Weichandhof:Die Heimat von Braten und Gesottenem

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Weichandhof: Viele Eier, feine Vanille und sündige Butter: der Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster.

Viele Eier, feine Vanille und sündige Butter: der Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Weichandhof in Obermenzing hat sich "gehobene Alpenküche" vorgenommen, kann aber auch vegane Burger gut.

Von Johanna N. Hummel

Hier irrt Goethe: Name ist nicht Schall und Rauch, schon gar nicht, wenn er zu einem Wirtshaus gehört. Der Name hängt sich im Kopf fest, selbst wenn man nicht weiß, woher er kommt. Warum, zum Beispiel, heißt in Obermenzing das Gasthaus am Betzenweg Weichandhof?

1935 hätten das in München viele gewusst. Das Volksschauspieler-Ehepaar Josephine und Philipp Weichand war ziemlich bekannt und es kaufte zu dieser Zeit einen Hof an der Würm, verwandelte ihn in eine Wirtschaft mit Bühne und nannte ihn werbewirksam nach sich selbst. Der ehrwürdige Hausname Samerhof verschwand nach bald vierhundert Jahren. Als Philipp Weichand wenig später starb, blieb seine Frau Wirtin. Ins Gasthaus kehrten auch Nazigrößen ein und nach dem Krieg Freunde von der Bayernpartei ihres Bruders August Geislhöringer, damals bayerischer Innenminister. Berühmt wurde der Weichandhof später durch Evi und Peter Hiebl, die Gäste kamen von weither, um Wild zu essen. Nach Peter Hiebls Tod 2010 wurde es still um das Haus.

Michael F. Schottenhamel und Peter Kinner, einst Münchens jüngster Sternekoch, wollten das ändern. Nach der Schwaige im Nymphenburger Schloss übernahmen die beiden 2017 den Weichandhof. Das denkmalgeschützte Haus, das urkundlich erstmals 1755 erwähnt wurde, ließen sie behutsam restaurieren, die breite Ostfassade schaut so aus wie auf den Postkarten von 1935. Der Weg zur Haustüre führt durch einen hübschen Biergarten mit einem zur Straße hin sicher eingezäunten Spielplatz, Eltern lieben das Restaurant schon deshalb. In der Gaststube wurde Behagliches betont, Balken und Wandvertäfelung sind aus dunklem Holz, ein paar Bilder hängen an den Wänden, alles ist in angenehmes Licht getaucht. Auch die Nebenräume wurden liebevoll ausstaffiert, im mächtigen gemauerten Kamin flackert eine winzige elektrische Flamme. Und die neckischen Sprüche in den Nischen wie "Für Ehemänner und andere Pechvögel" schluckten wir als tolerante Kostpröbler.

Weichandhof: Hier setzt man auf Behaglichkeit: die Gaststube des Weichandhofs.

Hier setzt man auf Behaglichkeit: die Gaststube des Weichandhofs.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Speisenkarte wechselt, von einigen aktuellen Angeboten abgesehen, mit den Jahreszeiten. Auf der Herbstkarte wurden einige Preise ein wenig in die Höhe geschraubt, was ja derzeit üblich ist. Gehobene Alpenküche wollen Kinner und sein Küchenchef Martin Lipfert servieren, und die Kürbissuppe, garniert mit säuerlichen Apfel-Chutney-Würfeln, schmeckte schön unverkünstelt (6,40). Perfekt geschmolzen war der Ziegenkäse, der mit Blattsalaten in Senf-Dressing auf den Tisch kam, appetitlich dekoriert mit Kürbisragout, Roter Bete und süßen Mini-Paprika. Er könnte auch als hübsche vegetarische Hauptspeise durchgehen (14,80). Nun ist der Weichandhof eher ein Tempel der gepflegten Sonntagsbraten-Lust. Fische tauchten am Rand auf, Veganes und Vegetarisches etwas häufiger. Und der vegane Burger war nicht zu verachten, die Semmel knusprig, gefüllt mit einem angenehm schmeckenden, leicht krümeligen Patty, vermutlich aus Erbsenfarce, mit milder BBQ-Sauce und herrlich scharfen Chili-Gurken (16,10).

