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Krisenmanager Söder:Starkes Handeln - und Inkonsequenz

Wenn Gesundheitsschutz die Maxime ist, dann bitte auch beim Autobahn-Tempolimit

"Ein Mann für jede Rolle" vom 19. März und Leserbriefe "Viel Anerkennung für Markus Söder, aber auch kritische Hinweise" vom 26. März:

Söder schafft Vertrauen

Ich muss es loswerden: Eine große positive Überraschung in diesem tragischen Geschehen bietet für mich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Seine mit großer Eloquenz vorgetragenen Reden haben eine Überzeugungskraft, wie ich sie bei Politikern noch selten erlebt habe. Eine solche Persönlichkeit an der Spitze schafft beim Bürger Vertrauen und macht ihm Mut. Vor allem aber wird es für ihn eine Selbstverständlichkeit, den notwendigen Anordnungen Folge zu leisten. Anne Vester, München

Fähiger Krisenmanager

Söder kommt rüber als Macher. Er gibt sich als kompromissloser Krisenmanager. Als harter Hund. Lässt sich als Regierungschef des Freistaats Bayern nicht auf bundesweit vorgegebene einheitliche Maßnahmen gegen das Virus ein. Bestimmt selbstbewusst, was für Bayern, seine Landsleute gut ist. Basta. Das beeindruckt die Mehrheit der Wähler. Und er weiß das zu nutzen. Wie sonst ist zu erklären, dass die CSU derzeit in der Wählergunst wieder an die 40 Prozent Zustimmung bekommt? Laschet mag als rheinische Frohnatur und Teamplayer, als Mensch sympathischer wirken. Auch mag er es sein. Als Kanzler braucht es aber klare Führungskraft. Schnelle Entscheidungen. Auch einsame. Diese Eigenschaften schreibe ich dem Machtmenschen Söder eher zu. So sehe ich ihn zum Kanzlerkandidaten der Christdemokraten eher geeignet. Harald Dupont, Ettringen

Schutz auch, wo's weh tut

Man kann Ministerpräsident Söder für sein Corona-Krisenmanagement loben. Wurden zunächst erschreckend weitgehende Einsperrszenarien diskutiert, so sind die tatsächlich eingeführten Schutzmaßnahmen gut überlegt, variabel und verhältnismäßig. Aber der angesichts der Toten rasch zupackend handelnde Söder ist auch gleichzeitig Vorsitzender der CSU, die sich trotz mehr als 3200 Verkehrstoter und noch viel mehr Verletzter pro Jahr vehement gegen ein Tempolimit von 130 km/h wendet. Bei einer vorübergehenden Viren-Krise werden weitgehende Schutzmaßnahmen verordnet, die jährlich Tausende Verkehrstote und noch weit mehr Verletzte sollen aber wie seit Jahren zum Wohl der Autoindustrie und ihrer Shareholder weiter untätig hingenommen werden. Sogar ein wenig einschneidendes Limit von 130 lehnt die CSU ab. Das ist ein grober Widerspruch zum Handeln in der Corona- Krise. Gesundheitsschutz ist aber eine Daueraufgabe, selbst wenn es der staatlich verhätschelten Auto-Industrie etwas weh tut. Dr. Ludwig Kippes , Puchheim

© SZ vom 01.04.2020
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