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Kreativ in der Krise:Mit Mikro zum Pinguin

Beim Hellabrunn-Podcast "MiaSanTier" sollen selbstverständlich auch die Tiere gehört werden.

(Foto: Hellabrunn)

Geschlossener Tierpark bietet Podcast und Live-Stream an

Wenn Tierparkdirektor Rasem Baban seinen täglichen Rundgang durch den Zoo macht, blicken ihn derzeit viele Tiere aufmerksam an. "Ach, da ist ja doch noch ein Mensch!", scheinen sie sich zu denken, erzählt Baban und lacht. Die Zoobewohner haben sich an die Besucher gewöhnt. Doch seit dem 17. März kommt kaum noch jemand an ihren Gehegen vorbei. Vorerst bis zum 20. April bleibt der Tierpark Hellabrunn geschlossen.

"Die Münchner, die sonst regelmäßig in den Tierpark kommen, möchten jetzt wissen, wie es den Tieren geht. So ist das Projekt ,Hellabrunn für Zuhause' entstanden, für das wir mehr Bild- und Videomaterial ins Netz stellen als üblich", berichtet Baban. Noch etwas statisch wirkt der Live-Stream aus den Gehegen der Elefanten und Flamingos. Dem analogen Tierparkbesuch etwas näher kommen die Videos auf der Instagram-Seite des Zoos. Dort watscheln die Kanadagänse die Besucherpfade entlang, Gorilla Tano streckt die Zunge in die Kamera und ein Mitarbeiter zeigt, was nicht aus dem Home-Office möglich ist: die Fütterung der Löwenmännchen Max und Benny. Die Follower in dem sozialen Netzwerk können auch selbst aktiv werden: In einem Quiz gilt es zu erkennen, welche Zebraart gerade vor die Linse trabt. Außerdem rief der Tierpark am Montag zu einem Malwettbewerb auf. Die Kinder sollen zeichnen, wie die Tiere wohl ihren Tag verbringen.

Bereits vor der Coronakrise überlegte die Abteilung für Unternehmenskommunikation, wie der Tierpark Hellabrunn mehr junge Leute erreichen könne, erklärt Baban. "Spannende Geschichten haben wir immer zu erzählen und Podcasts sind ja gerade besonders beliebt." Im Januar nahm man in Hellabrunn den ersten "MiaSanTier"-Podcast auf. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Episode. Man überlege aber, die Abstände zu verkürzen, wenn die Nachfrage während der Ausgangsbeschränkungen in Bayern weiter steigt. Die Audiodateien hätten einen starken Live-Charakter und hohe Authentizität, da die Gespräche direkt neben den Tieren stattfänden. Da heult auch mal der Seelöwe im Hintergrund.

Ob Seelöwe oder Tiger, gepflegt werden müssen alle Tiere auch in Krisenzeiten, sagt Baban. Um jederzeit genügend gesunde Pfleger vor Ort zu haben, fährt der Zoo während der Schließung ein Zwei-Schicht-System. Alle vier bis fünf Tage wechseln sich die Mitarbeitergruppen ab. Das reduziere das Ansteckungsrisiko. Eine weitere organisatorische Herausforderung stellt im Tierpark laut dem Direktor der Einkauf von Nahrungsmitteln dar. "Gerade bei Obst und Gemüse merken wir, dass es Engpässe in der Versorgung gibt. Die Früchte aus Italien, Spanien und Frankreich sind deutlich teurer als sonst." Deshalb versuche man, mit dem Futter besser zu haushalten. Zudem könne so ein Wildtier auch magere Zeiten leicht überstehen. "Gut versorgt werden in Hellabrunn auch während der Corona-Krise alle Tiere. Wer früher drei Bananen bekommen hat, bekommt nun eben zwei Bananen." Tierparkdirektor Baban meint, dass nicht nur die Menschen den Anblick der Tiere vermissen. "Auch die Tiere freuen sich, bald wieder mehr Besucher zu sehen."

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© SZ vom 31.03.2020
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