"Korner" im Glockenbachviertel Diese Bar kommt ohne Extravaganz aus

Plattencover an der Wand, ein Klavier, ein Darbrett, dazu Chili con carne: Das "Korner" will nicht mehr sein, als es ist.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die neue Bar "Korner" im Glockenbachviertel ist schlicht und geerdet - und hat doch alles, was der Münchner braucht: von der Herausforderung am Dartbrett zur Sardine mit Brot.

Von Philipp Crone

Mick Jagger hat Unrecht. Auf dem weißen Schallplattencover von 1985, das neben Dutzenden weiteren an der Wand des Korner in der Westermühlstraße 10 aufgehängt ist, steht als Albumtitel: "She's the boss", was in dieser Bar nicht stimmt. Boss ist neben Gastronom Michael Hildebrand vom Cooperativa-Restaurant der Schauspieler Eckard Preuss, der im Glockenbach "eine Kneipe" aufmachen wollte. Kneipen, also Lokale, die "nicht mehr sein wollen, als sie sind".

Was die Kneipe derzeit ist, lässt sich nach ein paar Wochen natürlich noch nicht so ganz genau sagen, das hängt ja immer mehr von den Gästen ab als von der Einrichtung. Wenn es allerdings nach Preuss geht, kommen hoffentlich demnächst zum Beispiel Theater-Kollegen, lesen unverfilmte Drehbücher oder veranstalten ab und zu künstlerische Kleinauftritte. Oder es setzt sich mal jemand ans Klavier, das an einer Längsseite des Lokals steht, und auf dem die Tageskarte Chili con Carne für 5,20 Euro anpreist.

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Auf den ersten Blick wirkt der Laden wie eine schlichte Neu-Boazn, nackte Glühbirnen von der Decke, eine Handvoll Tische im Raum, die Kerzenuntersetzer darauf sind alte Langspielplatten, etwa von "Aber der Wagen, der rollt". An einer Deckenpinnwand hängen eine Tüte Gummibärchen und ein Paar Fußballschuhe, an der zweiten Längsseite des Korner spendet eine Lichtinstallation dezent indirektes Licht, so dass der Gast auch den Weg nach hinten findet, wo ihn noch eine Biertischgarnitur und eine Dartscheibe erwarten.

Es gibt alles, was der Münchner braucht: Bier, Brotzeit und eine kleine abendliche Herausforderung. Die muss nicht an der Dartscheibe sein, die Gäste dürfen bei Preuss und Co. auch karteln oder einfach nur so dasitzen und zum Beispiel das feine Reutberger Helle vom Fass probieren (0,5 Liter zu 3,50 Euro), ein Maxlrainer Zwickl oder ein Unertl Weißbier. Dazu eine Sardine mit Brot (4,80), ein Schinken-Käse-Toast oder ein paar Wiener mit Brot (3,20), und an dieser schlanken Auswahl merkt man auch, dass es hier vor allem ums Trinken und Quatschen geht, Kneipe eben. Die Bierauswahl ist größer als die beim Wein.

"Ich würde mir wünschen, dass die Leute das als erdige Nachbarschaftskneipe aufnehmen", sagt Preuss. Wo man auch mal drei Stunden bei einem Glas Wein sitzen kann, "und nicht alle 20 Minuten der Kellner kommt und fragt, wann man wieder etwas bestellt". Das machen die Gäste bislang auch schon, ob die sechsköpfige Rentnerrunde, der Vierertisch mit Männern, die über Fußball diskutieren, oder die zwei jungen Frauen, die sich bei einem Gin Tonic das Plattencover von Mick Jagger ansehen. Sie, die Korner, die Eckkneipe, die einen mit oder ohne Sardinen erdet, sie ist der Boss.

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