bedeckt München 23°

Kreativ in der Krise:Ein Zusammenhalt, der begeistert

Die Baywa-Stiftung verteilt die ganze Woche über an Feuerwehrleute, Notärzte und andere Rettungskräfte kostenlose Verpflegung - als Dank für die geleistete Hilfe

Von Sven Loerzer

Die meisten Mitarbeiter, die sonst in der Unternehmenszentrale der Baywa an der Arabellastraße arbeiten, sind längst im Home-Office. Bei den wenigen Menschen, die noch in das Hochhaus kommen, misst der Pförtner die Körpertemperatur, bevor er den Zutritt freigibt. Die Schulen, in denen sonst die Baywa-Stiftung Bildungsprojekte für gesunde Ernährung veranstaltet, sind schon weit vor den Ferien geschlossen worden. "Die Rettungskräfte müssen jeden Tag raus", sagt Maria Thon, Geschäftsführerin der Baywa-Stiftung, genauso wie die Feuerwehrleute, Notärzte und andere Einsatzkräfte. Etwas für sie zu tun, zum Dank für ihren Einsatz, da musste Maria Thon nicht lange überlegen, zumal auch der Caterer Genusszeit wegen Home-Office der Baywa-Mitarbeiter nicht ausgelastet war: Seit dem 26. März erhalten Münchner Einsatzkräfte in der Arabellastraße 4 an sieben Tagen der Woche zwischen 9 und 19 Uhr kostenlose, kalte und warme Verpflegung, Snacks und Getränke. Im Schnitt sind es rund 300 frisch gekochte Mahlzeiten pro Tag, die dort ausgegeben werden.

Nur drei Tage brauchte Maria Thon, um den Plan zu realisieren. Beim Vorstandsvorsitzenden der Baywa AG und der Stiftung rannte sie offene Türen ein: "Diese schwierigen Zeiten sind eine Herausforderung für das ganze Land", sagt Klaus Josef Lutz. "Ganz besonders aber auch für diejenigen, die sich rund um die Uhr für das Wohlergehen ihrer Mitmenschen einsetzen."

Und Maria Thon erklärt: "Mit dieser Aktion wollen wir dafür sorgen, dass unsere Krisenhelden gut und kostenlos versorgt sind. Es ist enorm, was sie leisten müssen."

Das Corona-Test-Team von der Theresienwiese versorgt sich in der Baywa-Zentrale mit Essen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ein Transparent, dass stilgerecht zwischen zwei Traktoren gespannt ist, weist auf die Zufahrt zum Drive-in für die Einsatzkräfte hin. Sie führt eigentlich zur Warenannahme auf den Hof hinter dem Hochhaus. Daneben können die Bestellungen an einem Fenster, das zum Küchenbereich gehört, aufgegeben werden. Die Mahlzeit wird dann vor die Tür gestellt.

Die beiden Rettungssanitäter Julia Behrer und Johannes Toennessen vom Malteser Hilfsdienst haben sich gerade versorgt. Sie sind an diesem Tag mit dem Krankentransportwagen unterwegs, für geplante Verlegungen von Patienten. Vor einem Transport werden immer die Covid-19-Symptome abgefragt, Schutzkittel, Handschuhe, Mund- und Nasenschutz liegen bereit. Jetzt machen die beiden eine halbe Stunde Mittagspause, Toennessen hat sich den veganen Kartoffel-Erbsen-Eintopf geben lassen, Julia Behrer Ratatouille mit Gemüsefüllung auf Tomatensoße. Vor der Corona-Krise haben die beiden öfter im Krankenhaus gegessen, aber in diesen Zeiten ist der Drive-in sicherer, sagt Behrer.

Das Angebot habe sich sehr schnell rumgesprochen, die beiden von der Rettungswache Berg am Laim kommen regelmäßig dort vorbei. Wenig später macht der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst einen kurzen Zwischenstopp, dann kommt das "Corona-Team" der Aicher Ambulanz von der Drive-in-Teststation auf der Theresienwiese und eine Mitarbeiterin der Ambulanten Pflege der Caritas. Auch das Personal der Supermärkte in der Umgebung wird mitverpflegt. Und der Caterer macht sogar am Wochenende mit.

Am Drive-in der Baywa-Zentrale holen sich die Rettungssanitäter Johannes Toennessen und Julia Behrer eine kostenlose Mahlzeit. Die Aktion hat die Geschäftsführerin der Baywa-Stiftung, Maria Thon (links), organisiert.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Aktion ist vorerst befristet bis zum 20. April, kann aber bei Fortdauer der Ausgangsbeschränkungen verlängert werden.

Inzwischen versorgen Baywa-Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit den Nachbarschaftshilfen in der Au und im Münchner Osten ehrenamtlich rund 100 bedürftige Senioren. Dreimal pro Woche sind sie mit dem Fahrrad oder mit einem Elektroauto von der Baywa unterwegs, um alten Menschen eine Mahlzeit zu liefern. "Gesunde Ernährung stärkt das Immunsystem", sagt Maria Thon. Unterstützt werden auch Obdachloseneinrichtungen mit Obst und Semmeln. Andere Unternehmen machen mit, so spende eine Rösterei Kaffee für die Aktion. "Bei all dem Leid durch Corona begeistert einen doch der Zusammenhalt, der da entsteht."

Kreativ in der Krise: Die SZ stellt jeden Tag eine neue Idee vor, die das Leben in Corona-Zeiten erleichtern soll.

© SZ vom 16.04.2020
Zur SZ-Startseite