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Wiesn-Zelt "Goldener Hahn":Münchner Chickeria

Hübsch drapiert und schmackhaft: Der "Goggolo-Spieß" im Goldenen Hahn hat was für sich. Auch der Service ist freundlich im neuen Zelt.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der "Goldene Hahn" hat "Poschner's Hühner- und Entenbraterei" von der Wiesn verdrängt. Wie schmeckt es im neuen Zelt?

Von Pep Rooney

Wer neu auf dem Oktoberfest ist, versucht natürlich irgendwie aufzufallen. Ob es nun spektakuläre Fahrgeschäfte sind wie die neue, kräftig grün leuchtende Riesenschaukel "Konga", ein neuer Wurststand namens "Gaumenschmaus", der einen "Weißwurstleberkäs" im Angebot hat, der sogar ganz nett schmeckt, oder das neue kleine Zelt von Josef Able, der "Goldene Hahn", der sich vom Namen her nobler gibt als sein Vorgänger am selben Standplatz: "Poschner's Hühner- und Entenbraterei".

Die hat bekanntlich bei der Bewerbung für das Oktoberfest 2015 den Kürzeren gezogen und klagt nun dagegen. Aber was ist nun von einem Zelt zu erwarten, das einem alteingesessenen Betrieb vorgezogen wurde? Wird es die Gäste durch ein tolles Ambiente überzeugen? Durch ein herausragendes Essen und guten Service? Oder sogar durch günstige Preise?

Okay, Letzteres war jetzt eher ein Witz. Schließlich handelt es sich um das Oktoberfest - mehr muss man wohl nicht zum Thema Preise sagen. Also das Ambiente: Wer auf einen leicht überzogenen Almhütten-Look mit Vorhängen, Kisserl auf den Bänken und Geweihen an der Decke steht, wird hier wohl glücklich werden. Wer erinnert sich nicht gerne an das Gefühl, nach anstrengendem Aufstieg endlich in eine Hütte einzukehren, endlich eine gescheite Mahlzeit und ein Bier zu sich zu nehmen! Da oben auf dem Berg schmeckt einem selbst ein eher durchschnittliches Essen. Auf dem Oktoberfest tritt dieser Effekt leider nicht von selbst ein - Hüttenoptik hin oder her.

Denn selbst mit viel gutem Willen wollte sich zum Beispiel bei der Hühnerbrühe mit Pfannkuchen- und Gemüsestreifen (5,50 Euro) kein rechter Genuss einstellen. Hatte die dunkle Farbe der Brühe noch Würze suggeriert, schmeckte sie eigenartig fad, da half auch der viele Schnittlauch nicht, der dem Ganzen sein herbes Aroma aufdrückte. Auch der Obatzde (8,50), der mit Radieserl serviert wurde, war nicht gerade mutig gewürzt, immerhin war die Wiesnbrezn (4,50) schön frisch.

Wollte die Vorspeise lieber ein Dessert sein?

Wie der Name des Zeltes schon verspricht, ist die Speisekarte auf Geflügel ausgerichtet. Da gibt es zum Beispiel die "Geflügellebermousse im Baumkuchenmantel an Wildkräutersalat mit frischen Beeren" für 10,20 Euro. Das Problem dieser Vorspeise war, dass sie sich nicht recht entscheiden konnte, ob sie angesichts ihrer Süße nicht doch lieber ein Dessert geworden wäre.

Dann der "Chickeria Teller": Der war nichts anderes als ein Burger mit Hähnchenstückchen und Pilzen, dazu ein paar Tomaten, Lauchzwiebeln und Wildkräutersalat. Der "hausgemachte Dip" schmeckte auch nicht recht viel anders als ein normales Ketchup. Und dass das Ganze mit einem Spiegelei samt geschmacksarmen Sommertrüffeln serviert war, wertete es nicht unbedingt auf. Denn ein aufgeklappter Burger ist mit Besteck nur umständlich zu essen. Hätte man ihn zusammengeklappt und mit der Hand verspeist - wer weiß, was für eine Sauerei das gegeben hätte. Schlecht schmeckte der Chickeria-Teller nicht. Aber 19,80 Euro (ohne getrüffeltes Ei "nur" 16,80) ist mehr als ein stolzer Preis für ein Sandwich, auch wenn es als "Teller" angepriesen wird.

Der "Goggolo-Spieß" für 16,80 Euro (woher auch immer dieser Name rührt) aus mariniertem Geflügelfleisch indes kam gut an. Das Fleisch war fest und saftig, die Würze machte Lust auf mehr. Aber welches Geflügel das nun war, konnte weder die Runde der Gäste genau sagen, noch der Kellner. Nur die englische Übersetzung auf der Speisekarte ("chicken paprika scewer") sagte aus, dass der Spieß aus Hähnchenfleisch war, die Runde hätte auf Pute getippt.

Aber Achtung, jetzt ein bisschen Bildungshuberei: Vielleicht war's ja auch ein Übersetzungsfehler, wie Bratspieß ja eigentlich auch skewer heißt, mit "k". Sehr erfreulich war die dazu gereichte Bio-Ofenkartoffel mit Sauercreme. Und die Ente (das Viertel für 19,80 Euro) überzeugte durch und durch. Die Haut schön resch gebraten, das Fleisch innen schön saftig, Knödel und das dezent zimtige Blaukraut hatten die richtige Konsistenz, nicht zu hart, nicht zu weich. Unverständlich dagegen war, dass die extra bestellte Portion Blaukraut wie schon die Suppe mit viel Schnittlauch gewürzt war. Das verdarb den feinen Geschmack deutlich.

Festzelt Goldener Hahn

Qualität: ●●●●●●○○○○

Service: ●●●●●●○○○○

Ambiente: ●●●●●○○○○○

Preis/Leistung: ●●●●●●○○○○

Wirtsbudenstraße (neben Hacker-Zelt)

Telefon: 089 - 94 92 84 67

www.ables-goldener-hahn.de Öffnungszeiten

Mo.-Fr. 10 Uhr bis 23.30 Uhr

Sa und So. 9 Uhr bis 23.30 Uhr

Frühstück täglich bis 12 Uhr

Vorsicht, Momentaufnahme

Weil eine Kostprobe immer eine Momentaufnahme ist, muss man jetzt vorsichtig mit dem halben Wiesn-Hendl (10,80) sein. Das war so trocken, als wäre es nicht geschlachtet worden, sondern an Durst gestorben. So etwas haben die Testesser auf der Wiesn noch nicht erlebt, weshalb wir einfach mal wohlwollend davon ausgehen, dass es ein Missgeschick und somit eine Ausnahme war.

Immerhin war der Service superfreundlich und sehr bemüht, hatte aber Probleme mit dem elektronischen Bestellsystem, das im Übrigen keine Sonderwünsche zulässt. Der Kellner musste nach ein wenig Wartezeit an den Tisch kommen, um sich noch mal der Bestellungen zu vergewissern. Insgesamt dauerte es knapp 45 Minuten, bis das Essen auf dem Tisch stand.

Sei's drum, Anlaufschwierigkeiten gibt es immer mal: Zum Schluss versöhnte dann der fluffige Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster und Apfelmus, den man für mindestens zwei Personen bestellen muss. Die Portion war ausreichend, trotzdem war die Mehlspeis mit 8,80 pro Kopf recht kostspielig. Aber es hilft ja nix: Wer auf der Wiesn essen geht, muss sich das halt leisten wollen.

© SZ vom 24.09.2015/infu/tba

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