Konzertsaal Jugendliche sollen vom neuen Konzertsaal profitieren

Das über 300 Millionen Euro teure Konzerthaus soll nicht nur vom traditionellen Klassikpublikum besucht werden.

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  • Ein Education-Programm soll auch junge Menschen in das neue Konzerthaus im Werksviertel locken.
  • Doch die Vorstellungen dazu, wie junge Leute an klassische Musik herangeführt werden sollen, gehen auseinander.
Von Rita Argauer

Der Standort für das neue Konzerthaus ist gefunden, der Architektenwettbewerb entschieden - nun kommen noch einmal neue Fragen auf die Politik und die zukünftigen Betreiber zu: Wie findet der Saal sein neues Publikum? Wie schafft man eine politische und gesellschaftliche Legitimation für das mehr als 300 Millionen teure Vorhaben? Die traditionellen Konzertbesucher, die derzeit in den Herkulessaal und in die Philharmonie gehen, werden dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks aller Voraussicht nach auch hinter den Ostbahnhof folgen. Doch wer wird noch kommen?

"Das zukünftige Haus soll allen Bevölkerungsschichten offen stehen", sagt Isabell Zacharias, kulturpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion der SPD. Bei einem Pressegespräch im Jugendinformationszentrum erklärten Zacharias, Isabel Berghofer-Thomas vom Kreisjugendring, die wie Zacharias im politischen Beirat der Stiftung Neues Konzerthaus München sitzt, und Hans Robert Röthel, der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung, welche Visionen sie für ein Education-Programm entwickelt haben, das an das Konzerthaus angeschlossen ist und helfen soll, Barrieren zu überwinden.

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Diese Visionen gehen jedoch subtil auseinander. Zacharias etwa vertritt vehement die Haltung, ein "Haus der Kultur für alle" schaffen zu wollen. Am liebsten möchte sie deshalb im fertig gestellten Haus Kinderlärm hören, noch bevor dort Mariss Jansons und das Symphonieorchester des BR mit dem Konzertieren beginnen. "Kulturvermittlung, Inklusion, Digitalisierung und Partizipation" sind ihre Stichworte, die nicht nur Kinder und Jugendliche betreffen, sondern alle Altersgruppen.

Dafür fordert sie drei bis vier neue Stellen, die zu Beginn des kommenden Jahres geschaffen werden sollen. Das neue Team solle dann auf "Augenhöhe mit dem zukünftigen künstlerischen Leiter des Hauses" agieren und mit Leuten wie "ehemaligen Rockstars, Kunsterzieherinnen- und erziehern und Musikervermittlerinnen und -vermittlern" besetzt werden.

Rockkonzerte freier Veranstalter möchte aber Hans Robert Röthel im Konzerthaus später nicht so gerne hören. Bei ihm klingt trotz allem Öffnungswillen die "Exzellenz" im für das Konzerthaus formulierten Dreiklang "Excellence, Access und Education" am stärksten durch. Auch er will ein offenes Haus, was auch die transparente Architektur vorgebe. Die jungen Leute, die jetzt schon das Werksviertel beleben, sollen an die klassische Musik herangeführt werden.

Der Fokus liegt auf klassischer Musik

Dieser Aspekt wird bei Röthel mehr betont als die Vermischung verschiedener Kultur- und Kunstformen. Der Fokus liegt auf klassischer Musik. Die Stiftung wird aber keine eigenen Education-Programme entwickeln, sondern nur entscheiden, welche Programme sie finanziell unterstützt. Wichtig sei dabei, dass diese "hochwertig und nicht beliebig" sind, sagt Röthel, das neue Team müsse in Abstimmung mit dem neuen künstlerischen Leiter eingestellt werden. Die "Unterhaltungsschiene" aber sehe er in Zukunft eher im neu sanierten Gasteig.

Dass der Zugang zur Hochkultur, ein Begriff, den sowohl Zacharias als auch Berghofer-Thomas eigentlich nicht mehr benutzen wollen, trotz aller schon bestehenden Education-Programme nicht immer einfach ist, weiß Berghofer-Thomas aus ihrer praktischen Arbeit beim Kreisjugendring; sowohl wenn es darum geht, die Jugendlichen ins Theater oder ins Ballett zu bringen, als auch danach: "Die meisten der Jugendlichen sind in der Oper ganz ehrfürchtig vor all dem Prunk und Samt", erzählt sie, die Ressentiments diesen neuen Operngästen gegenüber kämen dann eher vom Abo-Publikum im Parkett.

Sie hat ein Konzept für das Education-Programm entwickelt - aus Anregungen eines Workshops mit jungen Leuten, der Anfang Juli stattgefunden hat. Ein starker Fokus liegt dabei auf "Teilhabe, Selbstbestimmung und Freiwilligkeit". Ein weiterer Punkt der im Konzept formulierten Arbeitsprinzipien betrifft die Forderung nach "Gleichwertigkeit der Musikformen".

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