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Kreativer Austauch:Ein Heft zum Austoben

Eine Gruppe kreativer Münchner hat das "Opp Magazin" gegründet. Pro Ausgabe sollen 28 Künstler bekommen, was sie im Beruf selten haben: ein weißes Blatt Papier und keine Vorgaben

Von Michael Bremmer

"Es ist ja gerade der Austausch mit anderen, der einen weiterbringt", sagt Michael Weniger (rechts). Gemeinsam mit Lena Gerbert, Norbert Sütö und Antonia Schwaiger (von links) wählt er die Künstler aus.

(Foto: Opp Magazin)

Vor einem Jahr hatte Michael Weniger, 32, keine Lust mehr, unsichtbar zu bleiben. Weniger ist Fotograf. Gemeinsam mit dem Stylisten Norbert Sütö, 36, hatte er eine Fotostrecke produziert. Gedruckt wurde sie nicht. "Man steckt so viel Liebe, so viel Herzblut in ein Projekt, und dann entscheiden andere, ob eine Fotoreihe erscheint oder nicht", sagt Weniger. Der Fotograf weiß, dass es für viele Menschen in der Kreativbranche schwierig ist, aufzufallen. Er weiß auch, dass es in den Redaktionen der Magazine viele Zwänge gibt. Aus diesem Grund wollen Weniger und Sütö im Herbst ein eigene Plattform für Kreative schaffen. 28 unterschiedliche Künstler werden in der ersten Ausgabe des Opp Magazins präsentiert, Künstler, Fotografinnen, Designerinnen, aber auch ein Tattoo Artist wird dabei sein, ein Regisseur, ein Musiker.

Weniger will Berührungspunkte entwickeln, den Austausch fördern: "Was passiert, wenn ein Philosoph, ein Modedesigner, ein Maler und ein Architekt in einem Magazin aufeinander treffen?" Gerade läuft das Crowdfunding für das Opp Magazin, zum Team gehören auch die Artdirektorin Antonia Schwaiger und die Grafikdesignerin Lena Gerbert.

"Die Idee zu einem eigenen Magazin kam dadurch, dass Magazine zwar gerne frei produzierte Strecken annehmen, diese jedoch weitestgehend nicht vergüten", erklärt Weniger. "Da wir diese somit auf eigene Kosten produzieren, möchten wir uns zumindest die Freiheit erlauben, diese ohne Vorgaben der zu verwendenden Brands umzusetzen. Dies hat jedoch zur Folge, dass bei weniger prätentiösen Labels eine Veröffentlichung schwierig wird."

Michael Weniger, Kurzhaarschnitt und markanter Schnauzer, arbeitet als Autodidakt für Modefirmen und Magazine. Aufgewachsen ist er in Berlin. Mit 15 hatte er die Schule abgebrochen und als Set-Stylist für Theater- und Filmproduktionen gearbeitet. Er zog nach München, um dort Innenarchitektur zu studieren. Er änderte allerdings schnell seine Pläne und wechselte in die Fotografie.

Für ihn ein toller Beruf, aber er merkte auch: Es gibt so viele Projekte, dass viele Arbeiten nach der Veröffentlichung sehr schnell "verpuffen", wie er sagt. Und somit auch nicht lange sichtbar bleiben. Auch diese Situation versuchen sie mit dem Opp Magazin zu verändern.

Die erste Idee war klar: keine Vorgaben, keine Regularien. Alle 28 Künstler bekommen ein weißes Blatt Papier - "das ist etwas, was sich jeder Kreative wünscht und nie bekommt", sagt Weniger.

Aber wie wollen sie verhindern, dass ihr Projekt nicht auch verschwindet in der Vielzahl der Magazine, die aktuell erscheinen, Print wie digital? Das Magazin wird, so der Plan, gleichzeitig auch eine Ausstellung sein. Ein Wochenende lang dürfen sich die Künstlerinnen und Künstler präsentieren. Es soll Workshops geben, moderierte Gespräche - und nach der Ausstellung sollen die entstandenen Plakate in ausgewählten Bars und Läden aufgehängt werden. "Wir wollen es so lange zeigen, wie es geht", sagt Weniger.

Seine Motivation: "Wir glauben fest daran, dass man alte und erlernte Strukturen aufbrechen muss und es in Zukunft nur noch miteinander statt gegeneinander geht", sagt Weniger. "Natürlich könnten wir nur auf uns schauen, aber es ist ja gerade der Austausch mit anderen, der einen weiterbringt." Und wenn es nur das Netzwerk ist, das erweitert wird.

Bei der ersten Ausgabe haben Antonia Schwaiger, Lena Gerbert, Norbert Sütö und Michael Weniger in ihrem eigenen Bekanntenkreis nach Künstlern gesucht. Aber später wollen sie sich "nicht nur in der eigenen Bubble bewegen", sagt Weniger.

© SZ vom 16.06.2021
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