Krimipfarrer Felix Leibrock Das Schreiben ist keine Arbeit

Vielleicht ist Felix Leibrock ein Getriebener, einer, der aus seinem Leben rauspressen will, was geht. Für sich. Aber auch für andere. Er sagt, dass er mit seinen Büchern Bildung vermitteln wolle.

Im Jahr 2000 fing er an, Bücher zu schreiben, es wurden in den folgenden Jahren: religiöse Geschichten zur Nacht, Luther-Romane, ein Libretto für ein Musical, ein autobiografisches Buch über seine Studienzeit und auch schon mal ein Krimi, der bei einem kleinen Verlag erschien. "Aber man kommt mit kleinen Verlagen schwer voran", sagt Leibrock. Es freut ihn, dass "Todesblau" nun bei einem großen Verlag erschien, bei Droemer Knaur.

Zu Hause in einer fiktiven Welt

Leibrock hat einen Fulltime-Job beim Bildungswerk. Wie geht das mit dem Krimi-Schreiben überhaupt? Rein zeitlich. "Ich schreibe im Block", sagt Leibrock, das heißt: Der Urlaub geht dafür drauf. Aber das macht nichts. "Es ist Spaß und Entspannung, keine Arbeit", sagt Leibrock, "und das Schöne ist, wie man eintaucht in diese andere, fiktive Welt." Eine Welt, die man als Autor selbst erschaffen kann und in der man eine Zeit lang zu Hause ist. "Da hat man Glücksmomente, wie andere bei Hobbys", sagt Leibrock. Ist es das Glück, die Zeit zu vergessen? Ist es so, wie man es als Kind erlebte: Wenn man nach dem Mittagessen auf den Fußballplatz ging und kickte und die Zeit verrann, ohne dass man es merkte, und schon war es 18 Uhr und die Mutter rief "Abendessen ist fertig"? Leibrock nickt. "Genau so ist es", sagt er.

Bleibt die Frage, warum er jetzt ausgerechnet Krimis schreibt. "Ich habe als Pfarrer eine Grundeinstellung zum Thema Gewalt", sagt Leibrock, "ich glaube, der Mensch ist per se nicht gewalttätig." Er, Leibrock, halte Freuds These vom Aggressionstrieb für widerlegt. Es gebe vielmehr Ursachen, weshalb der Mensch gewalttätig werde: Demütigung, Ausgrenzung, Provokation, Gier. Für einen Krimiautor sei es spannend zu ergründen, was einen Täter zum Täter mache. In seinem Buch "Todesblau" ist es Gier: die Gier nach einem wertvollen Gemälde.

Im Frühjahr soll sein zweiter Weimar-Krimi erscheinen, mit den gleichen Ermittlern Sascha Woltmann und Mandy Hoppe. In Leibrocks alter Gemeinde werden sie schon darauf warten. Die Thüringer Allgemeine druckte neulich eine "Bestseller-Liste" des Buchladens in Apolda ab: Dort stand "Todesblau" vor "Herbstblond", der Autobiografie von Thomas Gottschalk.

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