Montag: Michael Jackson im Kino
Montage beginnen bei mir meistens eher ruhig. Während die Kinder in der Schule sind, arbeite ich im Schnitt, führe Gespräche, viel ist zu organisieren. Es sind die unsichtbaren Teile des Schauspielerberufs, die aber alles zusammenhalten. Am Abend gehe ich mit Freunden ins Arri-Kino in der Türkenstraße. Um 20.30 Uhr läuft heute „Michael“, das Biopic über Michael Jackson, gespielt von seinem Neffen. Wir sind gespannt. Michael Jackson ist der Sound meiner Kindheit.
Dienstag: Entspannen mit Ausblick

Mein absoluter Geheimtipp ist, wenn man sich irgendwie die Zeit nehmen kann, das Spa im Bayerischen Hof. Unter der Woche ist wenig los, nur ein paar internationale Hotelgäste sind da, die Stimmung ist entspannt. Sogar mit Kindern macht es Spaß dort. Nach Sauna und Massage dann Lunch auf der Dachterrasse. Von dort oben auf die Frauenkirche zu schauen, ist einmalig. Wenn dann die Sonne noch scheint, weiß man, warum München eine der schönsten Städte der Welt ist.
Mittwoch: Familientragödie
Was ich an München liebe, ist seine Theater-, Opern- und Konzertlandschaft. Schon als kleines Kind habe ich „Hänsel und Gretel“ an der Oper geschaut, und nichts auf der Welt lässt einen mehr spüren, dass bald Weihnachten ist – bis auf die Weihnachtsmärkte in der Stadt. Als Filmschauspielerin und Regisseurin liebe ich es, mich hier inspirieren und in andere Welten entführen zu lassen. An diesem Mittwochabend gehen wir mit meinem Vater ins Residenztheater in „Ödipus“‘.
Donnerstag: Junge Theaterszene

Heute geht es weiter mit Theater: Das Theaterfestival „Radikal jung“ findet statt, und wir schauen uns im Volkstheater „Der Idiot“ von Milena Michalek nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski und einem Text von Clara Kroneck (Regie: Milena Michalek) mit anschließendem Publikumsgespräch an. Es ist immer spannend zu sehen, was dort passiert, die junge Generation bekommt eine Plattform. Das Festival begleitet die Münchner Theaterszene schon seit vielen Jahren und zeigt Arbeiten von jungen Regisseurinnen und Regisseuren aus dem deutschsprachigen Raum.
Freitag: Ausgehen oder Fernsehkrimi

Am Freitag geht es auf die Auer Dult. Das ist bei uns in der Familie fast Tradition. Schon unsere Großmutter ist als Kind auf den Fahrgeschäften gefahren, unsere Eltern und auch wir, und jetzt unsere Kinder. Nichts ist schöner als ein tiefblauer Himmel über München, ein erster Frühlingshauch in der Luft, gemischt mit Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Später fahren wir zum Pineapple Park in der alten Paketposthalle.
Während mein Sohn Basketball spielt, gehe ich mit meiner Tochter über den Flohmarkt. Musik und Essen gibt es dort auch immer – sogar Comedy und Clowns. Ich liebe diesen Ort. Am Abend wollen wir in die Bar „89 Anju“, koreanisch essen. Meine Kinder lieben den Laden. Mit seinen blinkenden Leuchtreklamen und den K-Pop-Referenzen lässt er das Flair von Seoul erahnen. Traditionelle und supermoderne koreanische Küche – was will man mehr? Freitag ist aber immer ein bisschen unterschiedlich. Manchmal besucht man Freunde oder bleibt einfach zu Hause. Im Fernsehen läuft wie immer freitags um 20.15 Uhr eine Folge von „Der Alte“ im ZDF, das gehört dann natürlich dazu (alle neue Folgen sind auch in der ZDF-Mediathek zu sehen).
Samstag: Treiben lassen durchs Uni-Viertel

Das Wochenende beginne ich gern im Café Dompierre – französisches Gebäck und perfekter Kaffee, ganz unkompliziert. Dann lasse ich mich durch das Univiertel treiben. Hier mischt sich das Studentenleben mit dem alten München und der Business-Welt. Ich liebe es, hier herumzuschlendern. Besonders gern gehe ich in den „Secondhandladen Fräulein Spitzbarth“. Dort findet man immer schöne Dinge, die schon ein Leben hinter sich haben. Später auf ein Lunch in die „Bar Uno“, bevor mich mein Weg weiter in die Behncke-Gallery führt. Ich lasse mir Arbeiten von meiner Lieblingskünstlerin (und Schwester) Amélie Esterházy zeigen. Dort läuft gerade die Ausstellung der nigerianisch/amerikanischen Künstlerin Nenna Okore, die mir auch sehr gefällt.
Sonntag: Grüne Oase in der Stadt

Jetzt im Frühling ist der Botanische Garten eine tolle Adresse. Die Gewächshäuser sind prachtvoll, und jedes entführt einen in eine andere klimatische Welt. Besonders das Farnhaus mit seinen Farnen und Moosen liebe ich. Wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Als meine Kinder noch klein waren, haben sie dort nach Dinos gesucht (wenn auch nur nach kleinen), weil man wirklich das Gefühl bekommen kann, in der Zeit zu reisen. Jedes Haus hat seine ganz eigene Stimmung, seine eigene Temperatur, wie kleine Welten für sich. Man vergisst schnell, dass man eigentlich mitten in der Stadt ist. Für mich ist das wie ein kleiner Urlaub, ohne irgendwohin fahren zu müssen. Alternativ tut es aber auch der Englische Garten, und wenn das Wetter mal nicht mitspielt, machen wir einen Abstecher ins Haus der Kunst, wo gerade die großartige Ausstellung „Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968“ zu sehen ist. Danach noch auf einen Drink oder Kuchen (für die Kinder) in die Goldene Bar – so sieht ein perfekter Sonntag aus.

Annika Blendl, geboren in Regensburg, lebt in München und arbeitet als Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin. Neben zahlreichen Rollen in Film‐ und Fernsehproduktionen wie „Das Quartett“ oder „Kommissar Dupin“ hat sie sich auch hinter der Kamera einen Namen gemacht. Gemeinsam mit Leonie Stade realisierte sie den vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm „All I Never Wanted“ und war zuletzt als Regisseurin für die Netflix-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ mitverantwortlich, die das Leben von Bill und Tom Kaulitz begleitet. Seit einiger Zeit ist sie als Richterin Eva Reinhardt und Freundin von Hauptkommissar Caspar Bergmann auch in der Münchner ZDF-Krimireihe „Der Alte“ zu sehen, aktuell in der 50. Staffel.

