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Breitbrunn:Der "Seestern" ist ein prächtiges Wirtshaus

Das Ambiente im Wirtshaus Seestern vereint Tradition und Moderne.

(Foto: Arlet Ulfers)

Das Lokal in Breitbrunn am Ammersee serviert richtig gute bayerische Küche. Der Service besteht sogar den ultimativen Härtetest: den Umgang mit einer Kinderschar.

Von Karl-Heinz Peffekoven

Der Text ist leider veraltet, dieses Wirtshaus gibt es nicht mehr.

Wie sieht ein idealer Tag an einem bayerischen See aus, sagen wir: dem Ammersee? Man meide wochenends die Herrschinger Strandpromenade weiträumig, einen Parkplatz gäbe es ohnehin nicht. Die Warteschlange vor dem Dampfer ist apokalyptisch, und am Ufer kämpfen Radler, Spaziergänger, Hungrige und Reisebusbesatzungen erbittert um jeden freien Platz.

Besser, man begibt sich gleich nach Breitbrunn, nur ein paar Kilometer nördlich, wo es keinen Trubel gibt, sondern eine angenehme kleine Seewiese samt Kiosk, schattigen Bäumen und Ruderbootverleih, darüber ein hübsches Dorf. Dorthin sollte sich der Gast begeben, wenn er erfrischt ist vom Ruhen und Schwimmen und der frühe Abend naht, ein wenig zur alten Kirche schlendern (und zur neuen ebenfalls, die das Kunststück fertigbringt, zugleich von draußen klobig und doch innen sehr filigran zu wirken). Dann aber durch umwucherte Treppen wieder hinab ins Unterdorf, nicht dass am Ende noch alle Tische im Garten besetzt sind.

Vorab: Dieser geht zur Straße hinaus und nicht zum See, der von hier noch ein paar Fußminuten fort ist. Wäre das dazugehörige Wirtshaus nicht ein solch ehrwürdiger Platzhirsch, könnte man fast von einer leicht versteckten Lage sprechen. "Platzhirsch" hieß auch das Vorgängerlokal, nun trägt es, nach langem betrüblichen Leerstand, den feinsinnigeren Namen "Seestern". Auch den Charakter hat es deutlich geändert. Peffekoven, der jederzeit und nicht immer zur Freude seiner Mitmenschen bereit ist, wortreich das Verschwinden des Guten, Alten, Traditionsstolzen zu beklagen, ist über den Wandel hoch erfreut. Es geht also auch anders.

Viele der Zutaten stammen aus der Region.

(Foto: Arlet Ulfers)

Die neue Wirtin Alexandra Hlavacek hat ihr segensreiches Wirken im Sommer 2015 aufgenommen und mit sorgfältiger Hand die Rückkehr zu einem prächtigen Dorfwirtshaus betrieben, das aber doch gelungene moderne Züge hat. Alt und neu vertragen sich erstaunlich gut. Hinter dem schattigen Biergarten mit Kies und Kastanien erhebt sich, in den Hang hineingefügt, ein szeniger Loungebereich, so hat der Gast die Wahl. Dasselbe innen: coole Bar, angenehmer Gastraum, dazu ein sorgsam restauriertes historisches Stüberl.

Der Seestern hat, bei aller Lässigkeit, einen erfreulich bodenständigen Wesenszug. Man kann dort Kinder-Halloween feiern oder Fußball schauen, und nun, während des Oktoberfestes, gibt es eine Wiesn-Mass plus Haxe oder Hendl für vergleichsweise bescheidene 12,90 Euro - merkt Euch das, Wiesn-Wirte! Anders als die Vorgänger orientiert sich die neue Küchencrew wieder stark an Bayerisch-Bewährtem, freilich auf etwas höherem Niveau, dem eigenen Anspruch nach mit österreichischem Einschlag. Der fiel bei den Testbesuchen zwar sehr dezent aus, aber das macht überhaupt nichts, man isst hier richtig gut zu annehmbaren Preisen.

Fleisch, Gemüse und Obst stammen meist aus der Region und sind sorgfältig ausgesucht, man schmeckt es. Das Rindergulasch (12,90 Euro) kam wunderbar saftig auf den Tisch, mit einer feinen, gerade richtigen Schärfe. Und das Jägerschnitzel (9,80) mag anderswo auf der Liste der bedrohten Speisen stehen, hier gibt es reichlich davon, würzig und zart. Frisch und fein war die Forelle blau (15,90) und eine ehrliche Freude der Zwiebelrostbraten mit aromatischen, nicht zu sehr verbrutzelten Zwiebeln.

Der härteste Test für Servicekräfte: Eine Kinderschar

Die Runde war sich nicht einig, ob die Kässpatzen (8,90) nicht ein wenig arg schwer geraten waren. Zugunsten des Seesterns spricht, dass nur Peffekoven dieser Meinung war. Ungeachtet seiner Aufgabe als streng objektiver Testesser kann er dieses Gericht nicht leiden, egal wie und von wem bereitet. Lassen wir die Frage offen und wenden uns den Spare Ribs (mit Pommes 13,90) zu, von denen der jüngste Mitspeiser sagte, die gehörten wirklich zu den besten, die er je hatte. Und er muss es wissen.

Es gibt im Seestern auch eine nette Weinkarte. Positiv ist dabei zu vermerken, dass der schön trockene Weißburgunder in ordentlichen Vierteln gereicht wird statt wie vielerorts in 0,2-Gläsern. Es gibt überdies eine Reihe ausgezeichneter, auch regionaler Schnäpse wie den Pircher Williams.

Heimtückischerweise hatte Peffekoven wieder eine kleine Schar Kinder mitgebracht, die, wie es ihre Art ist, sogleich einige Sonderwünsche vorbrachten. Er hat schon manche Servicekraft erlebt, welche angesichts dieser Herausforderung ihr Was-kann-ich-für-Sie- tun-Lächeln rasch verlor. Die Bedienung im Seestern aber war durchweg kompetent, heiter und freundlich - und wo das so ist, da fühlt man sich rasch wohl.

© SZ vom 22.09.2016/bhi
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