Das Gebratene und Gesottene wird mächtig aufgetischt, wobei es eine Reihe von Gerichten auch als kleine Portion gibt. Bei einem Besuch schaute ein Kellner traurig auf den halbvollen Teller und meinte freundlich tadelnd: "Sie hätten halt keine Suppe essen sollen." Ja, die Kellner. Schnell waren sie, immer präsent, hilfsbereit und witzig, ohne aufdringlich zu sein. Kinder bevorzugten sie gnadenlos. Der Sechsjährige am Tisch wurde nach seinen ersten Schulerlebnissen gefragt, und sie schauten darauf, dass die Kinder nicht auf ihr Essen warten mussten. Sternewürdig war das.

Weichandhof: Das Schnitzel konnte nicht so recht überzeugen.

Das Schnitzel konnte nicht so recht überzeugen.

(Foto: Stephan Rumpf)

An Sternen für sein Essen ist Peter Kinner schon lange nicht mehr interessiert, zu stressig das Ganze. Seine Alpenküche baut auf Traditionen, weniger auf Experimente. Der zarte Schweinsbraten mit feinsäuerlichem Krautsalat hatte eine resche, gewachsene Kruste, die lockeren Knödel umgab reiner Bratensaft (15,30). Das saftige Backhuhn, umhüllt von einer knusprigen, würzigen Panade, könnte in Wien nicht besser sein. Und der Kartoffel-Gurkensalat dazu war zum Reinsetzen gut (14,60). Wenn wir etwas zu meckern fanden, dann waren es Kleinigkeiten, abgesehen vom recht zähen Wiener Schnitzel in fader Panade (23,80). Und die Küche liebt Portweinsaucen. Es gab sie zum üppigen, etwas zu durchgegarten Rostbraten mit sorgfältig frittierten und geschmolzenen Zwiebeln (25,80), und es gab sie zur schön rosanen Kalbsleber mit interessantem Quitten-Chutney (19,80). Dass der Portwein nicht auffiel, war eher ein Gewinn.

Auf der Getränkekarte steht kein Portwein, aber ein recht ordentliches Angebot an offenen Weinen wie Grüner Veltliner oder Pinot Grigio. Der Chardonnay und der rote Cabernet Sauvignon aus den Celliers Jean d'Albert im Languedoc waren ganz beachtlich (0,2 Liter 6,40 bis 7,40). Das Bier vom Fass kommt vom Tegernseer Brauhaus (die Halbe Helles 4,30).

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik "Kostprobe" der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch Online und mit einer Bewertungsskala. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderter Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts - von München, Wissen bis zur Politik - schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fastfood-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: Nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen - um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können. SZ

Eines muss man im Weichandhof unbedingt tun: den Nachtisch im Blick behalten und zwar den Kaiserschmarrn (12,80). Er kam mit fruchtigem Zwetschgenröster auf den Tisch, wie es sich gehört. Er schmeckte nach vielen Eiern, feiner Vanille, sündiger Butter, war mit gerösteten Mandeln bestreut und in mundgerechte, rundum karamellisierte Teile zerrissen. Franz Joseph hätte den Koch zum Hofkoch ernannt. Wer bei diesem Kaiserschmarrn das Kalorienzählen anfängt, dem kann man nur raten, einen solchen Schmarrn zu lassen.

Weichandhof, Betzenweg 81, Telefon 089 - 8911600, www.restaurant-weichandhof.de, Öffnungszeiten: Mo.-So. von 11 bis 24 Uhr, warme Küche 11.30 bis 21.30 Uhr, alle Kostproben finden Sie unter sz.de/thema/Restaurants

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