Kriminalität:Vergewaltigungen, ausländische Tatverdächtige und die Lage am Hauptbahnhof

Sexualstraftaten

1191 Mal wurde im vergangenen Jahr in München eine Frau sexuell belästigt, begrapscht, genötigt oder vergewaltigt. Das sieht zunächst nach einem deutlichen Anstieg aus, im Vorjahr erfasste die Polizei noch 882 Sexualdelikte. Allerdings hat sich die Rechtslage seitdem geändert. Vergewaltigungen können inzwischen auch dann als solche gewertet werden, wenn der Täter keine Gewalt anwendet. Andere Taten, wie zum Beispiel das Grapschen, wurden früher unter "sonstige Straftaten" eingeordnet. Gälte heute noch das alte Recht, würde man bei Vergewaltigungen einen Rückgang verzeichnen, erklärt Andrä.

Hauptbahnhof

7259 Straftaten wurden im Umfeld des Hauptbahnhofs erfasst, 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Im inneren Bereich des Bahnhofs gingen die Fälle um 17 Prozent auf 3370 Delikte zurück. Jedoch komme es bei den Drogenabhängigen zu einem Verdrängungseffekt: Weil im Innern und im Norden intensiv kontrolliert wurde, wichen viele in den südlichen Bereich aus. Den Rückgang insgesamt erklärt Andrä mit nahezu täglich stattfindenden Schwerpunktkontrollen, die man auch künftig weiter durchführen werde. "Das", sagt Andrä, "ist ein Versprechen."

Politische Kriminalität

Im gesamten Jahr 2017 registrierte die Polizei nur eine einzige Straftat gegen Flüchtlinge: Der Täter hatte in einer Asylbewerberunterkunft eine Überschwemmung herbeigeführt. Die Anzahl der rechts motivierten Straftaten nahm indes zu, sie stieg um 22 Delikte auf 459 Verbrechen. Meist blieb es bei Schmierereien und Beleidigungen, 29 Mal wandte ein Täter Gewalt an. Die Zahl der links motivierten Verbrechen sank im gleichen Zeitraum um fast 21 Prozent auf 417 Fälle, 25 davon waren Gewalttaten.

Straftaten, die sich gegen die fortschreitende Gentrifizierung der Stadt richten, nahmen zu. Zehnmal wurden Büros von Immobilienfirmen beschädigt, Fenster eingeworfen und Fassaden beschmiert. Dreimal gingen Firmenfahrzeuge nach einer Brandstiftung in Flammen auf. Außerdem kam es zu zehn angeblichen Hausbesetzungen, wobei die selbsternannten Besetzer jedes Mal schon verschwunden waren, als die Polizei eintraf.

Spätestens seitdem in Georgensgmünd ein sogenannter Reichsbürger einen Polizisten erschoss, haben auch die Münchner Ermittler die krude Bewegung im Blick. Eine eigens dafür geschaffene Arbeitsgruppe prüfte 2017 insgesamt 594 Fälle, ein Anstieg um gewaltige 117 Prozent. Bislang wurden 332 dieser Personen tatsächlich den "Reichsbürgern" zugeordnet.

Kriminalität durch Ausländer

Mit einem Anteil von gut 28 Prozent hat München einen der höchsten Ausländeranteile in Deutschland, zugleich gilt die Stadt als eine der sichersten in Europa. Allerdings stellen nichtdeutsche Staatsangehörige knapp 48 Prozent aller Tatverdächtigen und sind damit in der Verbrechensstatistik überrepräsentiert. Knapp elf Prozent der Beschuldigten waren Zuwanderer, also Asylbewerber und Flüchtlinge.

Bei den meisten Straftaten durch Zuwanderer handelt es sich laut Polizei um Schwarzfahrten und Drogenmissbrauch oder um Körperverletzung, wobei hier meist auch die Opfer Flüchtlinge sind. Zuwanderer seien bei einigen Delikten "zweifelsfrei überproportional vertreten", sagt Polizeipräsident Andrä. Man dürfe jedoch nicht einfach nur die nackten Zahlen gegenüberstellen, sondern müsse berücksichtigen, dass unter den Geflüchteten überdurchschnittlich viele junge Männer seien, die unter schwierigen Bedingungen eng zusammenleben.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB