden.
Sonntag: Schlemmen im Oberland

Seit längerer Zeit gehört der Sonntag ausschließlich meiner Frau Sonja und mir. Wandertage habe ich in der Schule gehasst wie die Pest. Jetzt, im gesetzten Alter, schätze ich sie. Nichts Extremes, sondern etwas Ruhiges mit guter Aussicht. Rückblickend betrachtet ist mir aufgefallen, dass in vielen meiner Filme immer wieder Motive im Oberland wichtige Rollen spielen. Ich hatte dafür sehr oft die Gegend um Dietramszell, Hechenberg und Bad Tölz gewählt. Nach wie vor ist dort so wenig Verkehr, dass man nicht nur durch die Wälder, sondern bei ungünstiger Witterung sogar bequem auf der Straße wandern kann. Der Jägerwirt in Kirchbichl serviert feine regional-traditionelle Speisen. Aber das absolute Sonntags-Muss heißt meistens Thekla. Magische Anziehungskraft. Um eine Einkehr bei unserer Freundin Thekla im Café Winklstüberl in Fischbachau kommen wir nur selten herum.
Franz Xaver Bogner, geboren 1949 in Pliening in Oberbayern, ist einer der prägenden Autoren und Regisseure des deutschen Fernsehens – mit einem unverwechselbaren Blick auf das bayerische Leben. Einer, der wie kaum ein anderer Milieu, Dialekt und Alltagskomik zu Serienformaten verdichtet hat. Nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Fernsehen und Film München begann er als Dokumentarfilmer, bevor er mit Serien wie „Irgendwie und Sowieso“ Kultstatus erlangte und später mit „Café Meineid“, „München 7“ oder „Der Kaiser von Schexing“ eine ganz eigene Handschrift etablierte: lakonisch, genau beobachtet, tief verwurzelt im bayerischen Alltag. Bogners Stärke liegt im präzisen Blick auf Menschen und ihre Widersprüche, das hat ihm neben Publikumserfolgen Auszeichnungen wie den Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis eingebracht. Mit der BR-Serie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ (seit 2023) knüpft Bogner an diese Linie an. Aktuell sind in der ARD-Mediathek sechs neuen Folgen zu sehen, am 10., 17. und 24. April wird jeweils eine Doppelfolge um 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

